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SFS sieht Morgenröte im Autogeschäft

Analyse | In Heerbrugg erstellt die Industriegruppe eine neue Fabrik zur Produktion von Bremskomponenten für die Autoindustrie.

Wer die Rheintaler SFS (SFSN 88.6 -1.23%) noch immer mit Befestigungstechnik verbindet, mit den einprägsamen orangen Handwerkerkoffern mit dem prominenten weissen SFS-Schriftzug vorne drauf, wird dem Unternehmen nicht mehr gerecht. Zwar ist die Bauwirtschaft noch immer ein wichtiger Absatzmarkt für die Gruppe, doch dazu wurden über die Jahre eine Reihe weiterer Märkte erschlossen, die dem Unternehmen zum Teil höheres Wachstumspotenzial und eine schnellere globale Ausdehnung beschert haben.

Die heute breite Abstützung hat denn auch geholfen, den coronabedingten Einschnitt besser abzufedern. Ging die Ebitda-Marge im Finanzkrisenjahr 2009 auf 11,7% zurück (2010 waren es schon wieder 19,1%), bewirkte die Coronakrise «bloss» noch einen Rückschlag auf 15,5%. Geholfen hat hier etwa das Geschäft mit Komponenten für die Elektronik- und Medtechindustrie, das noch einiges Potenzial hat. Diese beiden Märkte trugen im ersten Halbjahr über ein Viertel zum Umsatz bei.

Besserung im Juli und August

Substanziell war dagegen der Rückschlag im Geschäft mit der Automobilindustrie in der Coronakrise. Weil viele Autohersteller ihre Produktion vorübergehend geschlossen hatten, ging der Umsatz im zweiten Quartal 58% zurück. Auch der Bau, obwohl dieser weniger vom Lockdown betroffen war, verzeichnete einen Umsatzrückgang um 11,6%. Insgesamt meldete SFS für das zweite Quartal einen Umsatzrückgang um 21%. Im Halbjahr waren es knapp 11%.

Die Monate Juli und August zeigen nun bereits wieder eine deutliche Besserung, wie das Unternehmen anlässlich des Investor Day vom Mittwoch mitteilt. Im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode beträgt der Rückgang nur noch 6,1%, wobei die Autoindustrie mit –10% weiterhin hinterherhinkt.

Chancen in der Autoindustrie

Für SFS-CEO Jens Breu sind die mittelfristigen Aussichten für die Autoindustrie aber intakt, wie er im Interview mit FuW im Juli erklärte. Derzeit überaltere der weltweite Fahrzeugbestand, denn um den Altersdurchschnitt der Fahrzeuge auf zehn Jahre zu halten, müssten jedes Jahr 100 Mio. Autos produziert werden, sagte er damals.

2019 wurden weltweit knapp 93 Mio. Autos hergestellt, dieses Jahr werden es um 70 Mio. sein und nächstes Jahr wohl etwa 80 Mio. Die Überalterung steigt entsprechend weiter, schafft dadurch aber Potenzial für die Jahre danach.

Trends im Automarkt kommen SFS entgegen

Dazu kommt, dass mit der zunehmenden Komplexität der Autoelektronik der Zulieferanteil von SFS tendenziell steigt. Am Beispiel Bremsen wurde am Investor Day aufgezeigt, dass die Umstellung von der konventionellen Hydraulikbremse auf die elektrische Direktbremse (Brake by Wire), die derzeit von ersten Autoherstellern erwogen wird, den Zulieferwert von SFS bis auf das Fünffache steigen lassen könnte.

Auch Gehäuse für Kameras, Sensoren und Radargeräte sind ein Wachstumsgebiet im Automobilgeschäft. Um genügend Herstellkapazitäten für bereits akquirierte Aufträge aus der Autoindustrie zu haben, will SFS die Kapazitäten am Hauptsitz in Heerbrugg für 25 bis 30 Mio. Fr. ausbauen. Damit soll das erwartete Produktionsvolumen bis 2027 abgedeckt werden können.

Zielerhöhung gut möglich

Kurzfristig hält SFS an den Zielen für 2020, wie sie im Juli kommuniziert worden sind, fest. Für das zweite Halbjahr wird mit einem Umsatz, der etwa 10% unter dem Vorjahresniveau liegt, gerechnet, Die Ebit-Marge soll etwa die 9,2% der ersten Jahreshälfte erreichen. Die Prognose wurde in Anbetracht einer in Sachen Covid-19 höchst unsicheren Entwicklung im vierten Quartal erstellt. Falls die gegenwärtigen erfreulichen Erholungstrends anhalten, können auch ein besseres Ergebnis und eine höhere Marge resultieren, lässt das Unternehmen durchblicken.

Die Aktien von SFS reagierten positiv auf die etwas bessere Geschäftsentwicklung in den Monaten Juli und August. Auch die günstigeren Perspektiven für das Autozuliefergeschäft haben gefallen. Wenn davon ausgegangen wird, dass SFS nächstes Jahr einen Gewinn in der Grössenordnung von 10 bis 15% unter dem Niveau von 2019 erreicht, sind die Titel jetzt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 bewertet. Das ist für ein solid geführtes Unternehmen mit starker Marktstellung und guter Bilanz nicht zu teuer.