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SGS behält nach Einbruch Zuversicht

Analyse | Der Konzern sieht den Prüfsektor im Vorteil. Die Zeit für Zukäufe ist eher schwierig.

Der Umsatzrückgang des Prüfkonzerns SGS (SGSN 2'805.00 +0.65%) im ersten Halbjahr überrascht nicht, auch nicht in seiner Deutlichkeit. Ab Juni hat sich der Geschäftsgang jedoch verbessert, wie CEO Frankie Ng an einer Telefonkonferenz sagte. Ohne einen erneuten pandemiebedingten Rückschlag erwartet er eine bessere zweite Jahreshälfte. Um wie viel mag er wegen der immer noch bestehenden Unsicherheiten nicht schätzen. Generell habe die Bedeutung der Test-, Inspektions- und Zertifikationsbranche (TIC-Sektor) zugenommen. Im Semesterbericht gibt es neben dem Umsatzminus von 20,7% auf 2,65 Mrd. Fr. auch zuversichtlich stimmende Hinweise: die starke Cashflow-Entwicklung und der im Vergleich zum Umsatz moderate Margenrückgang (vgl. Tabelle). Die SGS-Aktien eröffneten am Dienstag klar fester, gaben den Gewinn im Tagesverlauf aber ab. Vom Umsatzeinbruch waren alle Geschäftsfelder betroffen: Besonders deutlich ist das Minus im Bereich Öl, Gas und Chemikalien ausgefallen (–34% in Lokalwährungen), aber auch im Industriesektor (–20%) blieb SGS weit hinter den Vorjahreszahlen zurück. Eher moderat war der Umsatzrückgang dagegen im Bereich Landwirtschaft und Nahrungsmittel (–7%) und im Sektor Konsumgüter und Detailhandel (–4%). Die beiden Segmente sollen gemäss CEO Ng auch im zweiten Halbjahr überdurchschnittlich abschneiden.

Effizienzprogramm hilft

Dank Kostendisziplin und der bereits vor der Pandemie ergriffenen Restrukturierungsmassnahmen ist es SGS gelungen, den Rückgang der Ertragskraft zu begrenzen. Die operative Marge sank von 14,5 auf 12,5%. Das Margenziel 2020 von 17% kann nicht mehr erreicht werden. Finanzchef Dominik de Daniel ergänzte, dass SGS das Ziel ohne Covid-19 erreicht hätte. «Ich sehe keinen Grund, mittelfristig nicht dorthin zu kommen», ergänzte er. Er habe «ermutigende Anzeichen», dass der Abstand zum Vorjahreswert per Ende Dezember «deutlich geringer» sein werde als die 200 Basispunkte per Ende Juni.
Grund für das im Verhältnis zum Umsatz bessere Abschneiden sind die letztes Jahr initiierten Massnahmen zur Effizienzsteigerung. Sie verbesserten die Profitabilität um 90 Mio. Fr. Unter dem Strich blieb ein deutlich geringerer Gewinn, da neben dem schwächeren Geschäft auch ein Verkaufserlös aus dem Vorjahr wegfiel. Trotz aller Widrigkeiten war das Unternehmen imstande, in den ersten sechs Monaten einen höheren betrieblichen und auch mehr freien Cashflow zu erarbeiten. Die Basis für die Zahlung einer soliden Dividende ist dadurch gelegt. Angaben dazu blieben an der Telefonkonferenz allerdings aus.

Kurspotenzial intakt

Für die Zeit nach der Pandemie ist SGS zuversichtlich. Der CEO nannte als Beispiel für neue Geschäftsmöglichkeiten eine Vereinbarung mit dem Pharmakonzern AstraZeneca. SGS übernimmt die Qualitätskontrolle und Testanalysen zur Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs in Schottland. Nach Akquisitionen wird weiterhin Ausschau gehalten. «Die Pipeline für Zukäufe ist intakt, das Tempo allerdings verhalten», sagte Frankie Ng. Bis Ende Jahr könnten aber weitere Abschlüsse zu den bisher zwei in diesem Jahr dazukommen. Die Investoren sind über die SGS-Aktien nicht ganz einer Meinung. Die Titel haben in den letzten Wochen Boden gutgemacht, den Rückstand auf den Swiss Market Index aber noch nicht aufgeholt. Langfristig ist das Kurspotenzial der nicht übertrieben bewerteten Valoren intakt.

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