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Shell gibt Hedge Fund Kontra

Der Energiegigant geht doch keine Zusammenarbeit mit dem US-Starinvestor Daniel Loeb ein. Er steht jedoch weiterhin unter Druck von Regierungen, seine Aktivitäten zu dekarbonisieren.

(Reuters) Der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell (RDSB 1'644.60 +0.7%) erteilt Forderungen des aktivistischen Investors Third Point nach einer Aufspaltung eine Absage. Eine Trennung in ein Unternehmen für fossile Brennstoffe sowie eines für erneuerbare Energien könnte zwar unter finanziellen Gesichtspunkten überzeugend sein, würde im wirklichen Leben aber nicht funktionieren, sagte Finanzchefin Jessica Uhl am Donnerstag bei der Vorstellung der Quartalsbilanz. Vorstandschef Ben van Beurden betonte, die Strategie von Shell sei schlüssig und werde von der Mehrheit der Anteilseigner gut verstanden.

Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass Third Point eine grosse Beteiligung an dem Ölkonzern erworben hat und dessen Aufspaltung fordert. Die Beteiligung des Hedgefonds des US-Star-Investors Daniel Loeb, der bereits bei anderen Unternehmen erfolgreich Strategieänderungen angestossen hat, ist einem Insider zufolge rund 750 Mio. $ wert. An der Börse wird Shell gegenwärtig mit knapp 190 Mrd. $ bewertet.

Shell steht wie auch andere grosse Ölkonzerne unter zunehmenden Druck von Regierungen und Investoren, seine Aktivitäten zu dekarbonisieren. Das Unternehmen hat sich bereits von Geschäften mit fossilen Brennstoffen getrennt und gleichzeitig seinen Anteil an erneuerbaren Energien ausgebaut. Loeb schrieb in einem Brief an seine Kunden, dass Shell aufgrund dieses Drucks nicht schlüssige Strategien für seine Öl-, Chemie-, Handels- und erneuerbare Energien-Geschäfte habe. Es gebe Raum für «Verbesserungen auf ganzer Linie bei Shell».

«Wenn man das in Einzelteile zerlegt, kann das aus finanzieller Sicht sehr interessant klingen», sagte Finanzchefin Uhl dazu. «Aber wenn es um wirkliche Lösungen geht, denke ich, dass das nicht funktioniert und dass unsere Fähigkeit, diese verschiedenen Teile des Puzzles zu integrieren und zusammenzubringen, den entscheidenden Unterschied bei der Energiewende ausmachen wird.»

Bis 2030 will der Konzern strengere Klimaziele in Angriff nehmen. Die absoluten Emissionen aus seiner Geschäftstätigkeit will Shell bis dahin gegenüber dem Niveau von 2016 halbieren. Zuvor hatte das Unternehmen für diesen Zeitraum nur intensitätsbasierte Emissionsreduktionsziele. Die direkten Emissionen des Konzerns werden durch solche, die durch die Verbrennung seiner Produkte durch die Kunden verursacht werden (Scope 3), in den Schatten gestellt.

Shell hatte erklärt, bis 2050 klimaneutral werden zu wollen, steht aber unter Druck, schneller mehr zu tun, nachdem ein niederländisches Gericht das Unternehmen im Mai zu strikteren CO2-Zielen verdonnert hatte. Demnach soll Shell alle seine Emissionen, einschliesslich Scope 3, bis 2030 um 45% reduzieren. Gegen das Urteil will der Konzern in Berufung gehen. Shell hatte sich ursprünglich vorgenommen, bis 2023 die Emissionen um mindestens 6%, bis 2030 um 20% und bis 2035 um 45% gegenüber 2016 zu senken.

Im dritten Quartal fuhr Shell einen Gewinn von 4,13 Mrd. $ ein, deutlich weniger als Analysten mit 5,31 Mrd. $ erwartet hatten. Im Vorquartal hatte noch ein Gewinn von 5,53 Mrd. $ zu Buche gestanden, vor Jahresfrist waren es 955 Mio. $. Für Bremsspuren sorgten Belastungen über 400 Mio. $ wegen Schäden durch den Hurrikan «Ida» in den USA im August. Der Mittelzufluss (Cash-Flow) wurde dagegen von der Explosion der Energiepreise angetrieben. Er stieg um rund 54% auf 16 Mrd. $. Shell-Aktien fielen dennoch an der Londoner Börse um fast 3% und zogen auch andere Öl-Werte in den Keller.

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