Meinungen

Sicherer Hafen

Auch auf die klassisch sicheren Anlageklassen ist kein Verlass. Ein Kommntar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe

«Ich bin weiter davon überzeugt, dass der Aktienmarkt der beste Ort ist, um die Krise auszusitzen»

Wenn Aktien schlecht laufen, dann kann man auf Bonds ausweichen. Wenn es ungemütlich wird, ist auf Gold (Gold 1729.87 0.51%) und den Franken Verlass. Das alles gilt im Moment nicht mehr. Die Suche nach sicheren Häfen, um sein Geld gut anzulegen, ist schwierig geworden.

Ein klassisches Beispiel ist Gold. Der Preis pro Unze ist in den letzten Tagen 15% auf weniger als 1500 $ gefallen. Das ist zwar besser als der Aktienmarkt, ein sicherer Hafen ist Gold aber auch nicht. Weder fallende Aktienkurse noch niedrigere Leitzinsen haben es beflügelt. Dann eben der neue sichere Hafen Bitcoin (Bitcoin 9434.9 -1.24%). Einige Strategen wollten uns ja weismachen, dass die Kryptowährung dazu taugt, Rückschläge am Aktienmarkt abzufedern. Bitcoin hat zuletzt 50% verloren und notiert unter 5000 $. Finger weg.

 Im Prinzip bleiben jetzt noch Bonds übrig. Doch das ist auch nicht viel ertragreicher, als Cash zu horten. Sogar US-Treasury-Bonds, die lange noch etwas Rendite abwarfen, sind nach den jüngsten Zinssenkungen des Fed zu teuer geworden. Dazu werden höher verzinsliche Obligationen immer gefährlicher – denn Downgrades durch die Ratingagenturen und Konkurse sind nur eine Frage der Zeit. Ganz mutige Anleger schielen nun Richtung Asien, da sich die Pandemie dort besser zu entwickeln scheint als in unseren Gefilden. Das ist zwar eine interessante Trading-Idee, doch ein sicherer Hafen ist es nicht.

Falls Sie erwartet haben, dass ich Ihnen jetzt den perfekten sicheren Hafen aus dem Hut zaubere, muss ich Sie enttäuschen. Ich bin aber weiter davon überzeugt, dass der Aktienmarkt der beste Ort ist, um die Krise auszusitzen. Dort gibt es im Moment nur ein Mantra: auf Qualität setzen.