Märkte / Makro

Sie steht für mehr vom Alten – was alle wollen

Von Präsident Barack Obama zur Chefin des Federal Reserve nominiert, steht Yellen für die Fortführung der lockeren Geldpolitik. Die Nebenwirkungen scheinen ihr nicht so wichtig.

Die USA sind begeistert. Eine Frau wird an die Spitze der US-Notenbank vorrücken – der Institution, die in Zeiten des Haushaltsstreits die Wirtschaftspolitik in Amerika noch gestalten kann. Dass die Medien in den Vereinigten Staaten sich nun gegenseitig mit Details über Janet Yellen übertrumpfen, zeigt, wie sehr sich die 67-jährige Akademikerin bisher im Hintergrund gehalten hat – ganz anders als etwa Larry Summers, der vorlaute Harvard-Professor, der sich nach öffentlichen Anfeindungen selbst aus dem Rennen um den Fed-Vorsitz gezogen hat.

Yellen, emeritierte Professorin an der Berkeley-Universität und Frau des Wirtschaftsnobelpreisträgers George Akerloff, wird zwar als hoch qualifiziert angesehen – doch sie begeistert besonders dadurch, dass sie wohl alles beim Alten lassen wird. Als «Taube» hat sie kaum Probleme, eine lockere Geldpolitik zum Eindämmen der Arbeitslosigkeit zu vertreten. Schon 2010, bei ihrer Bestätigung als stv. Vor­sitzende der US-Notenbank im Senat, wurde ihr von Republikanern eine ­«inflationäre Tendenz» vorgeworfen.

Diese Tendenz wird an der Wallstreet gerne gesehen: Die Anleihenkäufe des Fed haben die Märkte bisher gut unterstützt. Und jedes Zeichen, dass sich das Kaufprogramm noch länger hinziehen wird, ist willkommen. Auch wenn 60% der Ökonomen in einer Umfrage des «Wall Street Journal» keine Änderungen zur Politik Bernankes erwarten – immerhin 38% erwarten eine gelockerte Geldpolitik unter Janet Yellen.

Der Glaube an die Geldpolitik

Yellen ist das erste Mitglied der Demokraten seit dreissig Jahren, das das Fed leiten wird – Bernanke war registrierter Republikaner. Was sie mit Bernanke verbindet, ist der Glaube an die Wirksamkeit der Geldpolitik. Wie ihr Vorgänger ist sie als Ökonomin vom Versagen der Wirtschaftspolitik in der Grossen Depression in den Dreissigerjahren geprägt. Für manch einen Geschmack glaubt sie zu sehr an die Wirksamkeit der lockeren Geldpolitik. Besonders die Bekämpfung von höheren Vermögenspreisen hatte sie vor der Finanzkrise abgelehnt.

Zwar zeigte sie sich in einer Rede 2005 besorgt über hohe Häuserpreise in den USA. Aber sie glaubte, dass der Zusammenbruch der Immobilienblase die Wirtschaft nicht aus der Bahn werfen könne. Und die Konsequenzen eines Platzens der Blase könnten leicht durch billiges Geld des Fed gemildert werden. Wie der Mainstream der US-Geldpolitik hat sich Yellen mit ihrer Vorhersage geirrt: Die zusammenbrechende Immobilienblase bedrohte das Bankensystem über die USA hinaus und führte zu einer weltweiten Wirtschaftskrise.

Zwar schloss Janet Yellen in ihrer Rede 2005 nicht aus, dass man durch Finanzregulierung statt durch Geldpolitik die Blase bekämpfen solle. Doch als grosse Verfechterin einer strikten Regulierung glänzte sie danach nicht. Zwischen 2004 und 2010 war sie Chefin der Fed-Distriktbank von San Francisco – einem der Brandherde des überhitzten US-Immobilienmarktes. Nach einem internen Kontrollbericht wurde in Yellens Dis­triktbank zu wenig bei der Bankenprüfung getan, um die Insolvenz von zwölf Banken nach Lehman zu verhindern.

Nach der Finanzkrise fordert Yellen nun höhere Eigenkapitalquoten für die Banken, um das Finanzsystem sicherer zu machen. Sie mag aus den letzten ­Jahren ihre Lehren gezogen haben, doch befindet sie sich wieder im Mainstream der Geldpolitik. Eine Vordenkerin ist sie dadurch nicht.