Unternehmen / Gesundheit

Siegfried überzeugt mit Schlussspurt

Analyse | Die Pharmaauftragsfertigerin wächst 2020 trotz eines Rücksetzers im ersten Halbjahr leicht. Der Gewinn steigt überproportional.

Siegfrieds Umsatzwachstum fällt mit 1,4% zwar nicht überwältigend aus. In Lokalwährungen sind die Verkäufe im vergangenen Jahr aber ansprechende 4,5% gewachsen. Angesichts der Coronakrise und dem Rückgang in Franken im ersten Semester ist das durchaus bemerkenswert. Siegfried (SFZN 792.50 -0.56%) musste im Sommer einen 1,5% geschrumpften Umsatz gegenüber der Vorjahresperiode bekannt geben.

Im zweiten Semester, dem traditionell stärkeren, hat das Wachstum nun 4% betragen. Insgesamt übertrifft der Jahresumsatz mit 845 Mio. Fr. die Analystenerwartungen im Durchschnitt, die gemäss der Nachrichtenagentur AWP bei 840,6 Mio. Fr. lagen.

Kern-Ebitda-Marge schnellt von 15 auf 20%

Noch besser hat die Pharmaauftragsfertigerin mit den Gewinnzahlen abgeschnitten, legte der Kernbetriebsgewinn (Kern-Ebitda) im zweiten Halbjahr doch 22,7% auf 91,3 Mio. Fr. zu. Die Kern-Ebitda-Marge erreichte damit bereits die mittelfristig angestrebten 20%. Im Gesamtjahr stieg die Kennzahl auf 17,7%, ebenfalls deutlich höher, als nach den enttäuschenden 15% im ersten Halbjahr erwartet worden war.

Siegfried hält sich damit auf Kurs, um eher früher als später das mittelfristige Ziel einer Kern-Ebitda-Marge von 20% zu erreichen. Das Management definiert mittelfristig mit drei bis fünf Jahren (gerechnet ab 2020).

Schwierige Prognosen

Exakte Prognosen sind zurzeit aber ohnehin schwierig, nicht nur aufgrund der Pandemie. Siegfried wird ab diesem Sommer den Impfstoff von BioNTech (BNTX 344.06 +3.17%) und Pfizer (PFE 54.27 +2.32%) abfüllen, wobei die Nachfrage im kommenden Jahr oder darüber hinaus ebenso wenig feststeht wie die genaue Zahl an Ampullen, die die Pharmaauftragsfertigerin in ihrem Werk im deutschen Hameln wird abfüllen können. CEO Wolfgang Wienand versicherte an der telefonischen Medienkonferenz, Siegfried wolle so viel wie möglich herstellen.

In den nächsten zwei bis drei Jahren gilt es auch, die zwei von Novartis (NOVN 73.57 -0.31%) erworbenen Werke mit rund 1000 Mitarbeitenden in der Region Barcelona zu integrieren. Solche Grossprojekte sind immer von Unwägbarkeiten begleitet.

Das Management mahnt denn auch im Ausblick, der Umsatz könne «zwischen den Jahren fluktuieren», nicht nur wegen des Geschäfts mit Coronaimpfstoffen, sondern auch wegen Auslastungsschwankungen mit Novartis-Produkten. Diese werden vorderhand die einzigen sein, die in den gekauften Fabriken hergestellt werden.

Umsatz «deutlich über 1 Mrd. Fr.»

Erst ab 2023 oder 2024, nach Abschluss der Integration, soll neu akquiriertes Geschäft auch einen Beitrag zur Margenexpansion leisten. Das Management wird auch hier zeigen müssen, wie schnell es gelingt, Aufträge an Land zu ziehen.

Auf jeden Fall erwartet es im laufenden Jahr einen Umsatz «deutlich über 1 Mrd. Fr.» Zuvor hatte es «über 1 Mrd. Fr.» geheissen. Präziser mochte Wienand nicht werden. Die Analystenschätzungen liegen bei etwa 1,05 Mrd. Fr., was einem Umsatzsprung von knapp einem Viertel entspräche. Auch die Marge soll weiter steigen.

Weitere Zukäufe angestrebt

Wienand betonte, dass er trotz dem Kauf der Novartis-Werke, über deren Preis Stillschweigen vereinbart worden war, Ausschau nach weiteren Objekten halte. Da sie rar sind, will er flexibel bleiben. Der CEO verhehlt aber nicht, dass er gerne auch im Bereich Drug Substances Wirkstoffe der Sicherheitsstufe vier herstellen würde. Sie bedingen noch grössere Schutzmassnahmen.

Bei den Drug Products, der Herstellung, respektive Abfüllung von Pillen oder Ampullen mit Medikamenten, verfügt Siegfried bereits über Fertigkeiten in höheren Sicherheitsstufen. Mit den Novartis-Werken sind weitere Kapazitäten hinzugekommen.

Aktien auch nach Kursanstieg nicht zu teuer

Ausserdem steigt Siegfried damit auch in diesem bisher mit einem knappen Viertel Umsatzanteil klar kleineren Bereich zu einem Netzwerkhersteller auf. Sie kann also kombinierte und zum Teil redundante Kapazität anbieten, was manche grössere Kunden verlangen.

«Finanz und Wirtschaft» schätzt, dass der Zukauf Siegfried bessere Perspektiven eröffnet. Kurzfristig besteht zudem Fantasie für weitere Aufträge zur Abfüllung von Coronaimpfstoffen. Im November hat FuW die Aktien deshalb neu zum Kauf empfohlen. Am Mittwoch ist der Kurs nach Bekanntgabe des Jahresergebnisses 7% gestiegen.

Die Papiere sind auch auf diesem Niveau mit einem für dieses Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 29 im Vergleich mit den anderen kotierten Schweizer Auftragsfertigern nicht teuer. Allerdings ist das Unternehmen auch weniger profitabel.

 

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