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Siemens will noch mehr

Der deutsche Technologiekonzern ist im Hoch und schraubt zum dritten Mal seine Erwartungen nach oben.

(Reuters) Siemens (SIE 96.00 -1.12%) erhöht nach einem furiosen Quartal zum dritten Mal in diesem Jahr die Umsatz- und Gewinnerwartungen. Von April bis Juni hat sich der Nettogewinn im Vergleich zu dem stark von der Coronakrise geprägten dritten Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 (Ende September) auf 1,48 Mrd. von 535 Mio. € fast verdreifacht, wie der Münchner Technologiekonzern am Donnerstag mitteilte. Der Umsatz legte auf vergleichbarer Basis um 21% auf 16,1 Mrd. € zu, der Auftragseingang schoss sogar um 44% auf 20,5 Mrd. € nach oben. Ohne Währungseffekte wären die Zuwächse noch höher ausgefallen. «Im dritten Quartal haben wir erneut geliefert – mit starkem und profitablem Wachstum in allen Geschäftsbereichen», sagte Vorstandschef Roland Busch.

Die Zahlen übertrafen die Erwartungen der von Siemens befragten Analysten deutlich. «Herausforderungen – etwa in den Lieferketten – haben wir erfolgreich gemeistert», sagte Busch. Dass es zu keinen wesentlichen Engpässen in der Versorgung mit Chips und Rohstoffen kommt, sei auch die Voraussetzung für die neuen, höheren Prognosen. Der Umsatz soll bis Ende September um 11 bis 12% (Prognose bisher: 9 bis 11%) zulegen, der Nettogewinn soll auf 6,1 und 6,4 (bisher 5,7 bis 6,2) Mrd. € steigen. Dabei ist zum ersten Mal der US-Krebs-Spezialist Varian berücksichtigt, den die börsennotierte Tochter Siemens Healthineers (SHL 47.75 -1.53%) im April übernommen hat. Analysten trauen Siemens bisher im Schnitt einen Nettogewinn von 6,1 Mrd. € zu.

Die Erlanger Medizintechnik-Tochter Healthineers hatte ihre Erwartungen schon in der vergangenen Woche angehoben, auch dank des brummenden Geschäfts mit Corona-Schnelltests. Besonders gut lief es im dritten Quartal in der Gebäude- und Infrastruktur-Technik (Smart Infrastructure), die um 15% wuchs und das operative Ergebnis (angepasstes Ebita) fast verdoppelte. Für die Sparte erwartet Siemens im Gesamtjahr nun ein Umsatzwachstum von 8 bis 9% (bisher 5 bis 7). Die Industrieautomatisierungs-Sparte Digital Industries rechnet nun mit einem Wachstum von 10 bis 12% (bisher 9 bis 11).

Für die Zug-Sparte Mobility bleibt es bei der Erwartung eines Umsatzwachstums von rund 5%, obwohl die Aufträge dank einer Milliarden-Order aus den USA 74% höher waren als im Vorjahr. Siemens stärkt die Sparte mit der 550 Mio. € teuren Übernahme von Sqills, dem Entwickler einer Reservierungs-Software aus den Niederlanden. Das passt in die Strategie von Vorstandschef Busch. Er will die Sparten mehr auf Software ausrichten und das Software-Geschäft vom Verkauf von Lizenzen auf ein Abo-Modell umstellen.