Unternehmen / Industrie

Sika überzeugt mit weiteren Rekorden

Analyse | Obwohl er leichten Margendruck verspürt, liefert der Bauzulieferer für die ersten neun Monate des laufenden Jahres sehr gute Zahlen ab.

Die unternehmerische Selbständigkeit bekommt Sika gut. Der Bauzulieferer setzt seine Wachstumsstrategie seit dem 11. Juni eher noch aggressiver fort als zuvor. Die ausserordentliche Generalversammlung von diesem Datum markierte den Beginn einer neuen Ära: Der Streit um den Verkauf der Stimmenmehrheit an die französische Saint-Gobain (SGO) konnte im Sinne von Sika beigelegt werden. Das Unternehmen hat nun keinen Mehrheitsaktionär mehr, es ist eine echte Publikumsgesellschaft geworden.

Sika generierte in den ersten neun Monaten ein über Erwarten hohes Umsatzwachstum von 14,1% auf den Rekordwert von gut 5,3 Mrd. Fr. Trotz einem leichten Margendruck erreichten auch Ebit und Gewinn Höchstwerte. Die Börse hat die guten Zahlen mit deutlichen Kursavancen honoriert.

Starkes Europa

Konzernchef Paul Schuler zeigte sich erfreut darüber, dass das Umsatzwachstum «deutlich über unserem Zielkorridor liegt». Dazu haben alle Regionen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmass, beigetragen. Das stärkste Umsatzwachstum mit einem Plus von 14,4% auf 2,4 Mrd. Fr. generierte die Region Emea (Europa, Naher Osten, Afrika). Die Region Americas realisierte eine Zunahme von 13%. Der Raum Asia/Pacific blieb mit 4,8% deutlich zurück.

Das neue Segment Global Business, das im Wesentlichen das Automobilzuliefergeschäft umfasst, steigerte den Umsatz gar 29,9%. Davon sind allerdings 22,7 Prozentpunkte auf die Akquisition der Faist ChemTec zurückzuführen. Der konzernweite Umsatzzuwachs ist je rund hälftig auf Akquisitionen sowie organisches Wachstum zurückzuführen.

Die Margen haben in den ersten neun Monaten – auf hohem Niveau – leicht nachgegeben. Dafür verantwortlich sind höhere Rohstoffkosten, Aufwendungen für die Integration von akquirierten Unternehmen sowie Einmalkosten aus der Einigung im Übernahmestreit mit SGO. Diese belaufen sich auf 23 Mio. Fr. und umfassen die seit Jahren sistierten Bezahlungen des Verwaltungsrats sowie mit der Einigung angefallene Transaktionskosten.

Sika hat im Berichtszeitraum zügig an der Umsetzung der Strategie weitergearbeitet. Es wurde eine neue Ländergesellschaft in Honduras gegründet. Das Unternehmen ist nun in 101 Ländern mit eigenen Gesellschaften vertreten. Weiter wurden drei Akquisitionen abgeschlossen. Sie bringen auf Jahresbasis einen Umsatz von zusammen rund 345 Mio. Fr.

Zudem hat Sika von Januar bis September sechs neue Werke in Betrieb genommen, zwei weitere im Oktober. Alle Neueröffnungen fanden in Schwellenländern statt. Ob 2018 noch weitere Akquisitionen folgen, wird sich zeigen. Sika will im stark fragmentierten Markt der Bauchemie diesbezüglich auf jeden Fall weiter aktiv bleiben.

Guidance bestätigt

Anlässlich der Publikation der Zahlen zu den ersten neun Monaten wurde die Guidance für das laufende Jahr bestätigt. Sika erwartet eine Umsatzsteigerung von über 10% auf erstmals mehr als 7 Mrd. Fr. Trotz den erwähnten ertragsseitig bremsenden Faktoren erwartet das Unternehmen auch im Ebit und im Gewinn je eine zweistellige Zuwachsrate.

«Finanz und Wirtschaft» reduziert die Gewinnschätzungen leicht auf 5 Fr. je Aktie für das laufende Jahr sowie auf 5.90 Fr. für 2019. Daraus errechnet sich für das kommende Jahr ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 – eine für Sika eher günstige Bewertung. Das Unternehmen wird die für das laufende Jahr gesetzten Ziele höchstwahrscheinlich erreichen und den Wachstumskurs in den folgenden Jahren fortsetzen. Dabei dürfte der leichte Margendruck eher vorübergehender Natur sein. Die Aktien bleiben ein Kauf.

Die komplette Historie zu Sika finden Sie hier. »

Bitte loggen Sie sich ein, um diesen Artikel vollständig zu lesen.

Leser-Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.