Unternehmen / Industrie

Sika gleist Finanzierung des Kaufs eigener Aktien auf

Der Bauzulieferer nimmt mit einer Wandelanleihe über 1,65 statt 1,5 Mrd. Fr. ein. Damit sollen eigene Aktien von Saint-Gobain zurückgekauft werden.

(AWP/RK) Sika (SIKA 143.3 -1.44%) hat eine Wandelanleihe über 1,65 Mrd. Fr. platziert und damit einen höheren Betrag eingenommen als die ursprünglich veranschlagten 1,50 Mrd. Fr. Mit dem Geld soll der Kauf der eigenen Aktien von Saint-Gobain finanziert werden. Dieser Kauf war im Rahmen einer Einigung im Übernahmestreit vereinbart worden. Die UBS (UBSG 15.85 -0.16%) hatte den Deal mittels einer Brückenfinanzierung vorfinanziert.

«Die am Dienstag platzierte Anleihe war die grösste bislang in der Schweiz ausgegebene Wandelanleihe», sagt Thorsten Pauli, Leiter Aktienkapitalmarkt der UBS Schweiz, die als alleinige Emissionsbank die Wandelanleihe von Sika platzierte. Das Volumen sei im Zug der Platzierung um 150 Mio. Fr. aufgestockt worden. «Die gute Bonität und Equity Story von Sika haben zu einer grossen Nachfrage der Investoren geführt – national wie international», erklärte der Kapitalmarktexperte gegenüber «Finanz und Wirtschaft».

Die Wandelanleihe erhält einen Coupon von 0,15%, wie der Zuger Bauchemiehersteller am Dienstagnachmittag mitteilte. Die Anleihen, die bis 2025 laufen, werden zu 100% ihres Nennwertes ausgegeben. Der Preis für die Umwandlung in eine Aktie enthält eine Prämie von 40% auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der Sika-Aktien. Dies impliziert eine angenommene jährliche Kursentwicklung von rund 6%.

Kaum Verwässerung

Die bestehenden Sika-Aktionäre müssen kaum eine Verwässerung durch die Wandelanleihe fürchten. Das Unternehmen plant dem Vernehmen nach, die bei Wandlung der Anleihe zu liefernden Aktien bis dahin in einer zweiten Tranche dem Neuaktionär Saint-Gobain abzukaufen.

Die Umwandlung der Anleihe in Sika-Anteile hängt an der Einheitsaktie. Sika plant, diese an einer ausserordentlichen Generalversammlung (a. o. GV) im Juni einzuführen. Wenn die Aktionäre den entsprechenden Anträgen zustimmen, können die Anleihen ab dem zehnten Handelstag nach der Registrierung der angenommenen Anträge der GV im Handelsregister in Aktien umgetauscht werden.

Scheitert die Einführung der Einheitsaktie, wird Sika die Wandler für 102% des Ausgabepreises oder 102% des Marktpreises zurückkaufen – je nachdem, welches der höhere Preis ist.

Bonitätsrating von S&P von A–

Sika wird die Anleihen in der Schweiz anbieten sowie privat bei Profianlegern in anderen Ländern platzieren. Aktionäre bekommen ein Vorverkaufsrecht, das sie bis kommenden Freitag ausüben können. Pro Aktie mit Nennwert 0.60 Fr. erhält der Besitzer sechs Rechte, pro Aktie mit Nennwert 0.10 Fr. ein Vorkaufsrecht.

Sikas Kreditwürdigkeit wird laut der Mitteilung von Standard & Poors mit A– mit stabilem Ausblick bewertet. Damit gilt das Unternehmen als sichere Anlage, sofern keine unvorhergesehenen Ereignisse die Gesamtwirtschaft oder Branche beeinträchtigen. Sika erwartet, dass die Anleihen im Rahmen des Unternehmensratings bewertet werden.

Sika hatte im Rahmen der Einigung mit Saint-Gobain und der Erbenfamilie im Übernahmestreit zugesagt, Saint-Gobain 6,79% der Sika-Aktien für 2,08 Mrd. Fr. abzukaufen. Der am letzten Freitag bekannt gegebenen Einigung ging ein dreieinhalbjähriger Streit voraus.

Saint-Gobain wollte die Kontrolle über Sika übernehmen, indem der französische Konzern der Erbenfamilie Anteile von rund 16% mit rund 53% der Stimmrechte abkauft. Dagegen wehrten sich die Firmenspitze sowie Minderheitsaktionäre. Saint-Gobain verkauft nun einen Teil der Familienaktien an Sika weiter und bleibt danach der grösste Aktionäre von Sika mit rund 11% Anteilen, aber ohne Kontrolle über das Unternehmen.

Die komplette Historie zu Sika finden Sie hier. »

Leser-Kommentare