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Unternehmen / Industrie

Sika-Aktien geben nach

Der nahende Entscheid des Zuger Obergerichts im Fall des Übernahmestreits sorgt beim Bauchemiekonzern für eine erhöhte Volatilität.

(AWP) Die Aktien des Bauchemiekonzerns Sika (SIK 7630 0.39%) gehören am Freitag in einem gehaltenen Gesamtmarkt zu den grössten Verlierern unter den Bluechips. Die Gewinne des Vortages werden damit beinahe vollständig wieder eingebüsst.

Bereits in der Vorwoche fiel die Aktie mit einem Rücksetzer um 300 Fr. innert zweier Tage auf, nachdem das seit rund zwei Jahren stetig steigende Papier das Allzeithoch auf 7’400 Fr. hinaufgeschraubt hatte.

Als Grund für die zuletzt gestiegene Volatilität von Sika wird in Marktkreisen der nahende Entscheid des Zuger Obergerichts im Fall des Übernahmestreits mit St. Gobain bzw. der Schenker-Winkler-Holding (SWH) gesehen.

Bis um 12.00 Uhr büssen Sika bei druchschnittlichem Handelsvolumen 0,9% auf 7’195 Fr. ein. Der Gesamtmarkt (SMI (SMI 9394.71 0.12%)) steht 0,02% höher.

Im Vorfeld des Entscheids des Obergerichts dürfte die Volatilität der Sika-Aktie zunehmen, heisst es in einer Einschätzung von Bernstein. Dabei seien die Chancen für Ausschläge nach unten grösser als in die andere Richtung, denn anders als vor einem Jahr, als die Aktie einen Discount von rund 10% gegenüber vergleichbaren Unternehmen aufwies, verzeichne diese nun eine Prämie von rund 10%.

Bernstein geht davon aus, dass das Urteil des Gerichts bis spätestens am 27. Oktober 2017 publiziert wird. Die britische Bank will mit einem Kommentar die Investoren daran erinnern, dass die Auseinandersetzung zwischen Sika und St. Gobain/SWH noch nicht ausgestanden ist.

Im Streit um die Zukunft des Baustoffherstellers Sika hatte der Verwaltungsrat im Oktober 2016 einen Etappensieg gegen die Erbenfamilie Burkard errungen. Das Kantonsgericht Zug hatte damals die Anfechtungsklage der SWH gegen die Beschlüsse der Generalversammlung 2015 abgewiesen.

In der Folge rekurrierte die SWH, welche die Interessen der Familie Burkhard vertritt, gegen diesen Entscheid beim Zuger Obergericht. Dessen Verdikt steht nun unmittelbar bevor. Der seit Juli amtierende CEO von Sika, Paul Schuler (SCUN 34 0%), sagte an der Investora 2017 im September, dass er den Entscheid «möglicherweise in den nächsten Wochen» erwarte.

Drei Optionen für die Familie Burkhard

Laut Bernstein ist ein aus Sika-Sicht positiver Entscheid des Obergerichts im Aktienkurs eingepreist, ein negativer dagegen nicht. Deshalb erwartet die Bank für den ersten Fall auch keine grosse Reaktion des Aktienkurses mehr, während sie das Abwärtspotential auf dem aktuellen Rekordniveau als signifikant einschätzt.

Unabhängig vom Gerichtsurteil sieht Bernstein für die Familie Burkhard drei Optionen. Da sich die Bedingungen des ursprünglichen Deals wegen des Anstiegs der Aktie verändert hätten, könnte die Erbenfamilie die Transaktion mit St. Gobain neu verhandeln, sie könnte ein attraktiveres Rückkaufangebot von Sika akzeptieren oder Eigentümer von Sika bleiben und allenfalls eine neue Ankeraktionärsgruppe bilden.

Bernstein geht indes davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Schiedsspruch zu Gunsten von Sika am wahrscheinlichsten ist. Der Investment Case für die Aktie bleibe deshalb auf Sicht von 12 Monaten intakt. Allenfalls komme es im Vorfeld des Urteils zu Gewinnmitnahmen, dies ergäbe aber auf mittlere Sicht gute Einstiegsgelegenheiten. Die Bank bestätigt das Rating «Outperform» mit einem Kursziel von 7’580 Fr.

Die komplette Historie zu Sika finden Sie hier. »