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Sika wird für den Anleger noch attraktiver

Der Bauzulieferer gibt sich ein modernes Kapitalkleid und hebt die Vinkulierung sowie das Opting-out auf.

Sika drückt aufs Tempo: Nur wenige Tage nach der Einigung im Konflikt mit der Gründerfamilie Burkard bzw. der Schenker-Winkler Holding (SWH) sowie dem potenziellen Übernehmer Saint-Gobain (SGO) gibt sich Sika ein modernes Kapitalkleid. Für den 11. Juni wird zu einer ausserordentlichen Generalversammlung (a.o. GV) eingeladen.

Nachdem die Transaktionen mit der SWH und SGO umgehend vollzogen wurden, steht die Schaffung einer Einheitsaktie im Mittelpunkt der a.o. GV. Die bestehenden Inhaberaktien werden dabei im Verhältnis 1:60 und die Namenaktien 1:10 gesplittet. Zudem werden jene rund 7% der Stimmen, die Sika von SGO erworben hat, vernichtet und das Kapital entsprechend reduziert.

SGO grösster Aktionär

Damit resultiert neu ein Aktienkapital von gut 1,4 Mio. Fr., aufgeteilt in 141,8 Mio. Namenaktien mit einem Nennwert von 0,01 Fr. Der elementare Grundsatz «one share, one vote» wird damit umgesetzt. Grösster Einzelaktionär wird SGO mit einem Anteil von 10,75%.

Weiter beantragt der VR, die Vinkulierung und das Opting-out aus den Statuten zu streichen. Das heisst, neu muss ein Aktionär, der mehr als einen Drittel der Stimmen hält, allen Publikumsaktionären ein öffentliches Übernahmeangebot machen. Diese Klausel ist, neben der Börsenkapitalisierung, noch der einzige «Schutz» vor einer feindlichen Übernahme. Die Kapitalisierung beträgt derzeit gut 20 Mrd. Fr. – ein potenzieller Übernehmer müsste sehr kapitalkräftig sein. SGO hätte sich dies nie leisten können.

Zu Änderungen kommt es auch im VR. Unmittelbar nach der Einigung der Streitparteien haben die drei Vertreter der SWH im VR von Sika ihre Mandate mit sofortiger Wirkung niedergelegt: Urs Burkard, Willi Leimer und Jürgen Tinggren. Der VR beantragt an der a.o. GV die Zuwahl von Justin Howell in das Aufsichtsgremium. Ob an der ordentlichen GV 2019 weitere Zuwahlen vorgeschlagen werden, ist derzeit offen. SGO erhält wie angekündigt keinen VR-Sitz. Der Kanadier Howell ist Jurist und Senior Investment Analyst von BMGI, dem Investment Office der Familie Gates und des Bill & Melinda Gates Foundation Trust. Die Stiftung hält, zusammen mit Threadneedle Asset Management, knapp 5% der Stimmen. Sie hat stets die Position des Sika-VR gestützt.

Seit der Übernahmestreit ausgebrochen ist, hat die SWH mit ihrer Stimmenmehrheit dem VR jeweils das Honorar für die geleistete Arbeit verweigert. Der VR schlägt nun vor, diese Honorare für die Jahre 2015 bis und mit 2018 auszuzahlen. Die Summe beläuft sich, gemäss den früheren Anträgen, auf insgesamt knapp 11,2 Mio. Fr. In den Genuss der Auszahlung kommen auch die vormaligen Vertreter der SWH im VR von Sika.

Viel Qualität

Mit diesen Anträgen an die a.o. GV – die aller Voraussicht nach ohne wesentliche Opposition genehmigt werden dürften – gibt sich Sika ein modernes Kapitalkleid und eine zeitgemässe Corporate Governance. «Finanz und Wirtschaft» erhöht entsprechend das Rating für Investor Relations von B+ auf A-.

Sika werden für den Aktionär noch attraktiver, der Unsicherheitsfaktor der drohenden feindlichen Übernahme ist weg. Die Titel sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 28 zwar stolz bewertet. Aufgrund der ausgezeichneten Performance der Unternehmensführung sowie der hervorragenden Perspektiven sind die Aktien jedoch ein Kauf.

 

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