Luxus / Classic Cars 11:18 - 27.05.2015

Sind Oldtimer eine gute Geldanlage?

Zwar werden für einmalige Fahrzeuge weiterhin sensationelle Preise erzielt – aber eigentlich nur in den USA.

Eine viel schönere Kulisse für eine Auktion als die Villa d’Este am Comersee kann man sich für eine Auktion nicht vorstellen. Ein lauer Frühlingsabend, das richtige Publikum, mit Max Girardo ein äusserst charmanter Gastgeber – es hätte eigentlich alles gestimmt für einen grossartigen Anlass. Denn auch das Angebot war vorzüglich, es waren vor allem Ferrari vom Feinsten, die unter den Hammer kamen. Als Höhepunkte eine 250 GT SWB Berlinetta mit Renngeschichte sowie ein wunderbarer 250 GT SWB California Spider, die beide auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt worden sind.

Aber dann konnten beide nicht zugeschlagen werden, obwohl für die gelbe Rennmaschine 9 Millionen geboten wurden, für das wunderbare Cabrio gar 10,25 Mio. €. Girado, der Chefauktionator von RM/Sotheby’s, trug es mit Fassung – wohl im Wissen, dass diese beiden Fahrzeuge dann im August im Angebot der Auktion im kalifornischen Monterey stehen werden. Wo die Geldbeutel der Bieter traditionell sehr locker sitzen, ganz besonders dann, wenn es klassische Ferrari zu erhaschen gibt.

Es zeichnet sich immer mehr ab, dass die Versteigerungen in den USA erfolgreicher sind als auf dem alten Kontinent. Es gibt natürlich immer Ausnahmen, die diese Regel bestätigen. Etwa die Artcurial-Versteigerung Anfang dieses Jahres, als die Baillon-Sammlung unter den Hammer kam und fast nur Rekordpreise schaffte.

Restauration vor Originalität

Doch die von den bekannten Auktionshäusern so gern erstrebten «Weltrekorde» für einzelne Modelle werden seit einigen Jahren eigentlich nur noch in den Vereinigten Staaten geschafft, jeweils Anfang des Jahres in Scottsdale sowie im Sommer im Umfeld des Concours d’Elegance in Pebble Beach. Was unter anderem auch damit zu tun haben dürfte, dass in Scottsdale und Pebble Beach jeweils mehrere Auktionen stattfinden, dass über das gesamte lange Wochenende Hunderte von Fahrzeugen im Angebot stehen – und dass die einzelnen Auktionshäuser ihre Werbetrommeln ganz heftig spielen lassen.

In Villa d’Este waren es nur knapp vierzig Angebote, da lohnt sich der Aufwand weit weniger. Kommt dazu, dass die europäischen Käufer etwas heikler sind, besser auf eine lückenlose Geschichte achten, sich nicht jede Räubergeschichte andrehen lassen – und für viel Geld nur wirklich gute Autos kaufen. In den USA dagegen zählt eine perfekte Restauration weiterhin mehr als die Originalität.

Man muss es klar sehen: Der Oldtimer-Markt hat inflationsbereinigt erst in den vergangenen Monaten wieder das Niveau erreicht, auf dem er Ende der Achtzigerjahre schon einmal gestanden hatte. Es hat sich seither viel geändert, die Qualität der Fahrzeuge (und der Auktionshäuser) hat sich entscheidend verbessert – und die Kundschaft ist auch anders. Zwar gibt es jetzt wie damals, als sich gerade mit Ferrari der Einsatz binnen eines Jahres verdoppeln liess, weiterhin Investoren, die auf schnelles Geld aus sind.

Doch sie haben es schwerer als damals, die Informationen fliessen viel besser – vor allem gibt es eine grössere Anzahl seriöser Sammler, die ihre Fahrzeuge nicht als reine Geldobjekte betrachten. Die Wahrscheinlichkeit einer Blase, einer Überhitzung des Markts, ist viel geringer als damals, als der Markt dann tatsächlich binnen weniger Monate komplett zusammenbrach. Allerdings drängen derzeit aber immer mehr reiche Russen ins Spiel – und man wartet gespannt darauf, was geschehen wird, wenn sich auch der chinesische Markt öffnen wird, der derzeit noch fast komplett geschlossen ist.

Grund für das breitere Fundament ist aber auch eine neue Klientel, die jüngeren Sammler. Einst, da war ein Rolls-Royce Silver Ghost oder ein Hispano-Suiza mit einer aussergewöhnlichen Karosserie der Höhepunkt im Leben eines jeden Sammlers. Doch diese Fahrzeuge aus den Zwanziger- und Dreissigerjahren sprechen heute in erster Linie eine ältere Kundschaft an, während ein Ferrari 275 GTB/4, ein Lamborghini Miura oder auch ein Porsche 911 RS zum Teil sehr junge Käufer begeistern können.

Adolfo Orsi, einer der weltweit bekanntesten Oldtimer-Spezialisten, sieht das so: «Diese Sportwagen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren, und natürlich auch die Youngtimer, sind bedeutend einfacher zu fahren und zu unterhalten als etwa Vorkriegsmodelle. Und es kommt natürlich dazu, dass gerade diese jüngeren Sportwagen die Traumautos der Kindheit waren bei der jüngeren Klientel.» Ist damit auch zu erklären, dass zum Beispiel die Porsche in den vergangenen zwei Jahren derartige Preissprünge nach oben machten? Orsi: «Es sind nicht nur die Porsche, das gilt auch für Lamborghini, Maserati und Aston Martin, da fanden schon deutliche Preiskorrekturen nach oben statt. Aber die besten Marktindikatoren sind und bleiben schon die Ferrari.» Dafür sind die aussergewöhnlichen Fahrzeuge aus den Zwanziger- und Dreissigerjahren heute teilweise zu Schnäppchenpreisen zu haben.

Und was empfiehlt der Spezialist zum Kauf? Noch einmal Orsi, dessen Familie einst Maserati gehörte und der sich sein ganzes Leben mit klassischen Automobilen beschäftigt hat: «Lassen Sie sich nie von irgendwelchen Prognosen leiten oder von Ratschlägen von so genannten Spezialisten. Kaufen Sie immer nur das, was Ihnen Spass macht – und achten Sie unbedingt auf beste Qualität. Wer einen Klassiker kauft, der ihm Freude macht, beim Fahren oder nur schon bei Anschauen, der wird immer seine Befriedigung haben. Und wenn sich der Kaufpreis dann auch noch als gutes Investment herausstellt, dann ist die Freude umso grösser.»

1939-Lagonda
Der wunderbare Lagonda V12 Drophead Coupé wurde in Villa d'Este für nur 280'000 € zugeschlagen – für Liebhaber ein Schnäppchen.

Ein Trend zu Rennwagen

Zu beobachten ist ausserdem ein Trend hin zu Sport- und Rennwagen. Die dann auch auf der Rennstrecke bei historischen Rennen eingesetzt werden können. Für solche Fahrzeuge mit lückenloser Geschichte werden teilweise sensationelle Aufpreise bezahlt. Nur so ist es zu erklären, dass ein relativ profaner Porsche 911 S auf einer Auktion über 1 Mio. € kommt. Immer gut sind auch Charity-Projekte, da gibt es regelmässig «Weltrekorde», die völlig absurd wirken, wie etwa der Ferrari 275 GTB/4 Spider, der für 27,5 Mio. $ zugeschlagen wurde, während vergleichbare Fahrzeuge sonst knapp einen Drittel dieses Preises zu erklimmen vermögen.

Schwierig ist es derzeit aber im Mittelfeld, bei Fahrzeugen, die zwischen 50 000 und 500 000 Franken kosten. Die Preise für Jaguar E-Type, zum Beispiel, einst der Traum vieler, stehen wie Blei und bewegen sich kaum noch nach oben, auch die eigentlich wunderschönen Nachkriegs-Bentley sind kaum mehr gesucht; andere Alltagsklassiker, etwa die Pagoden von Mercedes, dürften ihr Limit ausgeschöpft haben. Der Markt in der Schweiz ist wegen des starken Frankens zusätzlich schwierig – ein guter Gradmesser wird die Auktion der Oldtimergalerie Toffen am 13. Juni im Rahmen der Dolder Classics in Zürich sein, wo viele interessante Fahrzeuge unter den Hammer kommen. Und auch der Marktplatz während der Swiss Classic World in Luzern, wo aber vor allem Youngtimer angeboten werden dürften.

Die RM/Sotheby’s-Auktion in Villa d’Este darf trotzdem als Erfolg bezeichnet werden, 87% der Lots wurden verkauft, 26,7 Mio. € Umsatz erzielt. Als teuerstes Fahrzeug wurde ein Ferrari 212 Export aus dem Jahre 1952 mit einer Touring-Superleggera-Karosserie zugeschlagen, er erzielte exakt 6 Mio. €. Überhaupt wurden viele Ferrari verkauft, ein aussergewöhnlicher BMW-Glas 3000 V8 mit einem einmaligen Frua-Aufbau blieb aber stehen – obwohl er vielleicht das historisch interessanteste Angebot der Auktion war.

Swiss Classic World 2015An diesem Wochenende findet in Luzern zum zweiten Mal die Oldtimer-Messe statt, bei der klassische Autos und Zweiräder im Mittelpunkt stehen. Dem Besucher präsentieren sich neben Oldtimer-Händlern und -Restauratoren auch Aussteller mit Modellautos, Zubehör, Teilen, Accessoires und Memorabilia.

Samstag, 30. Mai 2015 – 10:00 bis 18:00 Uhr
Sonntag, 31. Mai 2015 – 9:00 bis 18:00 Uhr
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