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Singles bescheren Alibaba 9 Mrd. $ in zwölf Stunden

Der «Singles' Day» in China ist die Zeit, in der Alleinstehende sich durch Online-Shopping selbst Geschenke machen können. Dieses Jahr wurde ein neuer Rekord gebrochen.

Alexander Trentin

China ist onlineverrückt. Nach Schätzungen kaufen 200 Millionen Chinesen über das Internet ein. Seit 2009 konzentrieren sie ihre Kaufkraft jeweils am 11. November, um den «Singles’ Day» zu feiern. Danach strömen fast 2 Millionen Kurierboten aus, um Päckchen im ganzen Land zu liefern.

Der Online-Händler Alibaba (BABA 165.51 3.5%) hat bekanntgegeben, heute innerhalb von zwölf Stunden 9 Mrd. $ umgesetzt zu haben. Im vergangenen Jahr hat es für diese Summe noch 24 Stunden gebraucht. Innerhalb der ersten 10 Minuten nach Mitternacht wurden laut Alibaba über 1 Mrd. $ an Waren online abgesetzt.

An Werbekosten nicht gespart

An Werbekosten wurde nicht gespart: Eine riesige TV-Gala wurde in Peking veranstaltet. Der amerikanische Schauspieler Kevin Spacey trat als Frank Underwood der Serie «House of Cards» in einem Videoclip auf. Und der James-Bond-Star Daniel Craig kam sogar persönlich vorbei.

In den Neunzigerjahren fing der nun riesige Kommerz als Witz an einer Universität an: Die vier Einsen im 11.11. sollen die Einsamkeit von Singles symbolisieren. Studenten begannen, ihr Single-Dasein mit Freunden beim Karaoke-Singen zu feiern. Alibaba hatte 2009 dann die Idee, den 11.11. durch Sonderangebote zu zelebrieren. Alle grossen Internetwarenhäuser in China sind nachgezogen und bieten Sonderangebote zum «Singles’ Day» an. Umsatzmässig wurde der Internet-Schnäppchentag «Cyber Monday» in den USA bereits 2012 abgehängt.

Besonders wichtig ist der Tag für die Konsumelektronik. Vergangenes Jahr entfielen die Hälfte des Umsatzes auf PCs und Notebooks. Nun könnten Handy-Hersteller die grössten Gewinner des Single-Tages werden. Schon 2014 hat der chinesische Mobiltelefonproduzent Xiaomi am 11.11. über 1 Millionen Handys verkauft, etwa 2% des Gesamtjahresumsatzes.

Nicht unbedingt Hoffnungszeichen

Jack Ma, Chef von Alibaba, sieht gar ein Hoffnungszeichen für die chinesische Wirtschaft: «Dieses Fest ist ein Thermometer für die chinesische Wirtschaft.» Ökonomen sind vorsichtiger bei der Bewertung des «Doppel-Elf»-Tages. Denn der Internethandel lebt von den jungen Konsumenten der Mittelschicht. Für einen gesamtwirtschaftlichen Indikator ist die Auswahl zu selektiv.

Aber selbst wenn die Konjunktur in China schlechter läuft. Der Online-Handel scheint auf einem guten Pfad und verspricht weiter hohes Wachstum.

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