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Meinungen

Sitz, Fiffi!

«Derzeit kann Herrchen noch so viel rufen und pfeifen, Fiffi kümmert’s nicht. Es macht einfach zu viel Spass, von der Leine zu sein.»
Wie ein Hund seinem Herrchen eilt die Börse derzeit der Wirtschaft und den Unternehmensgewinnen voraus. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Adrian Blum.

Die Börse verhält sich zur Wirtschaft wie ein Hund zu Herrchen oder Frauchen auf einem Spaziergang: Mal eilt Fiffi voraus, mal bleibt Fiffi zurück. Diese besonders anschauliche Börsenweisheit stammt von Altmeister André Kostolany. Lang ist’s her, aber brandaktuell. Denn die Bewertung der Aktienmärkte eilt der Entwicklung der Unternehmen und der Wirtschaft derzeit besonders weit voraus.

Als Begründung dafür wird gemeinhin das Argument der Niedrigzinsen ins Feld geführt. Nicht zu Unrecht. Denn wer fünfzig Jahre warten muss, bis die Coupons eines Bonds dem Einsatz entsprechen, dann ist er auch dazu bereit, dreissig Jahre zu warten, bis der aufgelaufene Gewinn je Aktie dem Einsatz entspricht. Dieses Beispiel entspricht vereinfacht einer Bondrendite von 2% und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30.

Nun sagt der Optimist, die Renditen liegen sogar noch niedriger und auch das KGV ist noch nicht auf diesem Niveau. Aber die Aktien zu verkaufen, ist keine Option, denn was nur tun mit dem Geld? Alles auf die hohe Kante? Geht auch nicht.

All diese Argumente machen es Skeptikern schwer. Bescheidenes Wirtschaftswachstum, hohe Ausschüttungsquoten, begrenztes Potenzial zur Margensteigerung – solche Risiken zählen anscheinend nicht. Allenfalls rückt das Thema Zinserhöhung mal für kurze Zeit in den Vordergrund und korrigiert die Bewertung – was dann als günstige Einstiegsgelegenheit angesehen wird.

Um auf Fiffi zurückzukommen: Derzeit kann Herrchen noch so viel rufen und pfeifen, Fiffi kümmert’s nicht. Es macht einfach zu viel Spass, von der Leine zu sein. Dummerweise weiss niemand, und auch nicht Fiffi selbst, wann er die Lust verliert und erschöpft zu Herrchen zurückkehrt. Aber er wird – irgendwann.