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SIX steht vor ihrem grössten Umbau

Analyse | Aus dem Fusionsunternehmen soll auf Druck der Schweizer Banken nach fast zehn Jahren eine wirklich integrierte Gesellschaft werden.

Fast zehn Jahre ist es nun her, dass sich die Börse SWX, die Transaktionsabwicklerin SIS und Telekurs zur SIX Group zusammengeschlossen haben. Man hat einen Verwaltungsrat, einen Chef – den scheidenden Urs Rüegsegger -, einen einheitlichen Look, und mittlerweile sitzt man sogar an der Pfingstweidstrasse unter einem Dach zusammen.

Doch im Grunde ist SIX eine Ansammlung von einzelnen Unternehmen geblieben, angeführt von mächtigen CEO – Kurfürsten im Kaiserreich SIX. Das zeigt allein schon ein Blick auf die Divisionsstruktur, in der die Fusionsunternehmen von einst noch immer klar erkennbar sind.

Das soll sich jetzt nach dem Willen der SIX-Besitzer, den Schweizer Banken – allen voran die zwei Grossen UBS (UBSG 11.3 -1.87%) und Credit Suisse (CSGN 12.665 -1.63%) – ändern. Die Divisionen werden abgeschafft, zusammengelegt und ihre CEO entmachtet. Sie dürfen sich gemäss SIX-Verwaltungsratspräsident Romeo Lacher um die Leitung der neuen Sparten bewerben.

Fusion von Börse und Post Trading

«Wir wollen die SIX nicht als ein Portfolio aus einzelnen Divisionen führen», sagte Lacher an einer Telefonkonferenz am Freitag. Das Geschäft soll klar auf Dienstleistungen für die Banken ausgerichtet werden, so Lacher, der zuletzt operativer Leiter (COO) des internationalen Vermögensverwaltungsgeschäfts der Credit Suisse war.

Konkret sollen aus den vier bisherigen Divisionen – Börse, Post-Trading, Finanzdaten und Zahlungsverkehr – in Zukunft vier Geschäftsbereiche werden. Diese sind:

Wertschriften – darunter werden die Divisionen Börse und Post Trading fusioniert. Mit diesem Schritt werden die alte SWX und SIS vollends integriert.

Datengeschäft – die Division Finanzdaten bleibt auf den ersten Blick von allen am intaktesten. Sie soll schlicht weiter entwickelt werden.

Innovation und Netzwerk – dieser Bereich wird neu geschaffen. In ihm werden alle bisherigen Innovations- und Entwicklungsabteilungen der unterschiedlichen Divisionen zusammen gefasst, beispielsweise das neue IT-Sicherheitscenter für kleine und mittlere Banken. In diesem Geschäftsbereich sollen neue Produkte und Dienstleistungen für die Banken auch in Zusammenarbeit mit diesen entstehen. Ausgestattet ist der Bereich zudem mit einem 50 Mio. Fr. dotierten Venture Fund, der beispielsweise in innovative Fintech-Start-ups investieren soll.

Schweizer Zahlungsverkehr – die alte Division Zahlungsverkehr umfasst in Zukunft noch die Abwicklung des Zahlungsverkehr unter den Banken und von Schweizer Kartenzahlungen sowie die Abteilung Mobile Payment.

Auf der Suche nach einem Partner

Nicht mehr zum neuen Bereich Zahlungsverkehr wird allerdings das Händlergeschäft (Merchant Business) gehören. Darunter summieren sich Bezahllösungen wie beispielsweise Kartenterminals an der Ladenkasse und die Verarbeitung dieser Kartenzahlungen im Ausland – Das Geschäft betreibt SIX auch in Deutschland und Österreich.

Das Merchant Business wird wie bereits vor Wochen kommuniziert abgespalten und soll mit einem grossen Partner in Europa zu einem Gemeinschaftsunternehmen zusammengeschlossen werden. SIX will daran aber nur noch einen Minderheitsanteil halten. Einen kolportierten Börsengang schliesst Lacher aus.

«Das ist kein Kerngeschäft mehr von uns», sagte Lacher, da es sich nicht um Dienstleistungen für Banken handelt. SIX will das Geschäft künftig als Finanzbeteiligung halten und nicht mehr als eigenständigen Geschäftsbereich.

In diesem Geschäft, das sehr dünne Margen abwirft, geht es vor allem um Grösse. Erst vor kurzem hat die SIX in diesem Bereich zugekauft. Die Weiterentwicklung des Geschäfts bräuchte aber Investitionen von «mehreren 100 Millionen», wie Lacher sagte. Diese Mittel würden dann im Kerngeschäft fehlen. Darum die Ausgliederung.

Der Partner soll laut Lacher bis Mitte 2018 gefunden sein. In Frage kommen nach Ansicht von «Finanz und Wirtschaft» Unternehmen wie etwa die deutschen Wirecard (WDI 152.8 -0.55%), Ingenico Payment Services oder Concardis sowie die österreichische Card Complete.

Die neu zu schaffenden Geschäftsbereiche IT sowie Finance & Services sind reine interne Dienstleistungssparten für die SIX-Geschäftsbereiche selbst.

Der neue Chef kommt von aussen

Der Mann, der den Umbau vollziehen soll, wird Anfang des kommenden Jahres von aussen zur SIX stossen. Mit dem Umbau zusammen wurde die Berufung von Jos Dijsselhof zum neuen SIX CEO kommuniziert.

Vor dem Niederländer liegt ein Mammutprojekt. Er muss das Fusionsgebilde SIX nun zu einem einzigen, wirklich integrierten Unternehmen formen.

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