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SIX-Chef: «Verlust der EU-Börsenanerkennung bleibt unbefriedigend»

Jos Dijsselhof hat sich in einem Interview zum ersten Monat ohne Börsenanerkennung der EU geäussert.

(AWP) Die Schweizer Börse SIX hat im Juli, im ersten Monat ohne Börsenanerkennung der EU, das Handelsvolumen deutlich um 26 Prozent gesteigert. Das Finanzdepartement habe mit dem Eingreifen von Notrecht sehr gut und professionell auf diese schwierige Situation reagiert, sagte SIX-Chef Jos Dijsselhof im Interview mit der «NZZ (NZZ 4975 3.65%) am Sonntag» (Ausgabe vom 11.08.). Dass die EU die Anerkennung der Börsenäquivalenz nicht verlängert habe, sei und bleibe aber unbefriedigend.

Das Verbot, Schweizer Aktien in der EU zu handeln, bringe der SIX kurzfristig zwar höhere Volumen, fuhr Dijsselhof fort. «Doch damit die Attraktivität von Schweizer Aktien langfristig gewährt bleibt, ist es wichtig, dass diese an verschiedenen Börsen auch in der EU gehandelt werden können.» Möglich wäre etwa, dass Schweizer Unternehmen andere Börsenplätze für den Handel mit ihren Aktien wählten.

Nebst der Börse betreibt die SIX auch noch ein Datengeschäft sowie den Zahlungsverkehr und andere Dienstleistungen für Banken. Dabei soll das Datengeschäft ausgebaut und laufend neue Dienstleistungen lanciert und zugekauft werden. «Wir können ohne weiteres Akquisitionen im Bereich von 1 Milliarde Franken tätigen», sagte Dijsselhof.

Zudem halte man eine Beteiligung an der Firma Worldline, die über 3 Mrd. Fr. wert sei. «Sollte sich langfristig ein Investitionsbedarf ergeben, der eng mit unserem Kerngeschäft zusammenhängt, könnten wir prüfen, unseren Anteil allenfalls zurückzufahren und den finanziellen Spielraum für Akquisitionen zu nutzen, die enger mit unserem Kerngeschäft zusammenhängen», so der Börsenchef im Interview.

Über die neue Plattform SIX Digital Exchange (SDX) sollen künftig mit der Blockchain-Technologie Teile an schwer handelbaren Vermögenswerten, wie etwa Kunstwerken, ermöglicht werden. Die Plattform sei bereit, doch nun brauche es noch Händler, die kaufen und verkaufen. «Deshalb sind wir mit den Banken daran, die Produkte zu definieren, die an der SDX gehandelt werden sollen», sagte der SIX-Chef. Dabei gehe es um Warrants, digitale Börsengänge, Immobilien und Anlagefonds.

Mit der Finanzmarktaufsicht Finma habe man für den Handel an der SDX eine Grundsatzvereinbarung getroffen, so Dijsselhof weiter. «Je nachdem, mit welchem Produkt wir starten, werden wir aber sich noch ein offizielles Gesuch stellen.» Bis aber Aktien von Nestlé (NESN 106.26 -3.38%), Novartis (NOVN 86.66 -1.52%) und Co. an der SDX gehandelt werden können, dürfte es etwas länger dauern, da dazu eine Gesetzesänderung nötig sei.

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