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SIX kann den Kryptomarkt aufwirbeln

Analyse | Die Börsenbetreiberin plant eine Plattform für Emission, Handel, Abwicklung und Verwahrung von digitalen Vermögenswerten.

Die Börsenbetreiberin SIX will zur Kryptobörse werden. Unter dem Namen SIX Digital Exchange plant die Schweizer Börse ab Mitte 2019 eine Plattform für digitale Vermögenswerte. Sie will darüber die Emission, den Handel, die Abwicklung und die Verwahrung von digitalen Vermögenswerten auf der Blockchain-Technologie möglich machen. Die Blockchain liegt Kryptowährungen wie Bitcoin (Bitcoin 10327.31 0.83%) zugrunde.

Wie die SIX mitteilt, sollen bestehende Wertpapiere und Kryptovermögenswerte auf die Blockchain gebracht und darauf handelbar gemacht werden. Der Konzern strebe für sein neues «digitales Ökosystem» Standards an, die mit der heutigen Regulierung vergleichbar seien.

Munterer Schweizer Kryptohandel

Die Kapitalaufnahme über die Ausgabe eigener Kryptowährungen (sog. Initial Coin Offerings, ICO) erlebt seit geraumer Zeit einen Boom. Laut dem Beratungsunternehmen PwC haben Unternehmen via ICO seit Anfang 2018 weltweit bereits über 13,7 Mrd. $ an Kapital generiert, in der Schweiz waren es 456 Mio. $ (vgl. Artikel hier).

SIX-CEO Jos Dijsselhof deutete bereits im Interview mit «Finanz und Wirtschaft» im März an, dass sein Unternehmen verstärkt auf Dienstleistungen im Kryptobereich setzen will. In den vergangenen Wochen haben bereits zwei Handelsplattformen für Kryptovermögenswerte in der Schweiz ihren Start angekündigt. Eine ist die Swiss Crypto Exchange (SCX), präsidiert vom ehemaligen Chef der Schweizer Börse, Christian Katz. Die andere nennt sich Taurus und ist in Genf beheimatet.

Dabei sind die beiden Projekte keinesfalls die ersten, die in der Schweiz mit Kryptowährungen handeln. Das Geschäft gehört bisher vor allem den Brokern wie Bitcoin Suisse. Das Unternehmen von Kryptopionier Niklas Nikolajsen setzt mit einem monatlichen Handelsvolumen von rund 300 Mio. Fr. zurzeit wohl das Gros der Kryptowährungen in der Schweiz um. Bitcoin Suisse begleitet zudem auch ICO. Daneben gibt es Akteure wie BityShape Shift oder Crypto Broker.

Ein mächtiger Konkurrent

Es wird interessant sein zu sehen, wie sich der Schweizer Kryptomarkt zwischen den bestehenden und den neuen Akteuren verteilen wird. Broker wie Bitcoin Suisse haben die Erfahrung im Handel und in der Emission von Kryptowährungen. Sie haben entsprechende Lizenzen, nehmen allerdings die Mittelsmannpositon zwischen den eigentlichen Nutzern und dem Markt ein. Handelsplattformen wie SCX verbinden Nutzer direkt ohne den Umweg über einen Broker, sind aber keine Börsen und auch nicht als solche lizenziert.

Mit der SIX betritt nun der Elefant die Bühne. Sie ist weltweit die erste etablierte und regulierte Börse, die angekündigt hat, sich der Kryptosphäre zu öffnen. Der Konzern kann dank seiner Grösse, seines Beziehungsnetzes und des Know-how – wenn er denn will – alles aus einer Hand anbieten: Emission, Handel, Abwicklung, Verwahrung von Kryptovermögenswerten. Den bisherigen Playern kann hier ein mächtiger Konkurrent erwachsen.

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