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SIX-Präsident soll VRP von Bank Bär werden

Daniel Sauter legt seinen Posten beim Vermögensverwalter nieder. Börsenpräsident Romeo Lacher soll übernehmen und beide Aufsichtsgremien führen.

(AWP/VA/JH) Der Vermögensverwalter Julius Bär (BAER 39.83 -0.65%) soll einen neuen Präsidenten erhalten. Der Verwaltungsrat schlägt der kommenden Generalversammlung als neuen nicht-exekutiven Präsidenten Romeo Lacher vor.

Lacher ist derzeit Verwaltungsratspräsident der Börsenbetreiberin SIX Group. Und das soll er auch bleiben: Laut SIX wird er beide Mandate im 50%-Pensum führen.

Einen Interessenkonflikt erkennt SIX darin nicht – sind die Schweizer Banken, sprich auch Bär, doch zugleich Besitzerinnen der Börsenbetreiberin. Laut einem SIX-Sprecher sei Lacher schliesslich in beiden Unternehmen nicht operativ tätig.

Vertreter der Privatbanken im SIX-VR ist Lorenz von Habsburg Lothringen, Teilhaber der Basler Privatbank E. Gutzwiller & Cie. Zudem sitzt mit Herbert Scheidt der Präsident der Bankiervereinigung und der Privatbank Vontobel (VONN 56.25 1.08%) ebenfalls im Gremium.

Von der Credit Suisse zur SIX

Romeo Lacher tritt bei Bär die Nachfolge von Daniel Sauter an. Dieser strebe nach zwölf Jahren als Mitglied des Verwaltungsrates, davon die letzten sieben als Präsident, keine Wiederwahl an, heisst es.

Damit hält Sauter die Amtszeitbeschränkung für Verwaltungsräte von zwölf Jahren ein, wie sie die Bank Bär kennt. Dennoch erstaunt der Schritt. Noch im Dezember hatte es in verschiedenen Medien geheissen, Sauter wolle sich nochmals zur Wiederwahl stellen und strebe, wie schon zuvor sein Vize Charles Stonehill, eine Ausnahme von der Amtszeitbeschränkung an.

Nun geht Sauter doch. In einer Zeit da das Geschäft von Bär an Dynamik verliert und eine interne Untersuchung im Zusammenhang mit der Geldwäscheaffäre um die staatliche venezolanische Erdölgesellschaft PDVSA läuft.

Sein designierter Nachfolger Lacher bringt derweil mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Finanzindustrie mit. Er bekleidete Führungspositionen in den Bereichen Operations, Produktmanagement, Retail und Private Banking.

Der 59-Jährige ist seit 10. Januar 2017 Präsident der SIX Group. Das Unternehmen ging unter Lacher durch seinen bisher grössten Umbau und erhielt einen neuen Chef. Lacher leitete den SIX-VR bereits seit September 2016 ad interim, nachdem Vorgänger Alexandre Zeller zum VRP der Credit Suisse (CSGN 11.98 -0.99%) Schweiz berufen worden war.

Bei ebendieser Grossbank bekleidete Lacher zuvor verschiedene Positionen. Zuletzt war er operativer Leiter (COO) des internationalen Vermögensverwaltungsgeschäfts.

Als Vertreter der Credit Suisse wurde er 2008 in den SIX-Verwaltungsrat berufen. Lacher, geboren in Lachen (SZ), studierte in St. Gallen und Harvard, wohnt heute im Kanton Schwyz, ist verheiratet und Vater dreier Kinder.

Weitere neue VR-Mitglieder

Als neue ordentliche Mitglieder des Bär-Verwaltungsrates werden zudem Eunice Zehnder-Lai und Olga Zoutendijk vorgeschlagen, wie Julius Bär am Montag mitteilte.

Eunice Zehnder-Lai hat gemäss Mitteilung Führungserfahrung in Grosschina, der Schweiz und den USA gesammelt. Sie ist Mitglied des Verwaltungsrates von Geberit (GEBN 376.4 2.93%) und DKSH (DKSH 74.3 0.2%). Bis November 2018 war sie ausserdem CEO des Instituts für Persönlichkeitsorientiertes Management, einem in der Schweiz ansässigen Beratungsunternehmen für Kundenorientierung.

Olga Zoutendijk verfügt den Angaben zufolge über dreissig Jahre Erfahrung im Banking mit beruflichen Stationen in Asien, Australien, Europa und den Vereinigten Staaten. Zuletzt – von 2014 bis 2018 – war sie Mitglied des Verwaltungsrates der ABN AMRO Group, den sie von 2016 bis 2018 präsidierte. Zehnder-Lai und Zoutendijk folgen auf Gareth Penny und Andreas Amschwand, die aus dem Verwaltungsrat ausscheiden.

Eine regelmässige Erneuerung der obersten Führung ist auch bei Stimmrechtsberatern ein Thema. Die Richtlinien des Stimmrechtsberaters Ethos wollen mit der Amtszeitbeschränkung Platz für neue Ideen schaffen und einen kritischen Geist bewahren. Im Einklang mit zahlreichen Best-Practice-Kodizes betrachtet Ethos ein unabhängiges Verwaltungsratsmitglied nach zwölf Jahren Rats- zugehörigkeit nicht mehr als unabhängig.

Der Grund liegt auf der Hand. Da ein Verwaltungsratsmitglied während einer solch langen Amtszeit in viele Projekten und Entscheidungen involviert ist, kann dadurch seine Objektivität und sein kritischer Geist beeinflusst worden sein.

Die Generalversammlung findet am 10. April 2019 statt.

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