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S+B-Aktionäre stimmen für Kapitalerhöhung

Analyse | Liwet und Haefner haben sich noch während der GV von Schmolz + Bickenbach geeinigt. Aber es bleiben Hürden zur Sanierung des Stahlkonzerns.

«Der Beginn der ausserordentlichen Generalversammlung verzögert sich um eine halbe Stunde.» Das sagte Jens Alder, VR-Präsident von Schmolz + Bickenbach, am Montag um 14 Uhr zu den rund 270 anwesenden Aktionären, die gut 83% der stimmberechtigten Titel repräsentieren. An der GV sollte über die finanzielle Sanierung des Stahlherstellers abgestimmt werden.

Doch zunächst war Warten angesagt, für das Management wie für die sieben anwesenden VR-Mitglieder. Alder sagte, die Grossaktionäre seien am Verhandeln, man höre aber Positives. Er hoffe, man komme trotz der grossen Zahl an Anwälten zu einer Konklusion.

Angepasster Antrag an die Aktionäre

Aus der halben Stunde Verzögerung wurde eine ganze, doch die Mienen von herumeilenden Juristen und PR-Beratern liessen erahnen, dass eine Einigung im Nebenraum kurz bevorsteht. Und tatsächlich, Alder legte einen neuen Antrag vor. Der Streit war damit geschlichtet.

Zuvor war Liwet im Vorfeld der GV in Konfrontation mit Teilhaber und VR-Mitglied Martin Haefner geraten. Es ging dabei um die Ausgestaltung der Kapitalerhöhung und in der Folge um die Kontrolle des Unternehmens. Haefner will 325 Mio. Fr. einschiessen, dabei aber seinen Anteil von 17,5 auf 37,5% erhöhen. Er wollte somit das Sagen haben und den Einfluss von Liwet, die rund 27% hält, zurückdrängen.

Ein Knackpunkt für Liwet

Als Knackpunkt für Liwet stellten sich Details der geplanten Transaktion heraus: Das betraf die Bedingung, dass Liwet nicht ausgeübte Bezugsrechte im internationalen Markt nicht erwerben und ausüben darf, damit ihr Anteil nicht steigt. Die Aktionärin sah darin aber das Risiko, in bestimmten Konstellationen deutlich unter die bisherige Beteiligung zu kommen.

Daher wurde an der GV ein Gegenantrag gestellt. Demzufolge wird der VR in der Zuweisung der nicht ausgeübten Bezugsrechte eingegrenzt. Am Ende geht es darum, dass Liwet nach der Transaktion sicher auf einen Anteil von nahe 25% kommt, Haefner auf mindestens 37,5% und damit gleichzeitig mindestens 325 Mio. Fr. Mittel eingenommen werden können. Haefner sprach sich in einer Wortmeldung für den Antrag aus und erklärte ausserdem, er werde künftig nicht mehr als Verwaltungsrat zur Verfügung stehen.

Während einer zehnminütigen Pause diskutierten die sieben Verwaltungsräte im Hintergrund den Antrag und kamen zum Ergebnis, ihn einstimmig zur Annahme zu empfehlen. Dann ging es schnell: 79,3% der Aktionäre haben dem Antrag zugestimmt.

Warten auf Finma

Nun muss allerdings noch die rechtliche Hürde der Übernahmekommission genommen werden. Die hat der Transaktion einen Riegel vorgeschoben. S+B hat bei der Finma Rekurs eingelegt. Die Behörde wird ihre Entscheidung voraussichtlich am 9. Dezember am Morgen mitteilen. Bis dann ist weiterhin offen, ob die Massnahme zur finanziellen Sanierung des arg angeschlagenen Stahlherstellers gelingt.

Die komplette Historie zu Schmolz + Bickenbach finden Sie hier.»

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