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SMI schliesst trotz schwacher Schwergewichte positiv

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag nach einem ganztags freundlichen Markt fester geschlossen.

(AWP) Der Leitindex SMI (SMI 11'189.70 +0.20%) hat am Handelstag wieder Höhen erklommen, wie sie zuletzt Mitte Juni gesehen wurden. Die Schwergewichte Nestlé (NESN 117.00 +0.50%), Roche und Novartis (NOVN 81.33 +0.28%) drückten ihn jedoch herunter. Da die anderen Werte mehrheitlich jedoch markant zulegen konnten, blieb er im Plus. Das Erholungs-Rally setze sich fort, meinte ein Händler. «Man sieht nun, wie viel Kraft dahinter steckt», sagte er. Und die zahlreichen Konjunkturdaten aus Europa und den USA hätten die Kurse sogar noch mehr angetrieben.

Die Hauptgründe für die Gegenbewegung zu den zuletzt schwachen Märkten sind jedoch in den USA zu finden: Einerseits ist es die Hoffnung, dass der Zinserhöhungszyklus der US-Notenbank Fed bald abgeschlossen sein könnte, besonders, da nun das Land offenbar auf eine Rezession zusteuert. Zweitens präsentierten US-Technologieriesen Apple und Amazon stärkere Zahlen als erwartet. Das hat am heutigen Handelstag auch die hiesigen Wachstumstitel angetrieben, während sich die Anleger vermehrt von den als sichere Häfen geltenden Titeln trennten. Es gelte wieder eher das Motto «Risk on», so ein Händler.

Der SMI schloss um 0,15% höher bei 11’145,91 Punkten. Auf Wochensicht erreichte er damit ein Plus von 0,45%. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind und in dem die Gewichtung der Einzelwerte stärker gekappt ist, legte um 1,19% zu auf 1733,14 Zähler. Der breite SPI (SXGE 14'461.65 +0.16%) rückte um 0,50% vor auf 14’467,36 Zähler. Im SLI kamen auf 25 Gewinner 5 Verlierer.

Die Entspannung in Bezug auf die US-Zinspolitik kam den Finanztiteln sehr zugute. So gewannen etwa Partners Group (PGHN 997.20 -1.22%) 5,4% hinzu und gingen damit als klare Sieger unter den Blue Chips aus dem Handel. Die zuletzt arg gebeutelten Anteile konnten sich wieder deutlich über die psychologisch wichtigen Marke von 1000 bis auf 1033 Franken vorarbeiten. Von den Zinshoffnungen profitierten zudem auch die Anteile der Grossbanken UBS (UBSG 15.84 -1.46%), Credit Suisse (CSGN 5.16 -1.79%) und Julius Bär (BAER 48.71 -0.43%).

Anleger stürzten sich zudem, inspiriert von den guten Ergebnissen der US-Konzerne Apple (AAPL 174.15 -0.23%) und Amazon (AMZN 142.30 +0.14%), auf die hiesigen Wachstumswerte und Aktien, die seit vergangenem November massiv korrigiert haben. Dazu gehören Sika (SIKA 242.10 +0.12%), die mit einem Plus von 5,0% aus dem Handel gingen und am Handelstag über weite Strecken die Pole Position im SLI inne hatten. Aber auch Schindler (SCHP 177.55 -0.36%), Straumann (STMN 117.05 +0.21%), Geberit (GEBN 494.30 +1.19%) oder Givaudan (GIVN 3'356.00 +0.54%) gehören dazu.

Andere Versicherungswerte wie Swiss Life (SLHN 511.80 -1.80%) oder Zurich Insurance (ZURN 428.60 +0.33%) gehörten ebenfalls zu den Gewinnern der Zins-Entwarnung. Währenddessen konnten Swiss Re mit ihren Halbjahreszahlen die Analysten nicht überzeugen und drehten gegen Handelsschluss sogar noch in den negativen Bereich. Zwar übertraf der Rückversicherer beim Reingewinn die Erwartungen. Doch das Ergebnis wurde als durchwachsen bezeichnet. Analysten kritisierten etwa die Prämien und die negative Entwicklung des Eigenkapitals. Zudem gebe es Zweifel an den Prognosen des Unternehmens, hiess es.

Der zweite Blue Chip, der heute ein Zahlenupdate gab, konnte jedoch noch wesentlich weniger von sich überzeugen: AMS Osram (AMS 7.99 -0.15%) gingen als eindeutige Verlierer aus dem Handel mit einem Minus von 5,1%. Der Technologiekonzern erzielte im zweiten Quartal einen tieferen Umsatz und hat wegen Einmaleffekten gar einen Verlust eingefahren. Die Analysten zeigten sich aber auch über die operativen Margen enttäuscht. Zudem zweifeln sie auch bei AMS an den mittelfristigen Zielen.

Ebenfalls mit Abschlägen schlossen die drei Schwergewichte Roche GS (ROG 322.85 +0.91%), Novartis und Nestlé, die mit ihren Verlusten den gesamten SMI etwas ausbremsten. Sie waren «Opfer» der «Risk On»-Strategie. Anleger trennten sich von diesen als sichere Häfen geltenden Werte und kauften sich lieber wieder etwas risikoreichere Titel.

In den hinteren Reihen profitierten Comet (COTN 183.00 +0.55%) von zwei Kurszielerhöhungen. Sulzer gewannen nach Zahlen 1,1% hinzu.

Forbo (FORN 1'282.00 -1.08%) wurden hingegen abgestraft dafür, dass in der Halbjahresbilanz sämtlich Zahlen unter den Erwartungen lagen.

Die Aktien von Obseva büssten zudem weiter an Terrain ein. Die Biotechfirma hatte vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass sie, seit die US-Zulassungsbehörde FDA vor wenigen Tagen den Zulassungsantrag für den wichtigsten Forschungskandidaten zurückgewiesen hat, ums Überleben kämpft.

Amazon und Apple treiben Nasdaq-Börse an

Kräftige Kursgewinne der beiden Schwergewichte Apple und Amazon haben am Freitag die technologielastige Nasdaq-Börse weiter nach oben getrieben. Der Auswahlindex Nasdaq 100 (NDX 13'505.99 +0.26%) stieg im frühen Handel um gut 1% auf 12 848,01 Punkte, womit sich ein Wochengewinn von 3,6% abzeichnet. Beide Konzerne haben mit ihren Quartalsberichten die Anleger und Analysten überzeugt. Intel (INTC 36.20 +1.17%) -Aktien brachen dagegen nach schwachen Quartalszahlen ein.

Der Dow Jones Industrial lag unterdessen mit 0,14% auf 32’573,78 Zähler im Plus. Hier steht auf Wochensicht ein Gewinn von rund 2% zu Buche. Der marktbreite S&P 500 gewann am Freitag 0,80% auf 4105,02 Zähler.

Um 12% ging es mit den Aktien von Amazon nach oben. Der weltgrösste Online-Händler hat den Umsatz im zweiten Quartal trotz hoher Inflation und Rezessionssorgen deutlich gesteigert. Analyst Lee Horowitz von der Deutschen Bank nannte Amazon «den Hafen im konjunkturellen Sturm».

Auch Apple trotzt mit dem iPhone-Geschäft bisher Konjunktursorgen und Logistik-Engpässen. Im vergangenen Quartal konnte das iPhone in einem insgesamt geschrumpften Smartphone-Markt zulegen. Die Aktien gewannen knapp 3%.

Ganz anders Intel. Der Chip-Riese hat nach einem Umsatzeinbruch und roten Zahlen im vergangenen Quartal die Jahresziele kassiert. Experte Stacy Rasgon vom Investmenthaus Bernstein nannte die Profitabilität «erschreckend» und die neuen Jahresziele «garstig». Mit minus 9,5% fanden sich die Aktien abgeschlagen am Ende des Dow wieder.

Nicht gut kamen auch Aussagen des Konsumgüterriesen Procter & Gamble (PG 149.77 +0.36%) an, die Aktie war mit minus 4,8% zweitgrösster Verlierer im Index. Der Konzern rechnet in diesem Jahr mit Gegenwind von der hohen Inflation.

Auf den Beifall der Investoren stiess ein Rekordgewinn des Ölkonzerns Exxon Mobil . Die stark gestiegenen Öl- und Gaspreise verschafften dem Unternehmen im zweiten Quartal einen Gewinn von 17,9 Milliarden Dollar. Der Kurs stieg um gut 3%.

Euro wieder unter Druck

Der Euro ist am Freitag unter Druck geraten. Am Nachmittag fiel die Gemeinschaftswährung im Tief bis auf 1,0146 $, bis sie sich wieder etwas erholte und zuletzt bei 1,0197 gehandelt wurde. Am Mittag hatte sie noch klar über 1,02 $ notiert.

Auch zum Franken tendiert der Euro weiter zur Schwäche. Das EUR/CHF-Paar fiel mit 0,97045 nahe an die Marke von 0,97, zuletzt waren es mit 0,9710 wieder ganz leicht mehr. Das USD/CHF-Paar bewegte sich derweil per Saldo kaum und ging am späten Nachmittag bei 0,9522 um.

Gestützt wurde der Dollar durch besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten aus den USA. So sind die Einkommen und die Konsumausgaben der privaten Haushalte stärker gestiegen als erwartet. Zudem hellte sich das von der Universität von Michigan erhobene Verbrauchervertrauen im Juli stärker als erwartet auf. Es liegt jedoch weiter in der Nähe seines im Vormonat erreichten Rekordtiefs.

Am Vormittag stand in der Eurozone eine regelrechte Flut an Konjunkturdaten auf dem Programm. Wachstumsdaten zum zweiten Quartal fielen meist deutlich stärker aus als erwartet. In Deutschland, der grössten Volkswirtschaft des Euroraums, stagnierte die Wirtschaft jedoch nur. Der gesamte Währungsraum entwickelte sich mit einem Quartalswachstum von 0,7 Prozent deutlich besser als erwartet.

Inflationsdaten überraschten hingegen negativ. Die Teuerungsrate stieg im Juli auf 8,9 Prozent und damit stärker als erwartet. Zugleich ist es ein neuer Rekordwert seit Einführung des Euro. Der starke Preisauftrieb von Energie ging zwar etwas zurück, dafür verteuerten sich Lebensmittel, sonstige Güter und Dienstleistungen stärker als im Vormonat.

«Die heutigen Inflations- und Wachstumsdaten spielen den Falken im EZB-Rat in die Hände», kommentierte Christoph Weil, Volkswirt bei der Commerzbank (CBK 6.79 -2.89%). Falken sind Notenbank-Vertreter, die sich im Zweifel für eine Zinserhöhung aussprechen. «Die Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung der Leitzinsen um 0,50 Prozentpunkte im September ist gestiegen», schreibt Weil.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,83990 (0,83586) britische Pfund und 136,92 (137,26) japanische Yen fest.

Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1758 $ gehandelt. Das waren rund 3 $ mehr als am Vortag.

Ölpreise legen deutlich zu

Die Ölpreise haben am Freitag deutlich zugelegt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 110,23 $. Das waren 3,09 $ mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 90.59 +3.43%)) stieg um 4,18 $ auf 100,60 $.

Die Ölpreise profitierten von der positiven Stimmung an den Aktienmärkten. Vor allem starke Unternehmensdaten sorgen für eine gute Stimmung. Zudem ist die Wirtschaft der Eurozone im zweiten Quartal stärker als erwartet gewachsen. Gestützt wurden die Ölpreise durch besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten aus den USA. So sind die Einkommen und die Konsumausgaben der privaten Haushalte stärker gestiegen als erwartet. Zudem hellte sich das von der Universität von Michigan erhobene Verbrauchervertrauen im Juli stärker als erwartet auf. Eine bessere Wirtschaftsentwicklung stützt die Nachfrage nach Rohöl.

Die Preisdifferenz zwischen Brent und WTI liegt unterdessen bei rund 10 $. «Der Ölmarkt in Europa ist deutlich angespannter als in den USA», kommentierte Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. «Dies dürfte daran liegen, dass Europa bis zum Jahresende die bisherigen Ölimporte aus Russland weitgehend ersetzen muss.» Die USA seien hingen von ausländischen Anbietern weitgehend unabhängig.

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