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SMI erobert Marke von 12’000 Punkten zurück

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag eine kleine Erholung vom schwachen Vortag gezeigt und wieder über der Marke von 12'000 Punkten geschlossen.

Aktien New York: Dow leicht im Minus

(AWP) Die Kurserholung vom Vortag an der Wall Street ist einen Tag später schon wieder verpufft. Der Dow Jones Industrial gab am Donnerstag im frühen Handel um 0,48% auf 34 647 Punkte nach. Auch starke Zahlen aus dem Einzelhandel im August und ein überraschend guter Frühindikator aus der Region Philadelphia konnten die Kurse nicht stützen. Der marktbreite S&P 500 lag mit 0,60% im Minus bei 4454 Zählern.

Gute Konjunkturdaten sind gegenwärtig nicht zwingend positiv aus Sicht der Aktieninvestoren. Denn sie könnten die US-Notenbank Fed dazu veranlassen, eher früher als später die geldpolitischen Zügel anzuziehen, indem sie die milliardenschweren Wertpapierkäufe drosselt. Im US-Anleihenhandel legten die Renditen nach den guten Konjunkturdaten denn auch zu.

Steigende Kapitalmarktzinsen sind für den Technologiesektor tendenziell belastend. Denn zum Einen verteuern sich die Finanzierungskosten der Tech-Unternehmen, zum Anderen fahren deren Kunden in Phasen steigender Zinsen oft ihre IT-Investitionen zurück.

An der technologielastigen Nasdaq-Börse überwogen folglich die Verluste: Der Auswahlindex Nasdaq 100 gab um 0,76% auf 15 386 Punkte nach. Hier gerieten vor allem die Kurse von Firmen aus der Halbleiterbranche unter Druck wie Broadcom , AMD , Xilinx und Intel .

Die Papiere des Netzwerkspezialisten Cisco hielten sich angesichts der Schwäche vieler Tech-Werte noch recht stabil. Mehrere Analysten hatten sich optimistisch zu Cisco geäussert. Die US-Bank JPMorgan etwa hob die Papiere auf eine Empfehlungsliste. Die Credit Suisse stufte Cisco von «Neutral» auf «Outperform» hoch.

Die Anteile des Fleischersatz-Herstellers Beyond Meat büssten 5% ein, nachdem die Investmentbank Piper Sandler die Papiere zum Verkauf empfohlen hatte.

Schweizer Aktienmarkt

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag eine kleine Erholung vom schwachen Vortag gezeigt und wieder über der Marke von 12’000 Punkten geschlossen. Der Leitindex SMI stieg im Tagesverlauf gar bis knapp unter die Marke von 12’100 Punkten, fiel am Nachmittag aber mit einer schwächelnden Wall Street wieder deutlich zurück.

Auch überwiegend freundliche Konjunkturdaten aus den USA, darunter ein überraschender Anstieg der US-Detailhandelsumsätze, konnten die Investoren nicht positiver stimmen. Etwas schlechter als erwartet präsentierten sich zudem die wöchentlichen US-Arbeitsmarktzahlen. Im Handel wurde zudem auf die weiterhin zahlreichen Risiken für die Märkte verwiesen, darunter auf die anhaltenden Staatseingriffe in China und die Schieflage des chinesischen Evergrande-Konzerns.

Bei Börsenschluss lag der SMI um 0,28 Prozent im Plus auf 12’028,44 Punkten, nachdem er am frühen Nachmittag bis auf 12’099 Punkte gestiegen war. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, gewann 0,59 Prozent auf 1981,48 Zähler und der umfassende SPI stieg um 0,50 Prozent auf 15’577,40 Punkte. Von den 30 SLI-Werten schlossen 20 im Plus und zehn im Minus.

Weiterhin beliebt bei den Investoren waren Medtech-Titel: Im SLI setzten die Titel des Dentalimplantate-Spezialisten Straumann (+3,8%) und des Hörgeräteherstellers Sonova (+3,0%) ihre Anstiege auf immer neue Rekordwerte fort. Dabei erhielten sie auch Unterstützung von Analystenseite. So erhöhten die Vontobel-Analysten das Kursziel für die Straumann-Aktien kräftig, während die Deutsche Bank ihre Anlageempfehlung für Sonova auf “Buy” von “Hold” erhöhte.

Im Plus schlossen aber auch eine Reihe zyklischer Aktien, darunter die im laufenden Jahr stark unter Druck geratenen Adecco (+2,4%) sowie die Titel des Logistikers Kühne+Nagel (+1,4%) und des Bauchemiekonzerns Sika (+1,2%).

Kursgewinne verbuchten zudem die Finanzwerte: Neben den konstant starken Partners Group (+2,0%) legten auch die Grossbankentitel CS (+0,9%) und UBS (+0,7%) zu. Für den UBS-CEO Ralph Hamers gab es gute Nachrichten aus den Niederlanden: Laut Medienberichten stützt ihn die niederländische Bankenkammer wegen der Geldwäscherei-Vorwürfe während seiner Amtszeit als ING-Chef.

Bei den Versicherungstiteln konnten Swiss Life (+1,1%) klar zulegen, während Zurich und Swiss Re (beide +0,3%) moderat im Plus schlossen.

Leicht über dem Marktschnitt legten die SMI-Schwergewichte Nestlé (+0,6%) und Roche (+0,4%) zu. Die Titel des dritten SMI-Schwergewichts Novartis (-0,5%) setzten dagegen ihren seit Wochen anhaltenden Rückwärtsgang fort.

Weiterhin unter Druck standen die Luxusgüteraktien Swatch (-0,2%) sowie Richemont (-1,1%). Die Titel waren bereits in den letzten Tagen wegen der Sorgen um den chinesischen Markt unter die Räder gekommen. Schwach zeigten sich auch die Titel des Bankensoftware-Spezialisten Temenos (-0,4%)

Schlusslicht im SLI bildeten die AMS-Aktien (-1,5%), die weiterhin unter der schwach aufgenommenen Präsentation der neusten iPhone-Generation des Grosskunden Apple litten. Er gehe davon aus, dass die die Umsätze mit Apple bei AMS rasch unter 20 Prozent des Jahresumsatzes fallen könnten, meinte der zuständige Analyst von Oddo BHF.

Am breiten Markt legten die Titel des Immobilienkonzerns Allreal (+1,3%) nach der Übernahme der Immosynergies Holding deutlich zu. Eine stärkere Expansion in die Westschweiz sei schon seit längerem auf der Agenda von Allreal gestanden, hiess es in einem Kommentar von Vontobel. Denn bisher habe sich das Unternehmen vornehmlich auf Zürich konzentriert.

Verluste gab es für die Aktien des Pharmaunternehmens Vifor (-1,8%). Das Ostschweizer Unternehmen hat mit der US-Firma Travere Therapeutics eine Lizenzvereinbarung für die Vermarktung eines Medikaments für Nierenerkrankungen von Travere abgeschlossen. Analysten zeigten sich skeptisch, ob der Deal Wert für die Vifor-Aktionäre schaffe.

Devisen: Dollar wird deutlich stärker

Der Euro und der Franken sind am Donnerstag wie auch andere Währungen gegenüber dem US-Dollar unter Druck geraten. Im Tief fiel die Gemeinschaftswährung bis auf 1,1761 $ und kostete damit gut einen halben Cent weniger als im Tageshoch.

Das Währungspaar USD/CHF stieg derweil – parallel dazu – auf 0,9244 und damit auf den höchsten Stand seit Anfang Juli. Das Duo EUR/CHF notiert derweil nur leicht höher bei 1,0881.

Ein eindeutiger Grund für die aktuelle Dollarstärke war zunächst nicht ersichtlich. Marktbewegende Konjunkturdaten oder Nachrichten wurden nicht bekannt. Die tendenziell freundliche Marktstimmung sprach eher gegen die Weltreservewährung Dollar.

Möglicherweise profitierte der Dollar etwas von der angespannten Lage in China. Dort sorgt eine Mischung aus Verschuldungsproblemen des grossen Immobilienentwicklers Evergrande und anhaltenden Staatseingriffen für Verunsicherung. Der chinesische Yuan stand zum Dollar ebenfalls unter Druck.

Am Nachmittag richten sich die Blicke der Anleger auf Konjunkturdaten aus den USA. Dort werden Zahlen vom Einzelhandel erwartet, die Hinweise auf die Stärke des privaten Konsums geben. Daneben stehen die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten und ein Stimmungsindikator aus der Industrie auf dem Programm. Im Euroraum treten einige hochrangige Notenbanker an die Öffentlichkeit, darunter EZB-Präsidentin Christine Lagarde.

Ölpreise stabilisieren sich auf erhöhtem Niveau

Die Ölpreise haben am Donnerstag ihre jüngsten Kursgewinne verteidigt. Im Mittagshandel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 75,51 $. Das waren fünf Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) lag unverändert bei 73,01 $.

Zurzeit bewegen sich die Ölpreise in der Nähe ihrer höchsten Stände seit Anfang August. Ein Grund dafür ist das sich abschwächende Angebot. Am Vortag hatten neue Lagerdaten aus den USA gezeigt, dass die dortigen Rohölvorräte deutlich gefallen sind und ein Zweijahrestief markiert haben. Anhaltende Produktionsausfälle am Golf von Mexiko verringern das Angebot.

Die Zeichen für weitere Preisanstiege stehen daher laut Experten gut. «So kommt die Normalisierung der US-Ölproduktion im Golf von Mexiko auch zweieinhalb Wochen nach dem Landgang von Hurrikan Ida nur sehr schleppend voran», schreibt Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Es seien immer noch 30% der täglichen Produktion geschlossen. In dieser Woche hatte die Internationale Energieagentur (IEA) gewarnt, dass die Förderausfälle in den USA die jüngste Produktionsausweitung des Ölverbunds Opec+ übertreffen.

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