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SMI bricht Erholungsbewegung wieder ab

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag eine Erholungsbewegung von den Verlusten der letzten Tage am Abend wieder abgebrochen.

(AWP/Reuters) Der SMI (SMI 10'906.82 +0.77%) zeigte sich bis am Nachmittag gemeinsam mit den anderen europäischen Börsen moderat im Plus, bevor er die Gewinne gegen Handelsende im Sog einer schwachen Wall Street preisgab und unverändert schloss. Der Leitindex verzeichnet damit das fünfte Wochenminus in Folge.

Positiv aufgenommen wurde am Markt die Senkung des Referenzzinssatzes für Immobilienkredite in China, mit der die negativen ökonomischen Folgen der Null-Covid-Politik gemildert werden soll. Dennoch bleibe die Stimmung weiter sehr fragil, hiess es im Handel. Die Furcht bleibe hoch, dass die US-Notenbank Fed mit einer rigorosen Straffung ihrer geldpolitischen Massnahmen die grösste Volkswirtschaft der Welt in eine Rezession führen könnte.

Der SMI beendete den Handelstag praktisch auf dem Vortagesschluss bei 11’308,98 Punkten. Für die Gesamtwoche resultiert damit ein Minus von 2,9%. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, gewann dagegen am Freitag 0,08% auf 1760,47 Stellen während der breite SPI (SXGE 14'045.97 +0.72%) 0,02% auf 14’504,47 Zähler nachgab. Von den 30 SLI-Titeln beendeten 22 den Handel im Plus und acht im Minus.

Im Fokus standen die Aktien von Richemont (CFR 103.15 +0.98%), die nach Jahreszahlen des Luxusgüterherstellers zwischenzeitlich auf Jahrestiefstwerte absackten und um 13,1% im Minus schlossen. Trotz guter Umsatzentwicklung verfehlten die Gewinnzahlen die Markterwartungen deutlich. Ein Grund dafür waren die Kosten durch die Ukraine-Krise.

Im Sog von Richemont gaben auch die Titel der Konkurrentin Swatch Group (UHR 226.00 -2.75%) deutlich nach. Abwärts ging es vor auch für weitere Zykliker wie Holcim (HOLN 42.81 -2.08%) oder die technologienahen VAT Group (VACN 246.00 +1.15%) und Logitech (LOGN 52.82 -1.05%).

Gebremst wurden die Indizes aber nicht zuletzt von den schwergewichtigen Nestlé (NESN 112.58 +0.84%), die nach den heftigen Abgaben vom Vortag erneut schwächer schlossen. Nestlé würden auch von der Entwicklung der US-Konsumtitel gebremst, meinte ein Händler. «Die Inflation könnte die Konsumenten dazu veranlassen, vermehrt einen Bogen um Markenartikel zu machen.»

Die beiden Pharmaschwergewichten Roche GS (ROG 322.55 +1.18%) und Novartis (NOVN 82.04 +1.79%) konnten ihre Verluste vom Vortag dagegen teilweise aufholen. Novartis konnte zudem eine EU-Empfehlung für eine Zulassungserweiterung seines milliardenschweren Schuppenflechtemittels Cosentyx vermelden.

Nur leicht erholt zeigten sich auch die Titel der Privatbank Julius Bär, die am Vortag nach ungnädig aufgenommenen Viermonatszahlen unter die Räder gekommen waren. Fester schlossen die Aktien der Grossbanken Credit Suisse (CSGN 5.74 +0.35%) und UBS (UBSG 16.14 +0.91%). Auch die im Gesamtjahr sehr schwachen Titel des Investmenthauses Partners Group  gingen mit Gewinnen aus dem Handel.

Durchzogen gingen allerdings die Versicherungswerte aus dem Handel: Während Swiss Life (SLHN 471.70 -0.06%) zulegten, zählten Swiss Re (SREN 74.58 -0.72%) sowie Zurich Insurance (ZURN 416.70 -0.31%) zu den Tagesverlierern unter den Bluechips. Zurich gab am Freitag den Rückzug aus Russland und den Verkauf ihres dortigen Geschäfts bekannt.

Im Plus schlossen dagegen Sika (SIKA 225.60 -0.75%). Das deutsche Researchhaus Berenberg hat seine Kaufempfehlung für Sika bestätigt und das Kursziel heraufgesetzt. Klare Gewinne gab es für eine Zykliker wie etwa Adecco (ADEN 33.34 -1.54%), Schindler (SCHP 174.80 +1.60%) oder SGS (SGSN 2'213.00 +0.36%).

Deutlichere Kursgewinne gab es zudem für die Medizinaltechniktitel Sonova (SOON 305.70 -1.07%) und Straumann (STMN 110.70 +0.50%). Der Zahnimplantatehersteller Straumann kündigte die Übernahme eines deutschen Unternehmens an, das im Bereich von transparenten Alignern, einer Alternative zu Zahnspangen, tätig ist.

Stärkste Gewinner bei den Bluechips waren die Lonza-Titel. Sie erhielten Unterstützung von einer Hochstufung auf «Outperform» und einer kräftigen Kurszielerhöhung durch die Analysten der kanadischen Grossbank RBC.

Am breiten Markt gaben Valiant (VATN 85.50 -0.58%) nach, was allerdings vor allem der Dividendenzahlung von 5 Franken je Aktie geschuldet war. Der Immobilienkonzern Intershop (ISN 627.00 +0.97%) vermeldete den baldigen Beginn eines Projekts im zürcherischen Wädenswil.

Rubel steigt auf Siebenjahreshoch

Der Euro hat am Freitag in einem eher richtungslosen Handel zum Dollar leicht nachgegeben. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,0559 $ und damit etwas weniger als am Morgen (1,0577).

Zur Schweizer Währung legte die Gemeinschaftswährung dagegen etwas zu. Der Euro kostet aktuell 1,0295 Fr. nach 1,0276 Fr. am Mittag. Auch der Dollar gewann zum Franken und verteuerte sich leicht auf 0,9749 Franken, nachdem er am Mittag noch zu 0,9714 gehandelt worden war.

Entscheidende Impulse für den Euro-Dollar-Handel gab es nicht, weshalb sich der Wechselkurs mit der Richtungssuche schwer tat. Zahlen zu den Herstellerpreisen aus Deutschland bestätigten einmal mehr die sehr hohe Inflation. In der Eurozone hellte sich die Verbraucherstimmung nach Zahlen der EU-Kommission etwas auf, allerdings von sehr niedrigem Niveau aus. Der Ukraine-Krieg schlägt den Verbrauchern stark aufs Gemüt.

Deutliche Kursgewinne verbuchte vor dem Wochenende der russische Rubel. Zum Euro stieg er auf den höchsten Stand seit sieben Jahren, zum Dollar wurde ein vierjähriger Höchststand markiert. Die herben Verluste, die der Rubel nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine erlitten hat, sind mittlerweile mehr als wettgemacht.

Ein Grund für den festeren Rubel dürfte sein, dass bereits einige Länder und Unternehmen signalisiert haben, der von Russland vorgeschriebenen neuen Zahlungsweise für Gaslieferungen zustimmen zu wollen. Russland verlangt von «unfreundlich» gesinnten, überwiegend westlichen Ländern ein Zweikontenmodell, anhand dessen die Devisenzahlungen umgehend in Rubel getauscht werden können. Die Methode kurbelt die Rubel-Nachfrage an und stützt so den Wechselkurs.

Zu anderen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84820 (0,84728) britische Pfund, 135,34 (134,46) japanische Yen und 1,0280 (1,0265) Schweizer Franken fest.

Ölpreise legen etwas zu

Die Ölpreise haben am Freitag etwas zugelegt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 112,44 $. Das waren 40 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 117.46 +2.28%)) stieg um 52 Cent auf 112,73 $.

Die Ölpreise wurden von einer allgemein freundlichen Stimmung an den Finanzmärkten mit nach oben gezogen. Händler sprachen von einer Stabilisierung nach den jüngsten Verlusten. In den vergangenen Tagen hatte eine trübe Stimmung an den Finanzmärkten die Notierungen für Rohöl zeitweise kräftig nach unten gedrückt. Die harten Corona-Massnahmen in China belasten die Weltwirtschaft und dämpften die Nachfrage nach Rohöl.

Gestützt werden die Ölpreise tendenziell durch die Sanktionen der westlichen Industriestaaten gegen Russland. Das Angebot wird so verknappt. Auch wenn ein Embargo von russischem Erdöl seitens der Europäischen Union wegen des Widerstands einiger Mitgliedsländer der EU weiter auf sich warten lässt, hat sich Brent-Öl aus der Nordsee seit Beginn des Jahres um mehr als 40 Prozent verteuert.