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SMI nach US-Teuerung höher – Roche bremst Anstieg aus

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Mittwoch nach einem volatilen Verlauf etwas höher geschlossen.

(AWP/Reuters) Dabei wurde der Markt allerdings durch den Kurseinbruch beim Schwergewicht Roche merklich ausgebremst. Ein Minus von über 7% belastete den SMI (SMI 11'647.17 +1.35%) mit rund 150 Punkten. Die US-Inflationsrate hat dagegen den Markt nur vorübergehend etwas aus dem Tritt gebracht und den SMI zeitweise um gut 1% ins Minus gedrückt.

Die US-Teuerung ist im April mit +8,3% etwas weniger gestiegen als im Vormonat mit +8,5%. Dies war aber stärker als vom Markt erwartet. Die Marktteilnehmer reagierten derzeit sehr nervös, wenn die Erwartungen auch nur leicht verfehlt würden, heisst es am Markt. Das Fed könnte nun noch aggressiver handeln, wurde befürchtet. Da aber die Inflationsrate gefallen sei und damit die Richtung stimme, sei es zu einer Erholung gekommen. Einen Grund zur Entwarnung gebe es aber nicht, sagte Thomas Gitzel von der VP Bank (VPBN 93.20 +2.87%). Die Teuerungsraten blieben hoch. Dies spreche für eine unverändert restriktive Geldpolitik. Auch in der Eurozone verharrt die Inflation auf hohem Niveau. Eine Leitzinserhöhung seitens der EZB im Sommer wird immer wahrscheinlicher.

Der SMI schloss nach einem sehr volatil Verlauf um 0,10% fester auf 11’553,66 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind und die einzelnen Gewichtungen stärker gekappt, legte dagegen um 1,01% auf 1786,42 Zähler zu. Der breite SPI (SXGE 14'941.43 +1.58%) rückte um 0,28% auf 14’841,26 Punkte vor. Im SLI waren 25 Titel höher und fünf gaben nach. Mehr als die Hälfte der SLI-Werte zogen um mindestens 1% an.

Massiv unter Druck standen die Roche-Bons (-6,9%), nachdem der Pharmakonzern mit einer neuartigen Krebstherapie erneut einen Forschungsrückschlag erlitten hat. Erst vor wenigen Monaten hatte Roche damit in einer anderen Studie die gesteckten Ziele nicht erreicht. Dass der Bon dieses Mal so viel heftiger reagierte, liege daran, dass zahlreiche Analysten auf ein besseres Abschneiden gehofft hätten.

Dahinter folgten mit grossem Abstand Geberit (GEBN 531.20 +2.75%) (-0,6%), die unter Kurszielsenkungen von HSBC (HSBAl 5.32 +1.18%) und der DZ Bank litten. Schwächer waren auch die Titel von Swisscom (SCMN 574.40 +0.35%) (-0,1%), des Logistikers Kühne + Nagel (KNIN 257.50 +1.18%) (-0,2%) und des Duftstoffproduzenten Givaudan (GIVN 3'569.00 +2.71%) (-0,1%).

Dagegen standen die Aktien von Alcon (ALC 71.64 +2.64%) mit einem Kursplus von 9,2% zuoberst auf dem Podest. Die ehemalige Novartis-Tochter hat mit ihren Zahlen vom Vorabend die Erwartungen der Analysten übertroffen. Zudem ist der Konzern auch stark in das laufende Geschäftsjahr gestartet.

Die beiden Uhrenhersteller Richemont (CFR 103.85 +9.55%) und Swatch Group (UHR 235.10 +4.03%) schossen rund 5,5% in die Höhe. Kursstützen waren die jüngsten Wirtschaftsdaten aus China und die Hoffnung, dass dort der Konsum wieder anzieht und die rigorose Coronapolitik bald ein Ende hat. Zudem trugen die Meldungen, dass US-Präsident Joe Biden die Abschaffung von Zöllen auf chinesische Güter prüfen will, ebenfalls zur positiven Grundstimmung bei.

Im Aufwind befanden sich auch die verschiedenen Techwerte unter den Blue Chips. Temenos (TEMN 95.36 +2.91%), AMS Osram (AMS 11.40 +4.78%), VAT Group (VACN 278.00 +5.22%) und Logitech (LOGN 57.06 +3.48%) verteuerten sich im Sog der US-Börse Nasdaq vom Vorabend deutlich. Gleichzeitig dürften auch hier die Meldungen über US-Präsident Biden etwas stützen.

Neben Alcon legte auch die Swiss Life Zahlen vor. Doch der «durchwachsene» Bericht sorgte für eine entsprechend zurückhaltende Marktreaktion. Weitere Finanzwerte wie Partners Group (PGHN 1'048.00 +3.40%), UBS (UBSG 17.99 +1.35%), Swiss Re (SREN 80.36 +1.80%), Julius Bär (BAER 49.26 +3.23%) und Zurich gewannen zwischen 4,0% und 1,2%.

Im breiten Markt schlossen Zur Rose (ROSE 107.30 +4.38%) nach dem Kurssturz vom Vortag um 9,7% höher, was Händler unter anderem mit Deckungskäufen erklärten. In Deutschland zog die Konkurrenz von Shop Apotheke (SAE 97.18 +0.93%) derweil noch deutlich stärker an. Händlern zufolge gibt es Berichte über eine Einführung des E-Rezepts ab September.

Die Beteiligungsgesellschaft HBM Healthcare (HBMN 267.00 +2.69%) Investments wiederum profitierte von der geplanten Übernahme der Portfoliofirma Biohaven durch den Pfizer-Konzern. Dem standen Abgaben bei Meyer Burger (MBTN 0.4338 +4.53%) und Evolva (EVE 0.1040 +0.39%) gegenüber.

Dow trotzt überraschend hoher Inflation

Die Verbraucherpreise in den USA sind stärker gestiegen als erwartet. Der Leitindex Dow Jones Industrial gab daraufhin im frühen Handel zunächst nach, drehte dann aber ins Plus. Das betrug zuletzt 0,56%  auf 32’340 Punkte. Vom jüngsten Hoch des Dow im April bei knapp 35’500 Zählern hatte der Index zuletzt fast 10% eingebüsst.

Um 8,3% sind die Verbraucherpreise im April auf Jahressicht geklettert. Analysten hatten im Schnitt einen etwas geringeren Anstieg erwartet. «Die Teuerung dürfte zwar tendenziell sinken, aber nicht so stark wie von der Notenbank erhofft. Die Fed bleibt damit unter Druck», kommentierte Volkswirt Christoph Balz von der Commerzbank (CBK 8.08 +0.62%). Auch werde die Inflation wohl höher bleiben als vor der Pandemie. So stiegen wegen des engen Arbeitsmarkts die Lohnkosten so kräftig wie seit mindestens 20 Jahren nicht mehr.

Für den marktbreiten S&P 500 ging es am Mittwoch um 0,36% auf 4016 Punkte aufwärts. Der Nasdaq 100 (NDX 12'276.79 +2.79%) lag dagegen mit 0,24%  im Minus bei 12’313 Punkten.

Bei den Einzelwerten erlebten Unity Software ein Kursdebakel. Das Umsatzziel des Entwicklers von 3D-Spielen blieb hinter den Erwartungen zurück. Das liess den Kurs um über 30% einbrechen auf den tiefsten Stand seit dem Börsengang im September 2020. Anders Electronic Arts (EA 138.53 -0.11%) , hier lobten Analysten optimistischere Ziele des Spieleentwicklers für das Geschäftsjahr. Der Kurs schnellte um gut 10% nach oben.

Ein enttäuschendes Umsatzziel des Zahlungsabwicklers Paysafe für das zweite Quartal lastete schwer auf dem Kurs, der um 13% absackte.

Franken legt zu Euro und Dollar zu

Der Euro hat am Mittwoch gegenüber dem Dollar von der Aussicht auf steigende Leitzinsen profitiert. Die Gemeinschaftswährung kostete bis zu 1,0561 $. Aktuell wird sie etwas tiefer zu 1,0550 $ gehandelt.

Dagegen schwächten sich Euro und Dollar zum Franken etwas ab. Aktuell kostet ein Euro 1,0444 Fr. nach 1,0487 Fr. am Morgen. Am Dienstag hatte der Euro erstmals seit Mitte Februar wieder die Marke von 1,05 überschritten. Das Währungspaar USD/CHF (USD/CHF 0.9576 +0.03%) wird derzeit zu 0,9903 gehandelt nach 0,9942 noch im Frühhandel. In der Nacht war der Greenback bis auf 0,9965 gestiegen. Auch nach der Veröffentlichung der US-Inflationszahlen hatte er sich der Parität kurzzeitig angenähert, ist dann aber rasch wieder in Richtung 0,99 zurückgefallen.

Die Diskussion über den Zeitpunkt einer ersten Zinserhöhung im Euroraum geht weiter. Am Mittwoch sprachen sich gleich mehrere Vertreter der EZB für eine baldige Anhebung aus. Konkret wurden Bundesbank-Präsident Joachim Nagel und EZB-Direktor Frank Elderson, die beide den Juli ins Auge fassten. EZB-Präsidentin Christine Lagarde äusserte sich bedeckter, deutete aber die Sommermonate als möglichen Zeitraum an.

Der Euro profitierte nur moderat von den Äusserungen, da an den Märkten ohnehin baldige Zinsanhebungen erwartet werden. Schon seit einiger Zeit äussern sich Mitglieder der EZB in diese Richtung. Die hohe Inflation und die zunehmend straffe Geldpolitik anderer grosser Zentralbanken setzen die europäischen Währungshüter zunehmend unter Druck, selbst tätig zu werden.

Höher als erwartet ausgefallene Inflationsdaten aus den USA belasteten den Euro nur vorübergehend. Der Anstieg der Verbraucherpreise hat sich im April zwar abgeschwächt, allerdings weniger als erwartet. Die Verbraucherpreise stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,3%. Im März war die Inflationsrate mit 8,5% auf den höchsten Stand seit gut 40 Jahren gestiegen. Die US-Notenbank Fed dürfte ihren Zinserhöhungskurs fortsetzen. Der Euro sank kurzzeitig bis auf fast 1,05 $. Er erholte sich jedoch rasch wieder.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85393 (0,85595) britische Pfund und 137,07 (137,38) japanische Yen fest.

Ölpreise legen deutlich zu

Die Ölpreise haben sich am Mittwoch teilweise von ihren jüngsten Verlusten erholt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 107,40 $. Das waren 4,94 $ mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 114.32 +3.20%)) stieg um 5,46 $ auf 105,23 $.

Am Markt wurden die Preisaufschläge mit der etwas günstigeren Corona-Lage in China begründet. Die Metropolen Peking und Shanghai meldeten zuletzt gesunkene Infektionszahlen. Damit rückt die Möglichkeit geringerer Corona-Beschränkungen in den Blick. Seit Wochen geht die chinesische Führung mit scharfen Ausgangssperren gegen das sich ausbreitende Virus vor. Die Binnenkonjunktur und der Ölverbrauch werden dadurch stark in Mitleidenschaft gezogen.

Die in den USA überraschend gestiegenen Rohöllagerbestände belasteten die Ölpreise nicht. Die Vorräte kletterten laut Energieministerium im Vergleich zur Vorwoche um 8,5 Mio. Barrel auf 424,2 Mio. Barrel. Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang um 1,5 Mio. Barrel gerechnet. Allerdings ging die Ölproduktion zurück.

An den beiden Vortagen waren die Ölpreise noch stark unter Druck geraten. Der WTI-Preis war sogar kurzzeitig unter 100 $ gefallen. Wenngleich sich die Ölpreise in den vergangenen Wochen schwer taten, eine klare Richtung zu finden, liegen sie auf hohem Niveau. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus etwa 35%. Ausschlaggebend sind der Krieg Russlands gegen die Ukraine und scharfe Sanktionen vornehmlich westlicher Länder gegen Russland, das einer der weltgrössten Ölförderer ist.

Bitcoin bleibt unter Druck – Stablecoin stürzt ab

Die Kryptowährung Bitcoin bleibt unter Druck und kämpft um die Marke von 30’000 $. Neben dem Abwärtssog der ebenfalls weiterhin belasteten Aktienmärkte sorgt der Kollaps des Stablecoins TerraUSD der Luna Fundation für hohe Unsicherheit im Markt.

Auf der Handelsplattform des US-Kryptohändlers Coinbase kostete ein Bitcoin am Mittwochvormittag rund 31’150 $ und damit rund 20% weniger als noch vor Wochenfrist. Mit 29’833 $ wurde in der Nacht auf Dienstag der niedrigste Stand seit Juli 2021 markiert. Die Marktkapitalisierung der «Krypto-Leitwährung» fiel damit innerhalb der letzten sieben Tage um rund 155 Mrd. $ auf 580 Milliarden zurück.

«Deutlich höhere Zinsen und die Abkehr der Anleger von risikoreichen Anlagen schaffen sehr unangenehme Bedingungen für Kryptowährungen», heisst es in einem Kommentar des Analystenhauses Oanda. Da der Kryptowährungsmarkt bisher nicht mit solchen Umständen zu kämpfen hatte, sei durchaus noch weiters Abwärtspotenzial vorhanden, wird gewarnt.

Wie bei Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Rohöl könnte sich der Ausverkauf auch beim Bitcoin wieder beschleunigen, schreibt Swissquote-Analystin Ipek Ozkardeskaya in einem Kommentar. Der kurzzeitige Rutsch unter die Unterstützung bei 30’000 $ habe zwar mutige «Dip»-Käufer angelockt, allerdings bleibe das Risiko für einen noch stärkeren Abverkauf hoch.

Neben den weiterhin korrigierenden Finanzmärkten, die laut Händlern wohl noch länger unter Zins- und Konjunktursorgen leiden dürften, sorgt auch der Zusammenbruch eines jüngst noch mit über 18 Mrd. $ kapitalisierten Stablecoins für Unsicherheit im Markt. Der TerraUSD, kurz UST, verlor zu Wochenbeginn seine Anbindung an den US-Dollar und notiert seit dem klar unter Marke von einem US-Dollar.

Zur Berichtszeit kostet ein UST gerademal noch 0,48 $. Die Marktkapitalisierung des Stablecoins brach auf gut 5 Mrd. $ zusammen. Die Loslösung vom Dollar («Depegging») löste auch Turbulenzen um die mit dem UST in enger Verbindung stehenden Kryptowährung Luna (Luna) der Terra Foundation aus.

Luna notiert aktuell bei 5,83 $ und verlor damit alleine in den letzten 24 Stunden über 93% an Wert. Im April wurde LUNA noch zu über 100 $ gehandelt und die Stiftung machte mit grossen Zukäufen an Bitcoins Schlagzeilen. Die horrenden Kursgewinne aus dem Vorjahr und dem Frühjahr 2022 wurden damit wieder ausradiert.

Der Marktwert aller Kryptowährungen liegt laut dem Datenportal CoinGecko mittlerweile unter 1,5 Billionen $ und beträgt zur Berichtszeit 1451 Mrd. Vor einem Monat betrug dieser Wert noch über 2 Bio. Der Anteil des Bitcoin am Gesamtmarkt blieb mit 40% indes stabil.