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SMI schliesst klar im Plus

Der Schweizer Aktienmarkt zeigte sich am Donnerstag grösstenteils freundlich. Dafür geriet der Euro wieder unter Druck.

(AWP/Reuters) Kurz vor Börsenschluss konnte der Leitindex SMI (SMI 11'195.51 +0.65%) seine Gewinne gar noch ausbauen. Anleger machten einzig um die defensiven Sektoren einen Bogen, die im laufenden Jahr bisher arg gebeutelten Titel standen dafür im Aufwind. Ihnen half der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed vom Vortag. Diese hob zwar die Leitzinsen um satte 75 Basispunkte an, dämpfte dann aber mit ihren Aussagen die Erwartungen für weitere Zinsschritte. Seither kam es bei den als zinssensitiv geltenden Wachstumswerten – auch hierzulande – zu Kursgewinnen.

Von der Konjunktur gab es im Anschluss am Donnerstag hingegen wenig Gutes: Die US-Wirtschaft ist im Frühling erneut geschrumpft und somit in eine sogenannte «technische Rezession» gefallen. Davon sprechen Ökonomen, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale hintereinander zurückgeht. «Angesichts der rapiden Verschlechterung der Stimmungsindikatoren könnte das Fed den eingeschlagenen Zinserhöhungskurs jedoch bereits Endes dieses Jahres auslaufen lassen», hiess es weiter. Dies wiederum würde den Marktteilnehmern wohl gefallen. In Deutschland sank derweil die Inflation im Juli leicht. «Der Druck im Inflationskessel bleibt aber hoch», warnte ein Börsianer.

Der SMI schloss schliesslich um 0,66% höher bei 11’129,33 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind und in dem die Gewichtung der Einzelwerte stärker gekappt ist, legte um 1,02% zu auf 1712,81 Zähler. Der breite SPI (SXGE 14'519.70 +0.72%) rückte um 0,58% vor auf 14’395,08 Zähler. Im SLI kamen auf 22 Gewinner acht Verlierer.

Im Fokus standen die schwergewichtigen Nestlé (NESN 116.54 +0.90%), die schliesslich nur noch leicht im Minus schlossen. Ihr Kursverlauf beeinflusste auch die Richtung des SMI über weite Strecken. Das Halbjahresergebnis übertraf zwar die Erwartungen der Analysten. Doch vermissten die Anleger grössere Überraschungen. Dazu ging der Nahrungsmittelriese als erstes europäisches Konsumgüterunternehmen mit der Senkung des Margenausblicks voraus. So kam es vor allem am Vormittag denn auch wegen der schmäleren Gewinnmargen zu Gewinnmitnahmen bei der Aktie. Zudem standen defensive Titel wie bereits erwähnt nicht in der Gunst der Anlegerschaft.

Daher wurden auch die Pharmatitel Roche GS (ROG 316.10 -0.19%), die Anteile der Swisscom (SCMN 509.60 -0.89%) und des Versicherers Swiss Re (SREN 73.74 +0.77%) und Zurich Insurance (ZURN 424.10 +1.10%) verkauft.

Angeführt wurden die Gewinner von den Partners Group (PGHN 1'003.50 +2.11%), Lonza (LONN 564.00 +0.68%) sowie den Aktien der Credit Suisse (CSGN 5.31 +1.03%). Die Titel der Grossbank knüpften an den positiven Trend vom Vortag an. Die angeschlagene Grossbank hatte zwar im zweiten Quartal schlechter als erwartet abgeschnitten, aber eine neue Strategie und einen Chefwechsel angekündigt. «Wir werden sehen, ob die neuen Besen wirklich so gut kehren, wie der Markt derzeit vorwegnimmt», sagte ein Händler.

Gesucht waren zudem die Aktien von Sika (SIKA 242.10 +1.00%), Logitech (LOGN 55.04 -0.72%), Julius Bär (BAER 50.34 +0.20%), VAT, Straumann (STMN 132.30 +2.60%), Geberit (GEBN 502.80 +3.08%), Holcim (HOLN 44.91 +0.49%) oder Kühne + Nagel (KNIN 242.70 -0.90%). Die Titel, die seit vergangenem Herbst zum Teil massiv korrigiert haben, gewannen zwischen 0,8% und 2,9%.

Deutliche Kursaufschläge gab es nach Zahlen auf den hinteren Rängen. Dabei stachen vor allem GAM (GAM 1.05 +5.75%) als grosser Gewinner heraus. Die Nachrichtenagentur Bloomberg schrieb unter Berufung auf Insider, dass die Firma wieder einmal einen Käufer suche.

Auch mit Cosmo (COPN 52.10 +1.36%) ging es aufwärts. Der Arzneimittelhersteller schrieb im ersten Halbjahr wieder einen Gewinn und schloss zudem für das Akne-Mittel Winlevi eine Lizenzvereinbarung für die Region China ab, was eine Meilensteinzahlung von 6,5 Mio. $ an Cosmo auslöste.

Die Aktien von Calida (CALN 46.00 -1.39%) gewannen 6,9%. Der Wäschehersteller schnitt im ersten Halbjahr sehr gut ab. Zudem will Grossaktionärin und Gründerfamilie Kellenberger ihre Anteile im Sinne einer Nachfolgelösung verkaufen.

Auch Meier Tobler, Starrag und Kardex waren nach Zahlen gefragt. Dagegen büssten Bucher, Comet, Vontobel und Lem nach Ergebnisvorlage etwas an Wert ein

Aktien New York: Dow stagniert

Nach den hohen Kursgewinnen im Zuge der Fed-Sitzung am Vortag ist den US-Börsen am Donnerstag im frühen Handel erst einmal die Luft ausgegangen. Immerhin hatte der technologielastige Index Nasdaq 100 (NDX 13'207.69 -0.78%) den höchsten Tagesgewinn seit November 2020 verbucht. Und von der Konjunktur gibt es wenig Gutes: Die US-Wirtschaft ist im Frühling erneut geschrumpft und in eine sogenannte «technische Rezession» gefallen.

Der Dow Jones Industrial lag zuletzt mit 0,12% im Minus bei 32’159,59 Punkten. Der marktbreite S&P 500 gab um 0,22 auf 4014,88 Zähler nach. Der technologielastige Nasdaq 100 verlor 0,91% auf 12’485,52 Punkte, nachdem er am Mittwoch um mehr als 4% nach oben geschnellt war.

Euro wieder unter Druck

Der Euro hat am Donnerstag seine am Vortag erzielten Gewinne wieder abgegeben. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung im Tief 1,0152 $. Am Morgen hatte sie noch über 1,02 Dollar notiert. Der Dollar kostete damit 0,9880 (0,9850) €.

Gegenüber dem Franken hat der Euro nach einer leichten Erholung am Vortag wieder deutlich an Wert eingebüsst. Das Euro-Franken-Paar wird mit 0,9715 gehandelt. Zeitweise sah es so aus, als ob der Euro auch die Schwelle von 0,97 Fr. unterschreiten würde. Zum Dollar notiert der Franken etwas fester bei 0,9568.

Schwache Konjunkturdaten aus den USA belasteten den Dollar nur kurzzeitig. Die US-Wirtschaft rutschte im Frühling in eine technische Rezession. Nach einem Rückgang der Wirtschaftsleistung zu Jahresbeginn fiel das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal laut einer ersten Schätzung auf das Jahr hochgerechnet um 0,9 Prozent. Da die US-Wirtschaft schon im ersten Quartal um annualisiert 1,6 Prozent geschrumpft ist, ist die Definition einer technischen Rezession erfüllt.

Die Erwartungen an weitere deutliche Leitzinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed wurden so etwas gedämpft. «Die US-Notenbank wird sich derweil nicht aus der Ruhe bringen lassen», erwartet allerdings Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank (VPBN 84.60 +0.00%). Er rechnet angesichts der hohen Inflation mit weiteren spürbaren Zinserhöhungen. «Allerdings dürfte aufgrund des Rückgangs der Bauinvestitionen eine neuerliche Zinsanhebung um 0,75 Prozentpunkte im September vom Tisch sein.» Höhere Zinsen stützen tendenziell eine Währung.

Die Fed hatte zuletzt am Mittwoch den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte angehoben. Der Dollar war aber trotzdem unter Druck geraten. Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell hatten den Dollar belastet. Er stellte zwar weitere Zinserhöhung in Aussicht. Allerdings machte Powell den künftigen Kurs von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung abhängig.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,83586 (0,84138) britische Pfund und 137,26 (138,89) japanische Yen fest.

Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1750 $ gehandelt. Das waren 16 $ mehr als am Vortag.

Schwächere Ölpreise

Die Ölpreise wurden am Donnerstag durch schwache US-Konjunkturdaten belastet. Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 106,35 $. Das waren 27 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 88.64 +0.62%)) fiel um 71 Cent auf 96,55 $.

Belastet wurden die Ölpreise durch das im zweiten Quartal geschrumpfte Bruttoinlandsprodukt in den USA. Nach einem Rückgang im Vorquartal hat sich die Wirtschaftsleistung überraschend erneut verringert. Bei zwei Rückgängen in Folge sprechen Analysten von einer technischen Rezession. Eine schwächelnde Wirtschaft braucht auch weniger Rohöl. Dies dämpft die Preise. Vor der Veröffentlichung der Daten hatten die Ölpreise noch merklich zugelegt.

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