Es gibt zwar keinen rationalen Grund, den Markt bis zu 20% tiefer zu bewerten als noch zu Monatsbeginn, denn die Faktenlage hat sich bis auf ein paar bereits erwartete Coronaneuinfektionen nicht verändert. Doch wir befinden uns in einer Phase, in der neun von zehn Marktteilnehmern nicht mehr rational entscheiden, und der verbliebene Rest kann sich der Herde entweder anschliessen oder von ihr niedergetrampelt werden.

Die technische Analyse hilft in dieser Ausgangslage besonders, da sie objektivierbare Kursziele bereitstellt: Die nächste potenzielle Bodenbildungsgelegenheit findet sich um 10’150/10’300, dort trifft der SMI (SMI 9036.98 0.45%) auf eine Kombination von 200-Tage-Durchschnittspreis (violett) und ebenfalls bereits als Stabilisator bewährter horizontaler Wendezone. Allerdings würde dieser Bereich nur in «normalen» Zeiten als dauerhafte Bodenbildungsschwelle in Frage kommen. Jetzt ist er eher für eine temporäre Unterbrechung der Verkaufswelle gut.

Zwischen 9500 und 9800 finden sich jedoch weitere Orientierungspunkte im historischen Kursverlauf – und dort hätte sich der Markt schon mehr als 15% von seinem letzten Hoch entfernt. Erfahrungsgemäss stoppen Korrekturen in diesem Ausmass zumindest etwas länger, bevor Investoren einen neuen Richtungsentscheid fällen. Weltweit beginnt sich die Wachstumsrate von Coronaneuinfektionen bereits abzuschwächen, auch wenn dieser Fakt in der Berichterstattung gerne vergessen wird, weil er nicht für spektakuläre Schlagzeilen sorgt. Sonst gibt es keine Gründe für den aktuellen Ausverkauf, daher könnten Marktteilnehmer unter der 10’000er-Marke langsam wieder zur Vernunft kommen. Anleger dürfen sich dann im Idealfall über günstige Einstiegskurse freuen.

 (Quelle der Grafiken: www.iquant.ch)

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