Märkte / Aktien

Schweizer Börse mit stärksten Einbruch seit Januar

Die Schweizer Börse hat am Dienstag die dritte Sitzung in Folge deutliche Kursverluste eingefahren.

(AWP) Steigende Anleihenrenditen haben den Schweizer Aktienmarkt am Dienstag stark unter Druck gesetzt. Der Leitindex SMI (SMI 11'961.34 +0.58%) sackte gar unter die Marke von 11’500 Punkten und schloss damit so tief wie seit Anfang Juni nicht mehr. Hatten in den vergangenen Jahren die tiefen Zinsen die Aktienkurse befeuert, so setze der Zinsanstieg nun vor allem Wachstums- und Technologietitel unter Druck, hiess es im Markt.

Dazu komme aber auch die sich generell abflachende Erholung der Konjunktur, die im Sommer den Zyklus überschritten habe, meinte ein weiterer Marktanalyst. Weil das Wachstumstempo in den kommenden Monaten abnehme, werde sich auch der Rückenwind für die Unternehmensgewinne etwas abflachen. Weiterhin lastet zudem auch auf die schwer abschätzbare Lage um den schwer angeschlagenen chinesischen Immobilienkonzern Evergrande (3333 0.31 -5.27%) auf der Stimmung der Investoren.

Der SMI schloss um 1,76% tiefer bei 11’485,58 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, sank gar um 2,08% auf 1876,56 Punkte und der breite SPI (SXGE 15'436.66 +0.5%) verlor 1,96% auf 14’858,28 Zähler. Alle 30 SLI-Werte schlossen mit Verlusten.

Die heftigsten Abgaben entfielen auf die Technologiewerte von Logitech (LOGN 81.26 -1.91%) (-7,3%), die im Tagesverlauf gar auf ein neues Jahrestief absackten. Die Aktien des Computerzubehörhersteller, die in der Corona-Pandemie dank dem Home-Office-Boom noch stark zugelegt hatten, wurden nun von den Analysten von Morgan Stanley (MS 102.14 +1.12%) auf «Underweight» zurückgestuft. Mit den Aktien des Chipherstellers AMS (-4,1%) gehörte am Dienstag ein weiterer Technologietitel zu den starken Verlierern.

Scharfe Abgaben gab es auch für den Anbieter von Privatmarktanlagen Partners Group (PGHN 1'522.50 +0.23%) (-7,0%), dessen Investitionsprodukte in der Tiefzinsphase heiss begehrt waren. Mit Kühne+Nagel (-3,1%) sowie den Medizinaltechniktiteln Straumann (STMN 1'806.50 +1.23%) (-4,3%) und Sonova (SOON 359.60 +0.33%) (-2,8%) gab es deutlich Abgaben für die in den vergangenen Monaten sehr stark gelaufenen Titel.

Kursverluste gab es auch für typische Zykliker wie die Uhrenwerte Swatch (-3,5%) und Richemont (CFR 109.90 +1.2%) (-2,4%), die Aktien des Warenprüfers SGS (SGSN 2'746.00 -0.51%) (-2,9%) oder auch des Industriekonzerns ABB (ABBN 31.91 +0.73%) (-2,3%). Die Bekanntgabe einer Vereinbarung von ABB mit einem chinesischen Wasserstoffhersteller brachte dem Titel keine Unterstützung.

Leicht unterdurchschnittlich waren die Abgaben des SMI-Schwergewichts wie Nestlé (NESN 114.82 +0.35%) (-1,4%) und der beiden Pharmariesen Roche (ROG 360.25 +0.87%) (-1,5%) und Novartis (NOVN 76.93 +0.61%) (-0,7%). Die Aktien des Duftstoffherstellers Givaudan (GIVN 4'221.00 -0.14%) (-0,8%) und der defensiven Swisscom (SCMN 544.80 +0.41%) (-0,4%) gehörten derweil zu den weniger schwachen Titeln am Markt.

Bei den Finanzwerten konnten die Versicherungstitel kaum vom Trend zu steigenden Renditen profitieren. Klare Abgaben gab es für allem für die Aktien von Swiss Life (SLHN 483.80 +1.17%) (-2,2%) aber auch für Swiss Re (SREN 81.26 +1.09%) (-1,6%), während die Titel von Zurich (-1,2%) etwas weniger stark nachgaben.

Besser hielten sich allerdings die Bankenwerte: Während CS (-1,1) etwas unter dem Durchschnitt nachgaben, fielen die Abgaben für die Aktien der Konkurrentin UBS (UBSG 15.88 +0.6%) (-0,4%) verhältnismässig gering aus. Die Aktien der Privatbank Julius Bär (BAER 64.96 +0.31%) (-0,3%) gingen unter den SLI-Titeln mit den geringsten Abgaben aus dem Handel.

Am breiten Markt sanken auch Landis+Gyr (LAND 61.50 +1.74%) (-1,2%) am Nachmittag ins Minus. Der Anbieter von Energiemanagementlösungen gab die Übernahme des türkischen Messgeräteherstellers Luna Elektrik mit einem Umsatz von rund 60 Mio. $ bekannt. Das Unternehmen dürfte dabei auf den Zugang zu Märkten erhoffen.

Applaus gab es am Markt für neue Daten von Relief Therapeutics (RLF 0.10 -4.85%) (+6,7%) zum Medikament Zyesami. Demnach habe sich Zyesami bei Corona-Patienten, die gleichzeitig unter anderen Erkrankungen litten, als wirksam erwiesen. Leicht im Minus schlossen dagegen die Titel des Biotechunternehmens Kuros (-0,4%) nach der Präsentation neuer Produkte.

New York: Anlegerflucht wegen steigender US-Zinsen

Anhaltend steigende Anleiherenditen haben den US-Aktienanlegern am Dienstag die Stimmung vermiest. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe stieg auf den höchsten Stand seit Mitte Juni. Darunter litten vor allem die zinssensiblen Technologiewerte. Dagegen profitierten die Ölwerte von weiter anziehenden Ölpreisen.

Der Dow Jones Industrial notierte zuletzt 1,05% tiefer bei 34 503,74 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 (S&P 500 4'464.33 -0.22%) sank um 1,54% auf 4374,51 Zähler. Der technologielastige Nasdaq 100 (Nasdaq 100 15'146.92 +0.63%) büsste 2,30% auf 14 855,83 Punkte ein.

Der Zinsauftrieb in den USA kommt von steigenden Inflationserwartungen und der geplanten geldpolitischen Straffung der US-Notenbank Fed. Am Bond-Markt würden neben der Rally am Energiemarkt bereits geringere Anleihekäufe der Notenbanken (Tapering) eingepreist, hiess es bei der Commerzbank (CBK 6.10 +0.99%). Bei fallenden Bondfutures sorgt dies für steigende Renditen – in den USA auf das höchste Niveau seit Monaten.

Neue Konjunkturdaten spiegeln einen Grund für die zunehmende Skepsis gegenüber der geldpolitischen Ausrichtung: den anhaltenden und beschleunigten Anstieg der Häuserpreise. In den USA stiegen die Immobilienpreise im Juli um fast 20%. Zudem trübte sich die Stimmung der US-Verbraucher im September unerwartet deutlich ein. Das Verbrauchervertrauen fiel zum Vormonat um 5,9 Punkte auf 109,3 Zähler und damit auf den tiefsten Stand seit Februar. Es ist zudem das dritte Minus in Folge.

Gefragt blieben Ölwerte dank weiter steigender Preise für das «schwarze Gold». Nordseeöl der Sorte Brent kostete erstmals seit etwa drei Jahren mehr als 80 $, während US-Rohöl über der Marke von 76 $ notierte. Getrieben werden die Erdölpreise weiter durch eine starke Nachfrage und ein knappes Angebot.

Unter den Einzelwerten gehörten – wie bereits am Vortag – Ölaktien zu den begehrtesten Papieren. So stiegen die Papiere von Chevron (CVX 109.61 +0.74%) an der Dow-Spitze um rund 1,2%. Die Anteilscheine von Exxon Mobil und ConocoPhillips legten um jeweils rund 1,7% zu.

Devisen: Euro gibt merklich nach

Der Euro hat am Dienstag zum Dollar nachgegeben. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1673 $. Dies war der tiefste Stand seit über einem Monat. Am Morgen hatte der Euro noch zeitweise über 1,17 $ notiert.

Auch zum Franken verteuerte sich die US-Währung im Tagesverlauf etwas, am späten Nachmittag wurde sie zu 0,9284 Fr. nach 0,9264 Fr. am Morgen gehandelt. Der Euro bleibt zur Schweizer Währung mit 1,0837 Fr. (am Morgen 1,0838) kaum verändert.

Der Hauptgrund für die Entwicklung ist die unterschiedliche Zinsentwicklung in den USA und Europa. Die US-Notenbank Fed will bald mit dem Ausstieg aus ihrer sehr lockeren Geldpolitik beginnen. In den USA steigen daher die Zinsen an den Kapitalmärkten merklich. Derzeit rentieren zehnjährige Staatsanleihen mit gut 1,5. In der Eurozone rentieren viele Staatsanleihen im negativen Bereich. Dies macht Anlagen in Dollar attraktiver.

In der Eurozone zeichnet sich hingegen noch keine geldpolitische Wende ab. Die zuletzt erhöhte Inflation in der Eurozone bezeichnete EZB-Präsidentin Christine Lagarde erneut als nur vorübergehend. Sie sei auf Sonderfaktoren infolge der Corona-Krise zurückzuführen. Die Wirtschaft habe unterdessen die Talsohle durchschritten, sei aber noch nicht ganz über den Berg.

Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1735 $ gehandelt. Das waren rund 14 $ weniger als am Vortag

Ölpreise legen erneut zu – Brent über 80 $

Die Ölpreise haben am Dienstag an ihre jüngsten Kursgewinnen angeknüpft. Nordseeöl der Sorte Brent kostete erstmals seit etwa drei Jahren mehr als 80 $, während US-Rohöl über der Marke von 76 $ notierte. Getrieben werden die Erdölpreise durch eine starke Nachfrage und ein knappes Angebot.

Am Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 80,26 $. Das waren 73 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WTI 82.33 +1.07%)) stieg um 86 Cent auf 76,29 $.

Unterstützung erhalten die Rohölpreise durch die in vielen Ländern solide Konjunkturerholung vom Corona-Einbruch und die vielerorts entspanntere Corona-Lage. Commerzbank-Experte Carsten Fritsch verweist auf Aussagen von Industrievertretern auf der derzeit stattfindenden Konferenz der Ölindustrie. Demnach könnte die Ölnachfrage schon Ende 2021 oder im ersten Quartal 2022 auf ihrem Vorkrisenniveau von 100 Mio. Barrel pro Tag sein. Die Opec erwartet dies erst im späteren Jahresverlauf 2022. Zudem könnten die Investitionen in grüne Energien dazu führen, dass Investitionen in Ölprojekte zurückgestellt werden.

Hinzu kommt eine von den USA ausgehende Angebotsknappheit. Darüber hinaus haben die stark gestiegenen Preise für Erdgas (Erdgas 1.82 -3.75%) Befürchtungen ausgelöst, dass die Preisrally am Gasmarkt auf den Ölmarkt übergreifen könnte.

Asien

Der Ausgang der deutschen Wahlen hat an den Börsen in Asien zu keinen grossen Kursveränderungen geführt. Zudem ist die Angst um den angeschlagenen Immobilienentwickler Evergrande (3333 0.28 +5.81%) weiter nicht ausgestanden.

Der japanische Leitindex Nikkei startete etwas schwächer in die Woche und verlor 0,1%, auch beim breiter gefassten Topix ging es um 0,1% nach unten. In Seoul ging es für den koreanischen Kospi minimal um 0,1% nach oben.

Der Hang-Seng-Leitindex in Hongkong stieg 0,4%, während der Shanghai Composite um 1,3% abrutschte. Deutlich nach unten ging es am Montag in Hongkong für die Aktien des Elektroautobauers Evergrande Auto (-7%), der ähnlich wie der Mutterkonzern Evergrande mit Zahlungsschwierigkeiten zu kämpfen hat, wie am vergangenen Freitag bekannt wurde.

USA

An Wallstreet war die vergangene Handelswoche ruhig zu Ende gegangen. Der Dow Jones war mit einem kleinen Plus von 0,1% bei 34’798 Punkten aus dem Handel gegangen. Der breit gefassten S&P 500 legte 0,2% auf 4456 Zähler zu.

Im Fokus standen Aktien des Sportartikelherstellers Nike (–6,3%), die aufgrund einer Absenkung der Umsatzprognose deutlich verloren. Zudem waren Fabriken in Vietnam aufgrund von Corona-Massnahmen monatelang geschlossen worden. Der Einzelhandelsriesen Costco (+3%) konnte unterdessen die Markterwartungen für das vierte Geschäftsquartal deutlich übertreffen und wurde deswegen an der Börse belohnt.

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