Märkte / Aktien

SMI gibt Gewinne ab – Adecco unter Druck

Die Freude am Schweizer Aktienmarkt währte am Donnerstag nur kurz.

(AWP) Zwar legten die Kurse zunächst kräftig zu. doch schmolzen die Gewinne wieder ab und unter dem Strich stand letztlich ein kleines Minus. Damit folgte die Schweiz der im frühen Handel unter Druck stehenden Wall Street. Grund dafür dürften nicht zuletzt enttäuschende US-Konjunkturdaten gewesen sein. Die Produktivität in der US-Wirtschaft ist im ersten Quartal deutlicher als befürchtet eingebrochen.

Zunächst hatten die Investoren noch mit Erleichterung auf die Beschlüsse der US-Notenbank vom Vorabend reagiert und waren den Vorgaben der US-Aktien nach oben gefolgt. Denn wie erwartet hatte das Fed den Leitzins um 50 Basispunkte angehoben. Entgegen einiger Befürchtungen betonte Fed-Chef Jerome Powell zudem, dass noch grössere Zinsschritte derzeit nicht in Erwägung gezogen würden. Damit habe er die Anleger beruhigen können. Die Marktreaktion zeige allerdings, wie gross die Verunsicherung an den Märkten sei. Zinssorgen seien nur ein Problem. Der Ukraine-Krieg sowie die durch die Coronamassnahmen bedingten Lieferketten-Schwierigkeiten in China gefährdeten die Wirtschaft ebenfalls und machten damit den Märkten zu schaffen. So waren die jüngsten Konjunkturdaten aus China oder Deutschland enttäuschend schwach ausgefallen. Am Freitag steht mit dem offiziellen Arbeitsmarktbericht der US-Regierung bereits das nächste wichtige, die Märkte bewegende Ereignis bevor.

Der SMI (SMI 10'809.57 -0.89%) legte zunächst bis 12’048 Punkte zu, bevor er dann stetig Terrain einbüsste und auf 11’877,27 Punkten um 0,02% tiefer schloss. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, verlor 0,22% auf 1836,30 und der breite SPI (SXGE 13'926.57 -0.85%) 0,06% auf 15’265,84 Zähler. Im SLI standen 13 Gewinnern 17 Verlierer gegenüber.

Den stärksten Abschlag bei den Blue Chips verbuchten die Aktien von Adecco (ADEN 33.74 +1.20%). Der Personaldienstleister hat laut Analysten ein durchwachsenes erstes Quartal hinter sich. Die Dynamik der Konkurrenz sei zum Teil klar besser gewesen, hiess es. Zudem sorgte der überraschende Chefwechsel für Unsicherheit. Denis Machuel löst zum 1. Juli Alain Dehaze als CEO ab.

Dahinter folgten die Titel von Kühne+Nagel, die allerdings ex Dividende gehandelt wurden. Dagegen gaben die Titel der Grossbank Credit Suisse (CSGN 5.73 -0.21%) ohne konkrete Neuigkeiten die jüngsten Gewinne wieder ab. Auch die Luxusgüterwerte Richemont (CFR 104.00 +0.82%) und Swatch büssten wieder Terrain ein.

Der Rückversicherer Swiss Re (SREN 75.30 +0.97%) stand wie Adecco nach Ergebnisvorlage unter Druck. Die Gruppe hat im Startquartal wegen Belastungen zu Naturkatastrophen und zur Corona-Pandemie sowie aufgrund von Rückstellungen zum Ukraine-Krieg einen hohen Verlust erlitten.

Abgaben verzeichneten zudem im Sog der schwachen Nasdaq die Technologiewerte Temenos (TEMN 84.06 -0.76%), VAT und AMS Osram (AMS 9.17 -2.53%). Dabei kam es bei Temenos auch zu Gewinnmitnahmen von Anlegern, die nicht mehr auf die angebliche im Markt kolportierte Übernahmeofferte einer Private Equity-Gesellschaft warten wollten, hiess es.

Bei den Gewinnern waren Werte zu finden, die zuletzt verstärkt Federn gelassen haben. Logitech (LOGN 51.68 -2.16%) und Partners Group (PGHN 891.60 -1.22%) legten zu. Auch Geberit (GEBN 469.60 -0.89%) gehörten zu stark gefallenen Werten. Der Sanitärtechnik-Konzern hatte am Vortag zudem Zahlen vorgelegt, worauf die Analysten mehrheitlich ihre Kursziele nach unten anpassten. Fester waren noch konjunktursensible Werte wie ABB (ABBN 26.04 +0.39%), SGS (SGSN 2'187.00 -1.17%) und Schindler (SCHP 174.35 -0.26%) mit Kursgewinnen von etwa einem halben Prozent.

Keine Marktstütze waren die Pharmaschwergewichte Roche und Novartis (NOVN 81.14 -1.10%). Dagegen konnten Nestlé (NESN 110.64 -1.72%) einen Teil der Verlaufsgewinne retten.

Nach Zahlen gesucht waren in den hinteren Reihen die Aktien von Addex (ADXN 0.1900 -1.25%) und Montana Aerospace (AERO 15.38 +2.95%). Dagegen landeten Landis+Gyr (LAND 52.70 -2.95%) nach Jahreszahlen auf den Verkaufslisten.

Verluste nach der Erholungsrally am Vortag

Die US-Börsen haben am Donnerstag einen Teil ihrer kräftigen Vortagesgewinne wieder abgegeben. Dazu dürften nicht zuletzt die schwachen Konjunkturdaten beigetragen haben, denn die Produktivität in der US-Wirtschaft brach im ersten Quartal deutlicher ein als befürchtet. Dass die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche überraschend stieg, sollte dagegen kaum ins Gewicht fallen, denn im längerfristigen Vergleich bleibt das Niveau der Hilfsanträge weiterhin niedrig.

Der Dow Jones Industrial gab im frühen Handel um 1,35% auf 33 600,48 Punkte nach. Am Mittwoch hatte sich der Wall-Street-Index um fast 3% erholt und war damit an die 50-Tage-Linie zurückgekehrt. Sie gilt als Gradmesser für den mittelfristigen Trend und läuft aktuell seitwärts. Für Erleichterung hatte gesorgt, dass die US-Notenbank (Fed) zwar den Leitzins deutlich hoch gesetzt, zugleich aber der Möglichkeit noch deutlicherer Anhebungen einen Dämpfer versetzt hatte. Zinsschritte von 0,75 Prozentpunkten, die zuvor an den Märkten diskutiert wurden, sind damit unwahrscheinlicher.

Der S&P 500 verlor am Donnerstag 1,72% auf 4226,24 Zähler, der Nasdaq 100 (NDX 12'008.24 -0.81%) büsste 2,72% auf 13 168,19 Punkte ein. Der Auswahlindex der Technologiewerte hatte sich tags zuvor noch deutlicher als der Dow stabilisiert, nachdem er zu Wochenbeginn auf das tiefste Niveau seit mehr als einem Jahr abgesackt war.

Euro schwankt um 1,06 $

Der Euro pendelt am Donnerstag um 1,06 $. Am Mittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,0589 $ und damit wieder etwas weniger als am Vorabend. Im frühen Handel lag der Kurs noch klar über 1,06 $. Im Vergleich zum Mittwochnachmittag liegt der Kurs aber noch immer deutlich höher.

Zum Schweizer Franken notiert der Euro mit 1,0349 Fr. ganz leicht höher. Ein Dollar kostet mit 0,9772 Fr. ebenfalls etwas mehr.

Auftrieb erhielt der Euro zuletzt durch Äusserungen aus den Reihen der US-Notenbank Federal Reserve. Zwar hatte das Fed ihren Leitzins am Vorabend zur Bekämpfung der hohen Inflation deutlich um 0,5 Prozentpunkte angehoben und weitere Erhöhungen in Aussicht gestellt. Fed-Chef Jerome Powell erteilte aber der an den Märkten gehandelten Möglichkeit noch stärkerer Schritte um beispielsweise 0,75 Punkte eine Absage.

Angesichts der niedrigsten Beschäftigungsquote seit fünf Jahrzehnten, des starken Lohnwachstums und der Tatsache, dass auf jeden Arbeitslosen fast zwei offene Stellen kommen, sei das Fed einigermassen zuversichtlich, die Inflation abkühlen zu können, ohne der Wirtschaft zu schaden, so Paolo Zanghieri, leitender Volkswirt beim Vermögensverwalter Generali (Gm 15.73 +0.45%) Investments. Das Fed werde daher den Leitzins rasch auf das neutrale Niveau von 2 bis 3% anheben und dann entscheiden, ob weitere Straffungen vorgenommen werden. Sowohl im Juni als auch im Juli sei mit einer Anhebung um 0,5 Prozentpunkte zu rechnen.

Die Geldpolitik steht auch am Donnerstag weiter im Blick. In Grossbritannien trifft die Bank of England ihre Zinsentscheidung. Es wird erwartet, dass der Leitzins zum vierten Mal in der Corona-Pandemie angehoben wird. Die norwegische Notenbank beliess ihren Leitzins wie erwartet unverändert bei 0,75%.

Die türkische Lira geriet nach jüngsten Preisdaten aus dem Land zum Euro und zum Dollar unter Druck. In der Türkei zieht die Inflation auf sehr hohem Niveau weiter an. Die türkische Notenbank stemmt sich gegen die Entwicklung nicht mit Zinsanhebungen.

Derweil enttäuschten Konjunkturdaten aus Deutschland. Die hiesige Industrie erhielt im März deutlich weniger Aufträge. Zudem fiel der Rückgang der Bestellungen weitaus stärker aus als erwartet. Im Tagesverlauf dürften die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten aus den USA Beachtung finden.

Ölpreise legen vor Opec-Sitzung weiter zu

Die Ölpreise haben vor der Sitzung des Ölverbunds Opec+ ihre deutlichen Aufschläge vom Vortag leicht ausgeweitet. Am Donnerstagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 110,69 $. Das waren 55 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 117.46 +2.28%)) stieg um 35 Cent auf 108,16 $.

Am Vortag hatten die Ölpreise deutlich zugelegt. Auslöser war die Aussicht auf ein EU-Embargo auf russisches Rohöl. Die EU-Kommission schlägt vor, den Bezug russischen Erdöls als Sanktion wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine innerhalb eines halben Jahres auslaufen zu lassen. Die EU-Länder müssen dem Vorschlag aber noch einstimmig zustimmen, was noch nicht sicher ist.

In diesem Umfeld berät die Opec+ über ihre Förderstrategie. Es wird erwartet, dass der von Saudi-Arabien und Russland angeführte Verbund seinen Kurs moderater Produktionssteigerungen fortsetzt. Bislang sind trotz des Ukraine-Kriegs keine grösseren Konflikte innerhalb der Opec+ festzustellen.