Märkte / Aktien

SMI schliesst Woche im Plus ab

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag seine Erholungsbewegung der letzten Tage fortgesetzt und deutlich fester geschlossen.

(AWP/Reuters) Beflügelt wurden die Börsen weltweit von Hoffnungen auf eine weniger restriktive Geldpolitik in den USA. Zudem hatte der hiesige Markt die Gewinne der am Auffahrtstag geöffneten Handelsplätze nachzuholen. Erstmals nach fünf negativen Wochen in Folge schloss der SMI (SMI 10'770.40 +0.27%) auch wieder eine Handelswoche im Plus ab.

Positive Signale machten Marktbeobachter bei der US-Notenbank Fed aus, die in den jüngsten Sitzungsprotokollen «umsichtige Zinserhöhungen» in Aussicht gestellt habe. Für Erleichterung habe auch gesorgt, dass von einem befürchteten «XXL-Zinsschritt» von 75 Basispunkten nicht die Rede war. Positive Impulse kamen auch aus China, wo der Lockdown in Shanghai gelockert werden soll. Da die Weltwirtschaft auf Lieferungen aus dem Reich der Mitte warte, wecke dies Hoffnung auf eine Entspannung in der Lieferkettenproblematik, hiess es.

Der SMI legte am Freitag 1,35% auf 11’647,17 Punkte zu. Für die Gesamtwoche schlägt damit ein Plus von 3,0% zu Buche. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, stieg um 2,04% auf 1816,20 Punkte und der breite SPI (SXGE 13'879.13 +0.32%) gewann 1,61% auf 14’944,55 Zähler. Von den 30 SLI-Werten schlossen 27 im Plus, zwei im Minus und einer unverändert.

Im Fokus standen die sehr festen Richemont (CFR 100.25 -1.38%), die mit dem starken Kursanstieg den heftigen Absturz von Ende letzter Woche nach ihrer Zahlenpublikation teilweise wieder wettmachten. Die Analysten der Royal Bank of Canada (RY 124.64 -1.11%) bezeichneten die negative Reaktion in der Vorwoche auf die Jahreszahlen 2021/22 als überzogen und empfahlen die Titel mit «Outperform» zum Kauf.

Sehr deutliche Gewinne gab es auch für die im bisherigen Jahresverlauf sehr schwachen Titel des Zahnimplantateherstellers Straumann (STMN 115.30 +0.57%) sowie für die Aktien des Hörgerätespezialisten Sonova (SOON 309.60 +1.84%). Die Jefferies-Experten erhöhten ihr Rating für Sonova nach den deutlichen Kursverlusten seit April auf «Buy» von «Hold».

Klare Gewinne verzeichneten auch die Titel des von der Halbleiterindustrie abhängigen Vakuumventil-Herstellers VAT Group (VACN 219.20 -3.69%), die im bisherigen Jahresverlauf ebenfalls zu den schwächsten SLI-Titeln gehören. Auch die weiteren hiesigen «Technologietitel» AMS-Osram und Logitech (LOGN 49.58 -0.58%) gingen deutlich im Plus aus dem Handel.

Zulegen konnten zudem typische Zykliker wie die Aktien des Bauchemiekonzerns Sika (SIKA 220.60 +0.27%) oder des Personalvermittlers Adecco (ADEN 32.69 +0.77%). Auch die Titel der Richemont-Konkurrentin Swatch Group (UHR 225.90 -0.26%) schlossen klar fester.

Bei den Bankentiteln machten die gebeutelten Credit Suisse (CSGN 5.42 +0.07%) Boden gut, während UBS (UBSG 15.29 -0.65%) mit dem Markt zulegten. Auch die im laufenden Jahr sehr schwachen Partners Group (PGHN 860.40 +0.02%) gehörten zu den Gewinnern ebenso wie die Aktien der Privatbank Julius Bär (BAER 43.65 -0.89%). Weniger gesucht waren Versicherungstitel wie Swiss Life (SLHN 463.90 -0.24%) und Zurich Insurance (ZURN 419.90 +1.13%).

Bei den defensiven Titeln gingen Nestlé (NESN 112.76 +1.18%) nach einem schwachen Start klar im Plus aus dem Handel. Dagegen bremsten die schwachen Pharma-Schwergewichte Novartis (NOVN 80.33 -0.64%) und Roche GS den Anstieg der Indizes etwas ab. Roche konnten damit auch nicht von einer Reihe positiver Neuigkeiten im Medikamenten- wie auch im Diagnostikbereich profitieren.

Im breiten Markt schlossen Rieter (RIEN 107.20 -2.19%) nach klaren Auftaktverlusten den Tag knapp im Plus ab. Der Spinnereimaschinenhersteller kündigte für das erste Halbjahr wegen der globalen Lieferengpässe und Coronamassnahmen in China rote Zahlen an, dies trotz guter Auftragslage. Baader Helvea stufte die Rieter-Aktie in der Folge auf «Reduce» von zuvor «Add» herunter.

Abgaben mussten auch Addex hinnehmen, nachdem das Biotechunternehmen einen Fehlschlag in einer Studie bekanntgeben musste. Die «Pennystocks» der Biotechfirma Relief sackten gar um fast einen Drittel ab, nachdem eine US-Behörde die Einstellungen der Tests um den Corona-Hoffnungsträger «Aviptadil» empfohlen haben.

US-Börsen bleiben auf Erholungskurs

Die US-Börsen haben am Freitag an ihre jüngste Erholung angeknüpft. Nach dem Kursrutsch von Anfang April bis Mitte Mai hätten Schnäppchenjäger erneut zugegriffen und die vermeintlich günstigen Kurse zum Einstieg genutzt, sagten Börsianer.

Der Dow Jones Industrial stieg im frühen Handel um 0,77% auf 32’889,53 Punkte. Vor einer Woche war der Leitindex noch auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr gefallen. Nun deutet sich auf Wochensicht ein Plus von gut 5% an.

Der marktbreite S&P 500 gewann am Freitag 1,43% auf 4116,05 Zähler. Der technologielastige Nasdaq 100 (NDX 11'503.72 -1.33%) stieg um 1,98% auf 12’519,26 Punkte.

Jüngste Konjunkturdaten lieferten derweil kein einheitliches Bild. So stiegen zwar die Ausgaben der US-Verbraucher auch im April deutlich. Die Stimmung der Konsumenten aber trübte sich im Mai stärker als erwartet ein.

Aufwärtstrend auch in Asien

An den grossen Aktienmärkten in Fernost ist es am Freitag aufwärts gegangen. Besonders stark legten die Kurse in Hongkong zu. «Die asiatischen Aktienmärkte schliessen sich der Rally an», schrieb Analyst Jim Reid von der Deutschen Bank mit Blick auf vorangegangene kräftige Kursgewinne an der Wall Street.

Der Hang Seng (HSI 21'859.79 -0.62%) als Leitindex der Sonderverwaltungszone Hongkong stieg um 2% auf 20’525 Punkte. Hier zogen laut Reid starke Geschäftszahlen des Online-Händlers Alibaba (BABA 116.00 +2.04%) die Kurse der Tech-Unternehmen mit nach oben. Die auch an der New Yorker Börse notierten Papiere waren am Vortag um fast 15% nach oben geschnellt, in Hongkong belief sich der Gewinn zuletzt auf 11%. Die Lockdowns in China hätten die Verbraucher wieder ins Online-Shopping getrieben, merkten Analysten an. Mit JD.com legten die Papiere eines weiteren Internet-Händlers um 4,4% zu.

Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen des chinesischen Festlands konnte dem Hang Seng nicht folgen und trat mit 3991 Zählern praktisch auf der Stelle. Deutsche-Bank-Analyst Jim Reid verwies darauf, dass die Gewinne chinesischer Industrieunternehmen im April auf Jahressicht um 8,5% gesunken seien. Das sei der stärkste Rückgang seit zwei Jahren. Noch im März sei diese Kennziffer um 12,2% gestiegen.

In Japan schloss der Nikkei 225 (N225 25'935.62 -1.73%) 0,66% höher auf 26’781,68 Punkte. Noch höhere Gewinne meldeten am letzten Handelstag der Woche die Börsen in Taiwan, Südkorea und Australien.

Euro legt etwas zu

Der Euro hat am Freitag erneut etwas zugelegt. Im Laufe des Nachmittags stieg der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung bis auf 1,0755 $. Am Mittag war er noch kurzzeitig unter 1,07 $ gefallen. Derzeit steht das Währungspaar bei 1,0728.

Zum Franken notiert der Euro aktuell leicht tiefer bei 1,0260 nach 1,0268 Fr. im Mittagsgeschäft. Am Morgen kostete der Euro zeitweise noch mehr als 1,03 Fr. Der Greenback ging am Nachmittag zur Schweizer Währung etwas zurück und kostet aktuell 0,9564 nach 0,9589 Fr. am Mittag.

Erneut wurde der Euro durch die erwartete Zinswende in der Eurozone gestützt. Angesichts der hohen Inflation stellte Bundesbankpräsident Joachim Nagel gleich mehrere Leitzinserhöhungen durch die EZB in diesem Jahr in Aussicht. «In unserer Juni-Sitzung müssen wir ein deutliches Signal geben, wohin die Reise geht», sagte Nagel im Gespräch mit dem «Spiegel». «Aus meiner heutigen Sicht müssen wir dann im Juli einen ersten Zinsschritt machen und weitere in der zweiten Jahreshälfte folgen lassen.» Für die deutsche Wirtschaft ist Nagel trotz der zahlreichen Krisenherde verhalten optimistisch.

Der Euro hat so im Wochenverlauf merklich zugelegt. Am Montag hatte er noch rund zwei Cent niedriger notiert. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte zu Beginn der Woche Signale für eine Zinswende im Juli geliefert. Darüber hinaus hatten einige EZB-Vertreter im Verlauf der Woche auch einen grösseren Zinsschritt um 0,50 Prozentpunkte nicht ausgeschlossen. An den Märkten wird jedoch weiter eine Anhebung um 0,25 Punkte erwartet.

Der US-Dollar war zuletzt aber auch durch schwache Konjunkturdaten belastet worden. So ist das von der Universität von Michigan erhobene Verbrauchervertrauen im Mai auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2011 gefallen. Der Rückgang war noch stärker als erwartet. Die Stimmung der Verbraucher leidet vor allem unter der hohen Inflation.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84875 (0,85073) britische Pfund und 136,05 (135,95) japanische Yen fest.

Ölpreise uneinheitlich

Die Ölpreise haben sich am Freitag uneinheitlich entwickelt. Die Kursausschläge hielten sich in engen Grenzen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 117,47 $ Das waren 7 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 117.46 +2.28%)) fiel hingegen um 35 Cent auf 113,72 $.

Mit einer erneuten Aufwärtsbewegung stieg der Preis für Brent-Öl zeitweise bis auf 118,73 $ und damit auf den höchsten Stand seit etwa zwei Monaten. Kurz vor dem Wochenende wurden die Ölpreise durch einen schwächeren Dollar nach enttäuschenden Konjunkturdaten aus den USA gestützt. Der Dollar stand zu fast allen wichtigen Währungen unter Druck. Eine Kursschwäche der amerikanischen Währung macht das in Dollar gehandelte Rohöl auf dem Weltmarkt günstiger, was für eine stärkere Nachfrage sorgen kann.

Seit Montag hat der Preis für Rohöl aus der Nordsee und US-Öl jeweils um mehr als 4% zugelegt. Marktbeobachter verwiesen auf die Entwicklung der Treibstoffreserven in den USA. Im Verlauf der Woche war bekannt geworden, dass die US-Benzinreserven einen mehrjährigen Tiefstand erreicht haben.

«Die US-Raffinerien haben zwar in der letzten Woche deutlich mehr Rohöl zu Ölprodukten verarbeitet als erwartet», sagte Rohstoffexperte Daniel Briesemann von der Commerzbank (CBK 6.38 -4.58%). Dies habe aber den weiteren Abbau der Benzinvorräte nicht verhindern können. «Die Amerikaner sehen sich zwar rekordhohen Tankstellenpreisen gegenüber, dies hält sie aber offenbar im Moment nicht vom Fahren ab», sagte der Commerzbank-Experte.

 

Leser-Kommentare