Märkte / Aktien

SMI wieder in Verlustzone

Die UBS zog den Schweizer Aktienmarkt am Dienstag wie ein Klotz am Bein ins Minus – der Euro rutscht erstmals unter 98 Rappen.

(AWP/Reuters) Nach dem freundlichen Wochenbeginn hat der Schweizer Aktienmarkt am Dienstag wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Allen voran die Grossbank UBS (UBSG 15.86 +1.96%) zog den Gesamtmarkt SMI (SMI 11'198.32 +0.68%) mit ihrem enttäuschenden Quartalsergebnis in die Tiefe. Dies konnten auch die drei Schwergewichte des SMI nicht verhindern, die allesamt im Plus schlossen. Neben den Unternehmensergebnissen dämpften auch die Engpässe bei der Gasversorgung und der bevorstehende Zinsentscheid der US-Notenbank die Kauflaune der Anleger.

Die US-Notenbank Fed wird ihren Kampf gegen die hohe Inflation an diesem Mittwoch aller Voraussicht nach fortsetzen. Nach einer kräftigen Zinsanhebung im Juni wird mit einer abermaligen Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte gerechnet. Es könnten aber auch mehr sein. Die Notenbanker dürften zeigen, dass sie die hohe Inflation energisch bekämpfen und sich auch von einer Abschwächung der Wirtschaft davon nicht abhalten liessen, sagte ein Händler. Dies heize die Konjunktursorgen weiter an, heisst es am Markt. Diese seien noch gestiegen, weil Russland die Gaslieferungen nach Europa ab Mittwoch weiter drosseln will.

Der SMI schloss um 0,24% tiefer bei 11’102,31 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, gab gar um 0,58% auf 1696,21 Punkte nach, während der breite SPI (SXGE 14'516.40 +0.70%) mit einem leichten Minus von 0,10% auf 14’358,91 Punkten aus dem Handel ging. Im SLI standen zum Schluss 18 Verlierer 12 Gewinnern gegenüber.

«Das ist das Charakteristikum von Bärenmärkten. Sie werden unterbrochen durch Tage, an dem die Kurse deutlich steigen. Danach aber kommt nichts nach und es geht wieder gemächlich, aber sicher abwärts», kommentierte ein Marktteilnehmer. Für getrübte Stimmung bei den Investoren sorgte die UBS, die ein enttäuschendes Quartalsergebnis vorlegte. Dies führte zu einer Verkaufswelle, die den Kurs um 9,4% abstürzen liess. Das ist der grösste Einbruch der UBS-Aktie in diesem Jahr und übertrifft sogar noch den Taucher vom 24. Februar, als Russland den Krieg in der Ukraine begann.

Die Grossbank hat im zweiten Quartal den Gewinn gegenüber dem Vorjahr nur dank dem Verkauf eines Gemeinschaftsunternehmens auf 2,1 Mrd. $ gesteigert. Die verwalteten Vermögen sind als Folge der Talfahrt an den Finanzmärkten aber deutlich geschrumpft. Die Ergebnisse des Branchenprimus rissen auch die Titel der Konkurrentin Credit Suisse (CSGN 5.38 +2.44%) nach unten, die am (morgigen) Mittwoch ihre Ergebnisse vorlegt.

An zweiter Stelle der Verlierer standen die konjunktursensitiven Adecco (ADEN 32.34 +0.28%), gefolgt von den Technologietiteln AMS und Temenos (TEMN 78.18 -0.46%). Sika (SIKA 242.20 +1.04%) bekamen die Kurszielsenkungen von zwei Banken zu spüren.

Auf der anderen Seite standen Julius Bär (BAER 50.36 +0.24%) an der Spitze der Gewinner. Drei Banken erhöhten die Kursziele für den Titel, während eine sie senkte. An zweiter Stelle fanden sich zu Handelsschluss Logitech (LOGN 55.58 +0.25%) ein, die ebenfalls mit einem enttäuschenden Ergebnis aufgewartet hatten. Am Morgen waren die Aktien des Computerzubehörhersteller um beinahe 7% abgesackt.

Stützen des SMI waren die drei Schwergewichte Roche GS (ROG 316.30 -0.13%) und Novartis (NOVN 82.23 +0.22%). Nestlé (NESN 116.40 +0.78%) legte um 0,3% zu, nachdem Konkurrent Unilever (ULVRl 40.14 +1.07%) gute Ergebnisse vorgelegt hatte. Der Nestlé-Rivale hat die gestiegenen Preise auf seine Kunden überwälzen können. Nestlé veröffentlicht die Halbjahreszahlen am Donnerstag.

Im breiten Markt schossen Lindt PS um 7,0% nach oben. Der Edelschokoladenhersteller setzt nach glänzenden Halbjahreszahlen die Wachstumsziele höher. SIG kletterten nach der Vorlage von Ergebnissen ebenfalls kräftig um 5,4%.

US-Börsen: Aussicht auf nächsten grossen Zinsschritt belastet

Einen Tag vor der voraussichtlich nächsten kräftigen Zinserhöhung in den USA halten sich die Anleger zurück. Der Leitindex Dow Jones Industrial gab am Dienstag im frühen Handel um 0,34% auf 31’882,08 Punkte nach. Am Freitag war er noch auf den höchsten Stand seit sechs Wochen geklettert. Auch schwache Quartalsberichte von Schwergewichten wie Walmart (WMT 128.01 +1.13%) , UPS (UPS 198.20 +0.73%) und General Motors (GM 37.46 +3.88%) drückten auf die Stimmung.

Die Zinsentscheidung der US-Notenbank am Mittwoch wird mit Spannung erwartet. Dann wird die Federal Reserve Bank den Leitzins voraussichtlich um 0,75 Prozentpunkte anheben. Angesichts der sehr hohen Inflation womöglich sogar um einen ganzen Punkt, wie einige Börsianer spekulieren. Dies wurde jedoch zuletzt von mehreren Notenbankern eher ablehnend kommentiert.

Der marktbreite S&P 500 verlor am Dienstag zuletzt 0,63% auf 3941,77 Zähler. Der technologielastige Nasdaq 100 (NDX 13'207.69 -0.78%) büsste mit 0,96% auf 12’210,53 Punkte noch mehr Boden ein.

Eine überraschende Gewinnwarnung von Walmart belastete den gesamten Handelssektor. Die US-Verbraucher schnallen angesichts der hohen Inflation beim Konsum den Gürtel enger. Die Aktien von Walmart büssten 8,8% ein und waren abgeschlagenes Schlusslicht im Leitindex Dow. Auch die Papiere von Home Depot (HD 314.10 +1.42%) , Target und der Discounterkette Ross Stores gerieten unter Druck.

Der Mischkonzern 3M (MMM 149.69 +1.55%) will sich von seine milliardenschweren Gesundheitssparte trennen. Das verhalf dem Aktienkurs an der Spitze des Dow zu einem Plus von 4,2%.

Papiere von UPS sackten um 4% ab. Die Auslieferungen von Paketen sind im zweiten Quartal stärker zurückgegangen als erwartet, in den USA um 4% und international gar um 13%.

Anteilscheine von McDonald’s lagen mit 1,3% im Plus. Hier scheine die Nachfrage der Kunden trotz teils steigender Preise im zweiten Quartal nicht zurückgegangen zu sein, sagten Börsianer.

General Motors litt auch im zweiten Quartal unter der fortgesetzten Knappheit an Halbleitern. Auch mit Blick nach vorn äusserte sich der Konzern vorsichtig. Die Aktien fielen um 3%.

General Electric gewannen dagegen 5,3%. Der Konzern profitierte im zweiten Quartal in der Triebwerkssparte von einer starken Nachfrage von Fluggesellschaften.

Die Papiere von Shopify (SHOP 41.45 +1.57%) brachen um 16% ein. Einem Medienbericht zufolge dürfte der Entwickler von Software für den Online-Handel jeden zehnten Mitarbeiter entlassen. Der Bericht erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen die Jahresziele kappe, merkte Analyst Paul Treiber von der Bank RBC an.

Euro erstmals unter 98 Rappen

Die unsichere Versorgungslage mit Erdgas (NG - -) hat den Euro am Dienstag stark belastet. Die Gemeinschaftswährung fiel im Handelsverlauf auf ein Tagestief bei 1,0116 $ und notierte am Nachmittag zuletzt bei 1,0137 $.

Auch das Währungspaar USD/CHF (USD/CHF 0.9533 -0.86%) hat sich im Tagesverlauf bewegt und notiert bei 0,9621 nach 0,9641 Fr. im frühen Geschäft. Der Euro kostet derweil 0,9754 Fr. nach 0,9860 am Morgen – und ist somit erstmals klar unter die 0,98er-Marke gefallen. Das Allzeittief der Gemeinschaftswährung wurde bei 0,97415 Fr. erreicht.

Vor allem die weiterhin ungewisse Versorgungslage mit Erdgas verunsichert die Märkte und belastet den Euro. Russland hatte am Montag eine Halbierung seiner bereits reduzierten Gaslieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 angekündigt. Die Erdgaspreise legten auch am Dienstag deutlich zu. Die Eurozone ist stark von russischem Erdgas abhängig. Ein Ausbleiben der Lieferungen würde die Wirtschaft in ganz Europa stark belasten.

Die EU-Staaten haben unterdessen einen Notfallplan zu Gaskonsum-Drosselung auf den Weg gebracht. Der Plan soll vor allem die Risiken reduzieren, die sich aus einer vollständigen Unterbrechung russischer Gaslieferungen ergeben könnten.

Zunehmend in den Fokus gerät derweil die zweitägige Zinssitzung der US-Notenbank. Ergebnisse will die Fed am Mittwochabend bekannt geben. Es wird mit einer erneut deutlichen Zinsanhebung um 0,75 Prozentpunkte gerechnet. Eine Anhebung im selben Ausmass hatte die Notenbank bereits nach ihrer jüngsten Sitzung Mitte Juni vorgenommen.

Notenbank-Chef Jerome Powell stehe derweil am Mittwoch auch eine schwierige Pressekonferenz im Anschluss an den Zinsentscheid bevor, schrieb David Page, Volkswirt beim Vermögensverwalter Axa (CSp 23.96 +2.05%) Investment Managers. Einerseits werde Powell signalisieren müssen, dass sich die Fed weiterhin für die Wiederherstellung der Preisstabilität einsetze. Andererseits werde der Notenbank-Chef darauf achten müssen, dass er die finanziellen Bedingungen nicht weiter verschärfe, was die Wirtschaft in eine Rezession stürzen könnte. «Die richtige Balance zu finden wird ebenso schwierig sein wie der Versuch der Fed, eine sanfte Landung zu erreichen», resümierte Page.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84558 (0,84813) britische Pfund und 138,35 (139,84) japanische Yen fest.

Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1716 $ gehandelt. Das waren 4 $ weniger als am Montag.

Ölpreise legen etwas zu

Die Ölpreise haben am Dienstag erneut zugelegt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 105,73 $. Das waren 45 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 88.64 +0.62%)) stieg um 12 Cent auf 96,52 $. Zwischenzeitliche deutlichere Gewinne gaben die Ölpreise im Verlauf teilweise ab.

Ein Grund für den erneuten Ölpreisanstieg ist die Verunsicherung wegen der Ankündigung Russlands, die Erdgaslieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 von Mittwoch an erneut zu reduzieren. Der europäische Erdgaspreis erreichte erstmals seit Anfang März 200 € je Megawattstunde. Das waren rund 13% mehr als am Vortag. Erdgas kann zum Teil durch Erdöl ersetzt werden, weshalb die Verunsicherung auch auf den Ölmarkt übergriff. Europa ist besonders stark von russischen Gaslieferungen abhängig.

Die Rohölpreise befinden sich schon seit längerem auf hohem Niveau. Hauptgrund ist der Krieg Russlands gegen die Ukraine, der die Ölpreise stark angetrieben hat. Aktuell liegen die Preise etwa 35% höher als zu Jahresbeginn. Russland ist einer der grössten Erdölproduzenten der Welt.

 

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