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SMI schliesst über 11’100

Der Schweizer Aktienmarkt schliesst zur Wochenmitte fester. Nach dem starken Kursrückgang vom Vortag ist es zu einer technischen Erholung gekommen.

 

(Reuters/AWP) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Mittwoch eine deutliche Erholung von den Verlusten des Vortags gezeigt. Der Leitindex SMI (SMI 11'033.90 +0.41%) schloss wieder über 11’100 Punkten, nachdem er am Dienstag unter die Marke von 11’000 gesunken war. Inflationsängste, die am Dienstag die Märkte belastet hatten, hätten sich wieder gelegt, hiess es im Handel.

Am Vortag hatten Äusserungen der US-Finanzministerin und ehemaligen Notenbankchefin Janet Yellen zur US-Inflation und möglichen Zinserhöhungen die Märkte verunsichert. Allerdings relativierte sie in der Folge ihre Äusserungen. Am Mittwochnachmittag fielen aber die Daten des Arbeitsmarktdienstleister ADP schwächer aus als erwartet. Diese gelten als Hinweis auf die am Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktdaten für den April.

Der Leitindex SMI schloss um 1,26% im Plus auf 11’108,88 Punkten. Der SLI, der die 30 wichtigsten Aktien umfasst, stieg um 1,48% auf 1806,53 Punkte und der breite SPI (SXGE 14'142.12 +0.26%) gewann 1,27% auf 14’266,24 Zähler. Von den 30 SLI-Titeln schlossen 29 im Plus, lediglich Alcon (ALC 60.92 -1.26%) schlossen im Minus.

Der Augenheilmittelspezialist Alcon (Aktien -5,8%) hatte mit seinen am Vorabend veröffentlichten Quartalszahlen die Erwartungen am Markt enttäuscht. Nach starken Zahlen der Konkurrenz habe man mehr erwartet, hiess es bei Analysten. Auch der Ausblick des Alcon-Managements wurde als sehr «vorsichtig» eingeschätzt.

Einen Höhenflug verzeichneten dagegen die volatilen Titel des Chipherstellers AMS (+9,1%), nachdem diese bereits am Vortag nach guten Quartalszahlen im Plus geschlossen haben. Die Analysten der Bank of America (BAC 41.56 -0.02%) setzten nun ihr Rating auf «Buy» von «Neutral» herauf. Trotz des starken Anstiegs bleiben die AMS-Aktien aber auf Jahressicht weiterhin im Minus.

Klar im Plus schlossen aber auch typische Zykliker wie ABB (ABBN 29.92 -0.23%) (+3,8%), Clariant (CLN 19.48 +1.19%) (+3,6%) oder Geberit (GEBN 614.20 +0.66%) (+3,5%). Nach den am Vortag vorgelegten Quartalszahlen des Sanitärtechnikunternehmens passten mehrere Analysten ihre Kursziele nach oben an. Die Titel des Zahnimplantate-Herstellers Straumann (STMN 1'328.50 +0.19%) (+3,4%) erhielten derweil Unterstützung durch eine Kurszielerhöhung der Berenberg-Experten.

Bei den Bankentiteln verzeichneten UBS (UBSG 13.80 +1.28%) (+2,6%) deutliche Gewinne ebenso wie die Aktien des Vermögensverwalters Julius Bär (BAER 57.28 +1.92%) (+1,7%). Gesucht waren auch die Aktien des Asset Managers Partners Group (PGHN 1'286.50 -1.87%) (+2,1%). Die gebeutelten Credit Suisse-Titel (+0,9%), die am Vortag nach dem Dividendenabgang klar nachgegeben hatten, konnten sich gegen Ende des Handelstags noch ins Plus retten.

Freundlich schlossen auch die Versicherungswerte Zurich und Swiss Life (SLHN 455.70 +1.04%) (beide +1,2%) sowie Swiss Re (SREN 87.16 +0.76%) (+1,5%). Die CS-Analysten erhöhten das Swiss Re-Kursziel, nachdem die Quartalszahlen des Rückversicherers ein «Schritt in die richtige Richtung» gewesen seien, wie es im Kommentar hiess.

Kursgewinne gab es auch für die defensiven Pharma-Schwergewichte Roche (ROG 301.05 +0.77%) (+0,9%) und Novartis (NOVN 80.05 +1.43%) (+1,1%). Roche konnte am Morgen eine EU-Zulassung für sein Medikament Tecentriq als Lungenkrebs-Therapie vermelden. Die Titel des Nahrungsmittelriesen Nestlé (NESN 108.42 +0.17%) (+0,7%) schlossen verhältnismässig moderat im Plus.

Weniger stark waren die Avancen auch bei den defensiven Swisscom (SCMN 501.80 +1.21%) (+0,5%) sowie den Adecco-Titeln (+0,6%). Die Aktien des Personaldienstleisters konnten sich damit nicht richtig von dem starken Taucher erholen, den sie am Dienstag nach Vorlage der Quartalszahlen erlitten hatten.

Am breiten Markt legten Swiss Steel (+10,5%) deutlich zu. Der Spezialstahlhersteller vermeldete für das erste Quartal wieder schwarze Zahlen, dies dank einer anhaltenden Nachfrage in der Automobilindustrie und einer Erholung im Maschinen- und Anlagenbau.

Mit Gewinnen schlossen auch die Aktien von Landis+Gyr (+2,9%) nach Vorlage des Jahresergebnisses 2020/21. Positiv überraschen konnte das im Bereich Energiemanagement-Lösungen tätige Unternehmen mit dem operativen Gewinn. Dagegen bezeichneten die Analysten den Ausblick als eher gemischt. Negativ aufgenommen wurden die Quartalsangaben des Biotechunternehmens Addex (ADXN 1.45 -2.03%) (Aktien -0,7%).

Eine Übersicht über die Gewinner und die Verlierer finden Sie hier.

Wall Street auf Erholungskurs – Jobdaten helfen

Ermutigende Arbeitsmarktzahlen locken Anleger an die Wall Street zurück. Die Leitindizes Dow Jones (Dow Jones 33'800.41 -1.37%), Nasdaq und S&P 500 (S&P 500 4'118.30 -0.67%) stiegen am Mittwoch um bis zu 0,8%, nachdem sie am Dienstag um bis zu 2% abgerutscht waren.

Die Aussicht auf eine kraftvolle Erholung der Wirtschaft von den Coronavirus-Folgen helle die Stimmung auf, sagte Analystin Fiona Cincotta vom Brokerhaus City Index. «Investoren realisieren, dass der Ausverkauf von gestern wohl etwas überzogen war.» Auslöser dieses Kursrutsches waren Aussagen von US-Finanzministerin Janet Yellen. «Es könnte sein, dass die Zinsen etwas ansteigen müssen, um sicher zu stellen, dass unsere Wirtschaft nicht überhitzt», hatte Yellen erklärt. Später betonte sie, dass dies weder etwas sei, das sie erwarte oder empfehle. Eine Zinserhöhung liege noch in weiter Ferne, sagte Analystin Cincotta weiter. Schliesslich betone dies US-Notenbankchef Jerome Powell unermüdlich.

Frischen Rückenwind erhielt der Konjunkturoptimismus von den US-Beschäftigtenzahlen. Der Arbeitsagentur ADP zufolge schuf die Privatwirtschaft im April 742’000 neue Stellen. Von Reuters befragte Experten hatten zwar mit 800’000 gerechnet. Allerdings wurde der ADP-Umfragewert für das Stellenplus im März nun deutlich auf 565’000 nach oben revidiert.

Zu den Favoriten am US-Aktienmarkt zählte Lyft (LYFT 47.11 -3.5%) mit einem Kursplus von 2,5%. Der Fahrdienst-Vermittler machte zum Jahresauftakt deutlich weniger Verlust als befürchtet. Der Ausblick für das laufende Quartal liege ebenfalls über den Markterwartungen, kommentierte Analyst John Blackledge vom Vermögensverwalter Cowen. Die Papiere des Lyft-Rivalen Uber (UBER 43.95 -4.9%), der seine Bücher nach Börsenschluss öffnen will, gewannen 2%.

Ölpreise legen erneut zu

Die Ölpreise haben am Mittwoch erneut zugelegt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 69.28 +0.76%) 69,60 $. Das waren 72 Cent mehr als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI (WTI 66.32 +1.52%)) stieg um 61 Cent auf 66,30 $.

Die Ölpreise rangieren derzeit auf dem höchsten Niveau seit Mitte März. «Der teilweise Wegfall von Mobilitätseinschränkungen, die Erwartung einer baldigen Rückkehr des Tourismus und die Anziehungskraft der psychologisch wichtigen Marke von 70 $ dürften zum Preisanstieg beigetragen haben», begründete Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg die Entwicklung. Zuletzt macht nach den USA auch die Impfkampagne in Europa grosse Fortschritte.

In den USA sind zudem die Lagerbestände an Rohöl in der vergangenen Woche überraschend deutlich gefallen. Die Vorräte sanken auf Wochensicht laut US-Energieministerium um 8,0 Mio. Barrel auf 485,1 Mio. Barrel. Analysten hatten mit nur einem Rückgang um 2,0 Mio. Barrel gerechnet./jsl/he

Bitcoin fällt auf Niveau der Vorwoche zurück

Der Kurs des Bitcoin (Bitcoin 53'878.00 -4.96%) hat im Verlauf der letzten Woche die zeitweisen Gewinne wieder abgegeben. Die Kryptowährung geriet ins Fahrwasser einer Verkaufswelle an den globalen Finanzmärkten. Derweil verbuchen andere Blockchain-Währungen wie Ether weiterhin enorme Zugewinne.

Am Mittwochvormittag notiert der Kurs der «Krypto-Leitwährung» auf der Plattform Bitstamp bei rund 54’500 $ und damit in etwa auf dem Stand der Vorwoche. Die Marktkapitalisierung aller Bitcoins bleibt mit rund 1014 Mrd. $ vergleichsweise stabil. Der Anteil am Gesamtmarkt ist derweil mit noch knapp 44%, nach noch 50% vor sieben Tagen erneut stark zurückgefallen.

Die immer geringere Dominanz des Bitcoin über den Gesamtmarkt zeigt laut Marktbeobachtern die seit Wochen anhaltende Rotation in weitere Kryptowährungen deutlich auf. Dabei dürften die bis anhin gemachten Gewinne jeweils bei Verkaufswellen zum Erwerb von weiteren Kryptowährungen genutzt worden sein.

Ether wieder mit neuem Allzeithoch

Gerade die zweitgrösste Kryptowährung Ether profitiere als Einstiegswährung in den DeFi-Markt von enormen Interesse der Anleger, heisst es aus Händlerkreisen. Auch technische Neuerungen zur Skalierbarkeit liessen die Fantasie der Investoren nicht unberührt. Wie rege das Ethereum-Netzwerk mittlerweile genutzt wird zeigen auch die zu bezahlenden Transaktionsgebühren (Gas fees), denen durch die erwähnten Updates entgegengewirkt werden soll.

«Einer der Hauptvorteile von DeFi auf Ethereum ist, dass finanzielle Aktivitäten transparent sind und in Echtzeit abgewickelt werden» heisst es in einem Kommentar von Daniel Kukan, Händler beim Schweizer Finanzdienstleister Crypto Broker. Die Nutzer von DeFi-Anwendungen würden aber nur etwa erst 1% der gesamten Ethereum-Adressen ausmachen. Das Wachstum sei zwar vorteilhaft für das gesamte Krypto-Ökosystem, bringe aber auch Herausforderungen für das Netzwerk wie die mittlerweile sehr hohen Gebühren mit sich, so Kukan weiter.

Derweil scheint das Interesse trotz hohen Gebühren kaum abzuflachen. Die nach Marktkapitalisierung zweitgrösste Blockchain-Währungen markierte am Dienstag bei knapp 3520 $ ein neues Allzeithoch. Aktuelle notiert Ethereum bei knapp 3300 $ und hat damit den Wert im Verlauf der letzten Woche um rund ein Viertel gesteigert.

Erneut hohe Zugewinne fährt derweil auch der «Meme-Token» Dogecoin ein. Mit einem Plus von über 150% innerhalb der letzten Woche scheint die mittlerweile viertgrösste Kryptowährung momentan keine Grenze nach oben zu kennen.

Dogecoin steigt um 40% auf Rekordhoch

Anleger reissen sich wieder um die wenig bekannte Kryptowährung Dogecoin. Sie stieg am Mittwoch um gut 40% auf ein Rekordhoch von 0,68 $. Damit summiert sich das Plus seit Jahresbeginn auf mehr als 14’000%. Die bekannteren Cyber-Devisen Bitcoin und Ethereum kommen «nur» auf 92 beziehungsweise 357%.

«Die Bewertung von Kryptowährungen ist ohnehin losgelöst von der Realität», sagte Joseph Edwards, Chef Analyst des Brokers Enigma. «Dogecoin wird als das gesehen, was es schon immer war: Eine Geldanlage mit überraschendem Beharrungsvermögen, das Gelegenheit bietet, von Kursschwankungen zu profitieren.»

Das Handelsvolumen in Dogecoin sei «verrückt», sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Es sei schon unglaublich, dass diese als Parodie auf Bitcoin gestartete Kryptowährung die Marke von 50 Cent übersprungen und mit einer Marktkapitalisierung von rund 86 Mrd. $ zur weltweit viertgrössten Cyber-Devise avanciert sei. Im aktuellen Hype könne sie sogar die Marke von 1$ knacken. Allerdings seien sich viele Anleger über die Risiken bei dieser hoch spekulativen Anlage nicht bewusst.

Dogecoin ist von der Kryptowährung Litecoin abgeleitet. Anders als dort ist die Zahl der digitalen Münzen, die durch «Mining» generiert werden können, nicht begrenzt. Dabei stellen Nutzer Rechenkapazität für die Verschlüsselung von Transaktionen zur Verfügung und werden in der entsprechenden Kryptowährung entlohnt. Da die Verschlüsselung von Dogecoin einfacher ist, können Transaktionen schneller abgewickelt werden als bei Bitcoin oder Litecoin. In den vergangenen Monaten hatte Tesla-Chef Elon Musk den Dogecoin-Kurs mehrfach mit Tweets in die Höhe getrieben oder auf Talfahrt geschickt.

Euro fällt zeitweise unter 1,20 $

Der Euro ist am Mittwoch vorübergehend unter 1,20 $ gefallen. Bis zum Nachmittag erholte sich die Gemeinschaftswährung etwas und wurde mit 1,2004 $ gehandelt. Sie notierte damit etwas tiefer als am Morgen.

Zum Franken gab der Euro am Nachmittag etwas nach. Er wurde zuletzt für 1,0961 Fr. gehandelt nach 1,0983 Fr. kurz nach Mittag. Auch die US-Währung notierte zum Franken mit 0,9131 Fr. etwas schwächer als wenige Stunden zuvor (0,9139 Fr).

Der Dollar profitierte gegenüber dem Euro zuletzt von wachsenden Inflationssorgen in den USA und Spekulationen, dass die US-Notenbank Fed darauf reagieren könnte. Bisher hatte sie noch keine Signale gegeben und grössere Inflationsrisiken bestritten. Für Verwirrung an den Märkten sorgten am Dienstag Äusserungen von US-Finanzministerin Janet Yellen. Es könne sein, dass die Zinsen etwas steigen müssten, um sicherzustellen, dass die Wirtschaft nicht überhitze, hatte sie gesagt. Später betonte sie jedoch, dass sie höhere Zinsen nicht prognostiziere oder empfehle.

Die am Mittwochnachmittag veröffentlichten Wirtschaftsdaten aus den USA waren zwar eher enttäuschend ausgefallenen, belasteten den Dollar aber kaum. So hatte sich die Stimmung im Dienstleistungssektor im April überraschend etwas eingetrübt. Der Einkaufsmanagerindex des Instituts ISM befindet sich aber immer noch in der Nähe seines Rekordstandes und signalisiert ein robustes Wachstum. Daten vom Arbeitsmarkt verbesserten sich im März deutlich. Sie blieben aber etwas hinter den Erwartungen zurück.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,86274 (0,86770) britische Pfund, 131,20 (131,26) japanische Yen und 1,0965 (1,0980) Fr. fest.