Märkte / Aktien

SMI mit Omikron-Sorgen auf Talfahrt

Der Schweizer Aktienmarkt zeigt sich am Donnerstag klar tiefer.

(AWP) Grosse Unsicherheit rund um die Ausbreitung der laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) «besorgniserregenden» Coronavirusvariante Omikron haben am Donnerstag auch dem Schweizer Aktienmarkt zugesetzt. Vor allem Zykliker und Technologiewerte gaben stark nach, während die Aktien des Pharmaunternehmens Vifor von Übernahmespekulationen angetrieben in die Höhe kletterten. Der Leitindex SMI (SMI 12'529.56 -0.82%) grenzte mit dem an der Wall Street lancierten Erholungsversuch das Minus zwar etwas ein, verlor aber am Ende immer noch deutlich.

Auslöser der kräftigen Kurseinbussen vom Donnerstag an den internationalen Finanzmärkten war die Erkenntnis, dass Omikron auch in den USA angekommen ist. Meldungen zu ersten nachgewiesenen Fällen hatten die Wall Street noch am Mittwochabend stark unter Druck gesetzt und an den Börsen weltweit eine Verkaufswelle ausgelöst. Die Coronasorgen wurden von den sich verdichtenden Anzeichen auf eine raschere Verschärfung der Geldpolitik in den USA begleitet. Am Freitag liefert dann die neuste Ausgabe des Job Reports Hinweise darauf, in welchem Zustand sich der US-Arbeitsmarkt befindet.

Bis Börsenschluss büsste der SMI 0,73% auf 12’177,52 Punkte ein, nachdem er während des Tages kurz unter die Marke von 12’100 gefallen war. Der SLI, der die 30 wichtigsten Aktien umfasst, verlor 0,79% auf 1965,57 Punkte und der breite SPI (SXGE 15'876.69 -0.95%) 0,70% auf 15’560,96 Zähler. Die SLI-Werte verteilten sich auf 21 Verlierer und 9 Gewinner.

Die Investoren tun sich Händler zufolge schwer mit einer Einschätzung der wirtschaftlichen Folgen von Omikron. Die Verunsicherung war daher gross und das zeigte sich auch am Volatilitätsindex VSMI, der über die Marke von 21 Punkte und damit klar über das Niveau der letzten Wochen kletterte. Zugleich gewann der in unsicheren Zeiten begehrte Schweizer Franken an Stärke: Der Euro konnte sich bis Börsenschluss nur mit Mühe über der Marke von 1,04 Fr. halten.

In der trüben Gesamtstimmung fielen Vifor Pharma (VIFN 161.90 +0.00%) (+21%) positiv auf. Zeitungsberichten zufolge bekundet der australische Pharmakonzern CSL Interesse an Vifor. Die Australier sollen dazu bereit sein, 10 Mrd. australische Dollar oder umgerechnet rund 6,5 Mrd. Fr. für Vifor auszugeben.

Zu den weiteren Gewinnern zählten bei den Blue Chips Schindler (SCHP 230.00 -2.46%) (PS: +1,7%), Givaudan (GIVN 4'179.00 -2.47%) (+0,9%) oder Adecco (ADEN 48.89 -1.53%) (+0,6%). Gesucht waren auch die Bankenwerte UBS (UBSG 17.75 -1.28%) (+0,6%) und Julius Bär (BAER 63.28 -0.38%) (+0,5%), während Credit Suisse (CSGN 9.2040 -1.35%) (-1,1%) nachgaben. Die CS wird von der EU gemeinsam mit anderen Grossbanken wegen unerlaubter Absprachen im Devisenhandel gebüsst. Die Strafe für die CS beträgt allerdings eher geringe 83 Mio. €. Der UBS wurde als Kronzeuge die Busse erlassen.

News lieferte am Donnerstag auch Novartis (NOVN 82.10 -0.42%) (-0,6%). Die Basler gaben am Investorentreffen vertieften Einblick in die Geschäftsplanung und versprühten mit Blick auf die Projektpipeline Optimismus. Das gab der Aktie nur zu Handelsbeginn etwas Auftrieb, danach fiel sie ins Minus. Die beiden weiteren defensiven Schwergewichte Roche (-0,6%) und Nestlé (NESN 122.38 +0.36%) (-0,3%) konnten sich der allgemeinen Marktschwäche nur teilweise entziehen.

Die grössten Verluste erlitten Partners Group (PGHN 1'309.50 -3.61%) (-5,7%), die unter Zinssorgen litten. AMS büssten mit 5,0% ebenfalls deutlich ein. Beim Halbleiterspezialist machten Gerüchte über schwache iPhone-Verkaufszahlen beim Kunden Apple (AAPL 170.41 -1.54%) die Runde. Ausserdem setzte auch der schwache Trend am Technologiesektor zu, was auch beim Computerzubehörhersteller Logitech (LOGN 74.90 -1.94%) (-2,2%) Abgaben auslöste.

Stark unter Druck standen im SLI zudem Titel wie Straumann (STMN 1'568.00 -6.36%) (-3,9%), Sonova (SOON 321.60 -1.86%) (-3,7%), Lonza (LONN 647.00 -2.53%) (-1,8%) oder Richemont (CFR 134.10 -1.29%) (-2,1%). Letztere profitierten von der Aufnahme im Stoxx-Europe 50-Index im heutigen Handel nicht.

Am breiten Markt brillierte Achiko (ACHI 0.1650 -2.94%) mit einem Kursplus von 12%. Das in der Gesundheitstechnologie tätige Unternehmen vermeldete eine gute Wirksamkeit seines Covid-19-Schnelltests auch bei Omikron.

Klar tiefer schlossen Titel wie Evolva (EVE 0.1302 -1.36%) (-7,7%), Bachem (BANB 549.00 -1.61%) (-7,3%) oder Polyphor (-7,2%).

Wall Street leicht erholt – Boeing (BA 226.87 +0.40%) im Aufwind

Nach dem jüngsten Kursrutsch stabilisiert sich die Wall Street. Die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 legten zur Eröffnung am Donnerstag bis zu 1% zu, nachdem sie am Mittwoch jeweils mehr als 1% verloren hatten.

Der Kursrutsch als Reaktion auf das Auftauchen der neu entdeckten Omikron-Variante in den USA sei überzogen gewesen, sagte Analyst David Madden vom Brokerhaus Equiti Capital. «Die Leute werden merken, dass sie kein grosses Problem für die Erholung der US-Wirtschaft darstellt.» Allerdings werde die Nervosität die Börsen noch einige Zeit begleiten, bis Wissenschaftler mehr über die Gefährlichkeit des Erregers herausgefunden hätten, gab Sam Stovall, Chef-Anlagestratege des Research-Hauses CFRA, zu bedenken.

Zu den Favoriten am US-Aktienmarkt gehörte Boeing mit einem Kursplus von 4,4%. Die chinesische Flugaufsicht verteilte an Fluggesellschaften Direktive mit notwendigen Änderungen an Fliegern des Typs 737 MAX. Dies gilt als Voraussetzung für eine Freigabe der Maschinen für den Betrieb. Nach mehreren Abstürzen hatten zahlreiche Staaten diesen Fliegern vor etwa zweieinhalb Jahren die Flugerlaubnis entzogen. China sei ein sehr wichtiger Markt für den Airbus-Rivalen, schrieb Analystin Sheila Kahyaoglu von der Investmentbank Jefferies. Rund 20% aller Bestellungen für 737 MAX komme aus diesem Land.

Dax taucht wegen Omikron ab – Opec+ im Fokus

Das Auftauchen der Omikron-Variante des Coronavirus in den USA hat die Erholung am deutschen Aktienmarkt gestoppt. Der Dax startete am Donnerstag im Sog einer schwächeren Wall Street 1,2% tiefer bei 15.290 Punkten. Analysten fürchten, dass neuerliche Beschränkungen und Lockdowns das Wirtschaftswachstum weltweit bremsen könnten. Die starke Reaktion der US-Anleger sei aber verwunderlich, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. «Denn dass es Omikron auch in die USA geschafft hat, sollte niemanden verwundern.»

Da im Tagesverlauf keine relevanten Konjunkturdaten oder Firmenbilanzen anstehen, richten Börsianer ihre Aufmerksamkeit auf das Treffen der grossen Erdöl-Exporteure. «Angesichts des Einbruchs des Ölpreises ist es so gut wie sicher, dass die OPEC+ ihre geplanten Produktionserhöhungen aussetzen wird, um die Auswirkungen von Omikron auf die Weltwirtschaft besser beurteilen zu können», sagte Analyst Jeffrey Halley vom Brokerhaus Oanda. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee notierte am Vormittag anderthalb Prozent höher bei 69,90 $ je Fass, nachdem sie sich in den vergangenen Tagen zeitweise um gut 14% verbilligt hatte.

Euro stabil über 1,13 $ – Türkische Lira weiter unter Druck

Der Euro hat sich am Donnerstag in einem eher impulslosen Umfeld nur wenig bewegt. Am späten Nachmittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,1323 $ und damit etwas mehr als am Morgen. Die Kursschwankungen über den Tag hinweg fielen gering aus.

Zum Schweizer Franken verlor die Gemeinschaftswährung jedoch unterdessen leicht an Wert. Das EUR/CHF-Paar nähert sich am Nachmittag mit 1,0407 wieder der 1,04-Marke an, nachdem es im Mittagshandel noch bei 1,0418 notierte. Ein US-Dollar kostet derzeit mit 0,9190 Fr., etwas mehr als am Mittag und bewegt sich somit wieder in Richtung 0,92-Marke.

Konjunkturdaten gaben keine entscheidenden Impulse, sie vermittelten das bekannte Bild: Arbeitsmarktzahlen aus der Eurozone spiegelten die anhaltende Erholung wider, während Preisdaten auf Unternehmensebene einen rekordhohen Inflationsdruck ergaben. Die EZB sieht die Preisentwicklung bisher jedoch nicht als länger anhaltendes Phänomen an und will daher nicht dagegen vorgehen.

Unter anhaltendem Druck stand die türkische Lira, die gegenüber Dollar und Euro um jeweils etwa drei Prozent nachgab. Analysten nannten als Grund, dass Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan seinen Finanzminister Lutfi Elvan ausgetauscht hat. «Beobachter spekulieren darüber, dass Elvan gehen musste, weil er der Niedrigzinspolitik des Präsidenten kritisch gegenüberstand», kommentierte Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank (CBK 7.3800 -0.69%).

Der Personalwechsel ist einer von vielen, die in jüngerer Vergangenheit vor allem in der Notenbank stattfanden. Hintergrund ist Erdogans strikte Ablehnung hoher Zinsen, die aufgrund eines Inflationsschubs von fast 20 Prozent aber angebracht wären. Anleger zweifeln daher an der Unabhängigkeit der Notenbank, weshalb die Lira schon seit längerem von einem Rekordtief zum nächsten fällt.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85135 (0,85000) britische Pfund, 127,94 (128,27) japanische Yen und 1,0414 (1,0427) Schweizer Franken fest.

Türkische Lira weiter unter Druck

Unter anhaltendem Druck stand die türkische Lira, die gegenüber Dollar und Euro um jeweils gut 1% nachgab. Am Mittwochabend war bekannt geworden, dass der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan seinen Finanzminister Lutfi Elvan ausgetauscht hat. «Beobachter spekulieren darüber, dass Elvan gehen musste, weil er der Niedrigzinspolitik des Präsidenten kritisch gegenüberstand», erklärte Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank.

Der Personalwechsel ist einer von vielen, die in jüngerer Vergangenheit vor allem in der Notenbank stattfanden. Hintergrund ist Erdogans strikte Ablehnung hoher Zinsen, die aufgrund der hohen Inflation in der Türkei laut Experten aber angebracht wären. Aufgrund der Diskrepanz taumelt die Lira schon seit längerem von einem Rekordtief zum nächsten.

Ölpreise mit wilder Berg- und Talfahrt nach Opec-Beschluss

Die Ölpreise haben am Donnerstag mit einer wilden Berg- und Talfahrt auf eine zusätzliche Förderausweitung grosser Fördernationen reagiert. Nach zeitweise deutlichen Abschlägen stiegen die Preise bis zum frühen Abend an. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 69,86 $. Das waren 99 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 84.32 +0.27%)) stieg um 98 Cent auf 66,55 $.

Zwischenzeitlich waren die Notierungen um rund drei Dollar eingebrochen. Auslöser war, das der mächtige Ölverbund Opec+ seine Förderung trotz anderslautender Erwartungen im Januar um weitere 400 000 Barrel erhöhen will. Am Markt war eher mit einem Stillhalten gerechnet worden, da grosse Verbrauchsländer wie die USA zusätzliche Öl aus ihren Notreserven freigeben. Hintergrund ist das derzeit hohe Preisniveau am Ölmarkt.

Dass die Rohölpreise letztlich doch zulegten, führten Marktbeobachter auf ein Hintertürchen zurück, das sich die Förderländer offen liessen: Sollten sich neue Corona-Ängste bewahrheiten und die erst kürzlich entdeckte Corona-Omikron-Variante Auswirkungen auf den Ölmarkt haben, will man nachjustieren. Die Erhöhung per Januar ist also nicht in Stein gemeisselt.