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SMI: Defensive Schwergewichte sorgen für SMI-Minus

Die Schweizer Börse hat am Dienstag Boden verloren und damit schlechter abgeschnitten als andere europäische Handelsplätze.

(AWP) Die defensiven Schwergewichte Roche (ROG 358.60 -0.95%) und Nestlé (NESN 120.50 -1.26%) haben am Dienstag den Schweizer Aktienmarkt belastet, während sich andere wichtige europäische Börsen besser geschlagen haben. Der hiesige Leitindex SMI (SMI 12'199.21 -2.01%) startete zunächst stabil in den Handel, verlor dann zwischenzeitlich bis zu 0,9% und schloss letztendlich mit einem kleinen Minus. Der Pharmakonzern Roche musste eine Enttäuschung in der Forschung wegstecken: Das Partnerunternehmen Atea erlitt mit der so genannten Corona-Pille einen unerwarteten Rückschlag. Sowohl Roche als auch Nestlé präsentieren am (morgigen) Mittwoch Q3-Zahlen.

Im Hintergrund schwelten zudem die altbekannten Risikofaktoren wie die steigenden Energiepreise und damit verbundene Inflationsängste, ein bevorstehender Kurswechsel der Zentralbanken raus aus der ultralockeren Geldpolitik, aber auch die Turbulenzen auf dem chinesischen Immobilienmarkt weiter, hiess es am Markt. Die Anleger seien nach wie vor hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, von Kurseinbrüchen zu profitieren, und dem Unbehagen über steigende Zinsen und Risiken.

Der Leitindex SMI schloss am Dienstag um 0,21% tiefer bei 11’942,74 Punkten. In den vergangenen zwei Wochen hatte der Index jeweils zugelegt – nach mehreren Wochen der Verluste. Am (gestrigen) Montag war er dann stabil aus dem Handel gegangen. Der SLI, in dem das Gewicht der drei Schwergewichte stärker gekappt ist, legte hingegen um 0,34% auf 1941,53 Punkte zu, während der breite SPI (SXGE 15'600.34 -1.89%) wiederum 0,23% auf 15’406,49 Zähler abgab. Von den 30 wichtigsten Titeln legten 23 zu und 7 verloren.

Nestlé (-1,8%) wurden für durchwachsene Quartalsumsatzzahlen des Rivalen Danone in Sippenhaft genommen. Dem Lebensmittelkonzern aus Paris machten die explodierenden Kosten zu schaffen: Was zunächst mit höheren Preisen für Rohstoffe begonnen habe, habe sich zuletzt durch weitreichende Einschränkungen bei der Lieferkette verstärkt. «Kein Wunder, gehen die Anleger auf Nummer sicher und verkaufen die Nestlé-Aktien noch am Tag vor dem Quartalsbericht», hiess es unter Händlern.

Roche (-1,7%) standen nach dem Rückschlag mit der Covid-19-Pille AT-527 ebenfalls unter Verkaufsdruck. Zuletzt hatte der US-Konkurrent Merck (MRK 79.16 -3.79%) (MRK 223.00 +2.62%) mit guten Daten zu seiner Corona-Pille punkten können, was auch Hoffnungen für das gemeinschaftliche Medikament von Roche und Atea geschürt hatte. Ausserdem wurde am Markt spekuliert, die Basler könnten die Wachstumsprognose für das laufende Jahr anlässlich der Zahlenvorlage nicht erhöhen.

Die Uhrenwerte Swatch (-0,8%) und Richemont (CFR 133.45 -5.12%) (+0,2%) zeigten sich nach erfreulichen Uhrenexportdaten uneinheitlich. Im September wurden erneut mehr Zeitmesser ins Ausland exportiert als vor Jahresfrist, und die Exporte haben damit auch das Niveau der Vor-Coronazeit übertroffen.

Weitere Verlierer waren Adecco (ADEN 44.54 -3.34%), Swisscom (SCMN 518.00 -1.86%) (je -0,7%) und Lonza (LONN 738.60 +3.1%) (-0,2%).

Kühne+Nagel (+2,3%) – ebenfalls mit Quartalszahlen am Mittwoch – legten hingegen deutlich zu. Analysten gehen davon aus, dass die stark gestiegenen Frachtpreise die voraussichtlich schwächeren Volumina beim Logistikkonzern ausgeglichen haben dürften. Darüber, dass die Frachtpreise hoch bleiben werden, herrscht am Markt Einigkeit.

Gesucht waren zudem unter anderem Technologietitel wie Logitech (LOGN 78.20 +4.02%) (+0,5%), AMS (+1,7%) und Temenos (TEMN 123.20 -1.95%) (+2,1%). Bei Temenos ging damit die Erholung von dem Kursabsturz vom vergangenen Freitag weiter. Damals enttäuschte das Unternehmen mit seinen Quartalsbericht die Anleger herb.

Weitere Gewinner waren Alcon (ALC 72.64 -3.38%) (+3,6%), Straumann (STMN 1'892.00 -2.87%) (+2,5%) und Holcim (LHN 46.27 -2.98%) (+1,9%).

Am breiten Markt sackten Bachem (BANB 681.00 +2.87%) (-10,9% auf 745 Fr.) ab. Der Pharmaauftragsfertiger hat mit einer Kapitalerhöhung 583,5 Mio. Fr. eingenommen. Dabei platzierte Bachem 5%des ausstehenden Kapitals oder 750’000 Aktien zu 778 Fr. Zum Schlusskurs vom Vorabend bei 836 Fr. entsprach dies einem Abschlag von 7%. Allerdings hatte sich der Aktienkurs auch seit Ende 2020 mehr als verdoppelt.

Aktien New York Ausblick: Dow nimmt Rekordjagd wieder auf

Solide Quartalszahlen der beiden im Dow Jones Industrial enthaltenen Konzerne Johnson & Johnson (JNJ 159.20 -0.65%) (J&J) und The Travelers (TRV 153.66 -3.34%) haben den US-Leitindex am Dienstag gestützt. Im frühen Handel legte der Dow um ein Drittelprozent auf 35 376 Punkte zu und hält sich damit weiterhin in der Nähe des Rekordhochs von Mitte August.

Auch andere führende US-Börsenbarometer legten zu: Der S&P 500 rückte um 0,40% auf 4504 Punkte vor. Für den technologielastigen Nasdaq 100 (Nasdaq 100 16'025.58 -2.09%) ging es um 0,41% auf 15 366 Zähler aufwärts

Devisen: Euro legt zu

Der Euro hat am Dienstag erneut zugelegt. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1641 $. In der Nacht hatte sie nur knapp über 1,60 $ notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1655 (Montag: 1,1604) $ fest. Der Dollar kostete damit 0,8580 (0,8618) €.

Der Dollar war bereits am Montag nach enttäuschenden US-Industriedaten unter Druck geraten. Die Industrieproduktion war im September überraschend gesunken. Am Dienstag kamen schwache Daten aus der US-Bauwirtschaft hinzu. Während die Zahl der neu begonnenen Wohnungsbauten im September überraschend gefallen ist, ging die Zahl der Baugenehmigungen stärker als von Analysten erwartet zurück. Der Dollar gab zu allen wichtigen Währung nach.

Eine geldpolitische Wende in der Eurozone bleibt trotz gestiegener Inflationserwartungen in weiter Ferne. Der französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau erwartet trotz der aktuellen hohen Inflation weiterhin keine baldige Zinserhöhung. Es gebe keinen Grund, nächstes Jahr die Zinsen anzuheben. Villeroy de Galhau, der auch im EZB-Rat über die Geldpolitik mitentscheidet, geht nach wie vor davon aus, dass die derzeit hohe Inflation eine vorübergehende Erscheinung sei. Die Aussagen belasteten den Euro jedoch nicht, da sich andere Vertreter der Notenbank ähnlich geäussert hatten.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84275 (0,84438) britische Pfund, 133,12 (132,46) japanische Yen und 1,0716 (1,0712) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1772 $ gehandelt. Das waren rund sieben $ mehr als am Vortag.

Ölpreise bauen frühe Gewinne aus

Die Ölpreise sind am Dienstag gestiegen und haben Verluste vom Wochenauftakt wieder wettgemacht. Bis zum Mittag konnten sie leichte Gewinne aus dem frühen Handel ausbauen und bewegten sich wieder in Richtung mehrjähriger Höchststände. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 85,12 $. Das waren 79 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WTI 68.18 -12.6%)) stieg um 1,13 $ auf 83,57 $.

Zum Wochenstart hatten enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA die Ölpreise im Handelsverlauf belastet, nachdem zuvor mehrjährige Höchststände erreicht worden waren. Als Ursache wurde auf die US-Industrieproduktion verwiesen, die im September überraschend gesunken war. Der Ölmarkt reagierte mit einem Kursrutsch von etwa zwei $ auf die Daten.

Trotz des Preisdämpfers vom Wochenauftakt rechnen Experten in den kommenden Handelstagen eher mit steigenden Ölpreisen. Am Markt bleibt die Sorge vor einem zu niedrigen Angebot vor den Wintermonaten ein bestimmendes Thema. Ursache ist unter anderem eine Preisexplosion für Erdgas (Erdgas 1.82 -3.75%), woraufhin am Markt verstärkt Rohöl zum Betrieb von Kraftwerken nachgefragt wird.

Darüber hinaus sorgt auch die Förderpolitik des Ölverbunds Opec+ für eine weiter angespannte Lage am Ölmarkt. «Die vereinbarte Produktionserhöhung um 400 000 Barrel pro Tag jeden Monat reicht derzeit nicht aus, die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot zu schliessen», kommentierte Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank (CBK 6.30 -5.58%). Der Analyst verwies darüber hinaus auf Schätzungen, die am Ölmarkt kursieren, wonach die Förderstaaten der OPEC+ in den vergangenen drei Monaten weniger Rohöl geliefert hätten als vereinbart.