Märkte / Aktien

SMI beendet sechste Handelswoche in Folge im Plus

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag erneut fester geschlossen und damit die sechste Handelswoche in Folge mit einem Gewinn beendet.

(AWP) Nach oben gezogen wurden die Indizes am Berichtstag von den Richemont-Titeln, die nach starken Quartalszahlen des Luxusgüterkonzerns einen Kurssprung vollführten.

Thema an den Märkten bleibt aber weiterhin die Inflation. Die Anleger fürchten weiterhin, dass die US-Notenbank nach dem starken Anstieg der Teuerung im Oktober die geldpolitischen Zügel rascher straffen könnte als bislang erwartet. Auch in Europa und in der Schweiz gab es Warnsignale von der Teuerungsfront: Hierzulande sind die Produzentenpreise im Oktober deutlich nach oben geklettert. Positiv vermerkt wurde im Handel derweil die Begleichung einer Zahlung durch den hoch verschuldeten chinesischen Immobilienkonzern Evergrande (Evergrande - -).

Der SMI (SMI 11'645.47 +1.34%) schloss um 0,76% höher auf 12’516,05 Punkten. Für die gesamte Handelswoche resultierte damit ein Plus von 1,6%. Der SLI, in dem das Gewicht der Schwergewichte begrenzt ist, gewann 1,02% auf 2035,67 Zähler und der umfassende SPI (SXGE 14'936.88 +1.55%) stieg 0,61% auf 16’124,13 Punkte. Von den 30 SLI-Titeln schlossen 25 höher und fünf tiefer.

Klar im Fokus standen am Freitag die Richemont-Aktien (+10,9%), die nach Zahlen zum ersten Halbjahr 2021/22 auf einem neuen Allzeithoch schlossen. Analysten zeigen sich beeindruckt vom Geschäftsverlauf. Vor allem dank dem Erfolg im Schmuckgeschäft fielen die Gewinnzahlen deutlich über den Erwartungen aus. Begrüsst wurde auch die Zusammenarbeit von Richemont (CFR 103.90 +9.60%) mit Farfetch (FTCH 9.15 +19.14%) im schwächelnden Online-Bereich. Im Sog von Richemont legten auch die Titel des Konkurrenten Swatch (+4,9%) deutlich zu.

Einen Kurssprung vollführten gegen Handelsschluss die Aktien des Arbeitsvermittlers Adecco (ADEN 37.02 +4.05%) (+6,4%). Am Markt wurde über den Einstieg eines gewichtigen aktivistischen Investors gesprochen, der einen Anteil an Adecco aufbaue. Weitere Marktteilnehmer verwiesen auf Gerüchte über eine umfangreiche Fusion im europäischen Dienstleistungsbereich, die von Investmentbanken vorbereitet werde.

Weitere zyklische Titel wie AMS (+2,1%), Geberit (GEBN 530.80 +2.67%) (+1,2%) oder Schindler (SCHP 198.05 +1.51%) (+1,1%) konnten ebenfalls klar zulegen. Fester schlossen zudem die Aktien von Sonova (SOON 341.30 +5.86%) (+1,8%). Der Hörgerätehersteller wird am Montag sein Ergebnis zum ersten Halbjahr 2021/22 publizieren.

Mit Kursgewinnen gingen auch Vifor Pharma (VIFN 171.00 +0.88%) (+0,8%) aus dem Handel. Der EU-Arzneimittelausschuss hat ein Medikament des Gemeinschaftsunternehmens Vifor Fresenius (FRE 32.47 +0.90%) Medical Care (FME 56.54 -0.25%) Renal Pharma (VFMCRP) zur Behandlung einer Autoimmunerkrankung zur Zulassung empfohlen.

Bei den Pharmaschwergewichten schlossen Novartis (NOVN 87.23 -0.67%) (+0,1%) leicht im Plus, während Roche (-0,4) nachgaben. Die EU-Zulassung für das mit Regeneron entwickelte Roche-Corona-Mittel Ronapreve bot keine Unterstützung. Etwas fester gingen die Titel des SMI-Schwergewichts Nestlé (NESN 116.42 +1.91%) (+0,3%) ins Wochenende.

Zu den schwächeren Titeln gehörten die Finanzaktien. Während sich Zurich (+0,1%) etwas von den Abgaben vom Vortag erholten, ging es für Swiss Re (SREN 80.02 +1.37%) (-0,1%) weiter abwärts. Leicht im Plus schlossen die Grossbankenwerte UBS (UBSG 18.03 +1.58%) und CS (beide +0,2%).

Etwas unter Druck waren Alcon (ALC 71.92 +3.04%) (-0,7%). Die Aktien des Augenheilmittelkonzerns stehen seit der Vorlage des Quartalsergebnisses am Dienstagabend unter Druck. Zu leichten Gewinnmitnahmen kam es bei den Sika-Titeln (-0,8%), die am Vortag nach Ankündigung einer Grossübernahme um über 10% zugelegt hatten.

Am breiten Markt stiegen TX Group (TXGN 129.80 -0.92%) (+8,4%) deutlich an. Das Verlagshaus ging mit einem Gemeinschaftsunternehmen digitaler Marktplätze mit dem Namen SMG Swiss Marketplace Group an den Start. Abwärts ging es dagegen mit MCH (-5,0%), nachdem die Messebetreiberin die Uhrenmesse «Baselworld» für nächstes Jahr abgesagt hatte.

Erneut zulegen konnten Relief Therapeutics (RLF 0.0398 -29.68%) (+15,8%), nachdem der US-Partner NRx für den Covid-Wirkstoff Aviptadil eine positive Rückmeldung der US-Behörde FDA zu seinem Produktionsprozess erhalten hat. Im Gesamtjahr notieren die Titel aber weiterhin über 70% im Minus.

Heitere Stimmung am Aktienmarkt

Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank wiederum betont, dass die Aktienlaune «trotz aller trüben Problem-Wolken am Finanz-Himmel bemerkenswert heiter» sei. Auch er meint, dass mit Blick nach vorne vor allem die weitere Inflationsentwicklung eine besondere Bedeutung haben werde. Denn aktuell seien unter Anlegern zwei Lager auszumachen. Jene, die schlimmste Befürchtungen hegen, und die anderen, die den baldigen Anfang vom Ende des Preisdrucks erwarten.

Adrian Schneider von der Graubündner Kantonalbank (GRKP 1'680.00 +0.00%) geht davon aus, dass sich die Inflationszahlen in der kurzen Frist auf erhöhten Levels halten werden. Wie genau die US-Notenbank darüber denkt, dürfte sich seiner Meinung nach in der kommenden Woche etwas herauskristallisieren. Dann stehen eine Reihe von Reden von Fed-Vertretern auf der Agenda. «Diese dürften Aufschluss darüber geben, wie die aktuelle Inflationsdynamik eingeschätzt wird und wie die geldpolitische Entwicklung weiter geht», so Schneider.

Inflation bleibt Thema

Das Thema Teuerungsrate wird die Märkte auch auf Datenseite in der kommenden Woche weiter im Bann halten. Denn in der EU und auch in Grossbritannien stehen Konsumentenpreise auf der Agenda. Für die EU und auch Japan werden zudem die Daten für das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal veröffentlicht.

Gerade bei diesen Daten dürften Marktteilnehmer genauer schauen, inwieweit sich die globalen Lieferengpässe bemerkbar gemacht haben. Laut Naumer von Allianz (ALV 199.54 +0.37%) Global Investors dürften sich die Auswirkungen der Lieferketten-Probleme, respektive der Chip-Produktion, in der kommenden Woche voraussichtlich auch in den PKW-Neuzulassungen in der EU widerspiegeln. Das wiederum könnte auch die hiesigen zahlreichen Zulieferer verstärkt in den Fokus rücken.

Beachtung dürften auch die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion für China. Gerade in der zu Ende gehenden Woche war der angeschlagene chinesische Immobiliensektor einmal mehr in die Schlagzeilen geraten. Neben Evergrande hat auch der Entwickler Kaisa mit Zahlungsschwierigkeiten zu kämpfen. Allerdings schlugen die Nachrichten dieses Mal weniger starke Wellen als noch vor einigen Wochen.

Hierzulande wird es dagegen ehr ruhig in den nächsten Tagen. Für Gesprächsstoff könnten die zahlreichen Investorentage sorgen, darunter etwa auch die der Blue Chips Holcim (HOLN 47.96 +0.74%) und Zurich.

Devisen: Euro markiert weiteres Tief seit Mitte 2020

Der Euro hat am Freitag weiter nachgegeben und erneut einen Tiefstand seit über einem Jahr markiert. Am Morgen kostet die Gemeinschaftswährung zeitweise 1,1436 $ und damit so wenig wie zuletzt im Juli 2020. Am Vormittag wird der Euro mit 1,1453 nur wenig höher gehandelt.

Gegenüber dem Franken bewegt sich der Euro in engen Spannen und wird aktuell zu 1,0554 Fr. gehandelt nach 1,0553 am frühen Morgen. Das Währungspaar USD/CHF (USD/CHF 0.9560 -0.35%) hält sich mit 0,9214 Fr. über der Schwelle von 92 Rappen, die er am Vortag wieder überwunden hatte.

Der Euro leidet unter dem Auseinanderklaffen der Geldpolitik in den USA und der Eurozone. Während die US-Notenbank Fed ihre immensen Wertpapierkäufe zurückführt und die hohe Inflation Erwartungen in Richtung Zinsanhebungen schürt, bleibt die EZB ihrem lockeren Kurs bisher treu. Die weniger grosszügige Geldpolitik der Fed stärkt den Dollar und setzt den Euro unter Druck.

Zum Wochenausklang stehen nur wenige Wirtschaftsdaten mit grösserer Bedeutung auf dem Programm. In der Eurozone werden Produktionszahlen aus der Industrie erwartet, in den USA veröffentlicht die Uni Michigan die Resultate ihrer regelmässigen Stimmungsumfrage unter Verbrauchern.

Ölpreise geben deutlich nach

Die Ölpreise haben am Freitag deutlich nachgegeben. Gegen Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 81,74 $. Das waren 1,13 $ weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 114.32 +3.20%)) fiel um 1,29 $ auf 80,30 $.

Die Preise haben sich damit wieder etwas von ihren im Oktober erreichten Mehrjahreshochs entfernt. Marktbeobachter nennen als einen Grund für die Abschläge den deutlich stärkeren $, der Erdöl für Interessenten ausserhalb des Dollarraums verteuert und auf deren Nachfrage lastet.

An der grundsätzlichen Marktlage hat sich wenig geändert: Einer konjunkturell bedingt anziehenden Nachfrage steht ein knappes Angebot gegenüber. Aufgrund des Nachfrageüberhangs und entsprechend hoher Preise halten sich am Ölmarkt Spekulationen, grosse Verbrauchsländer wie die USA könnten einen Teil ihrer strategischen Ölreserven freigeben.

Die grossen Förderländer machen derzeit aber keine Anstalten, ihre Produktion stärker anzuheben. Seit Sommer stocken die 23 Länder des Ölverbunds Opec+ ihre Tagesförderung um monatlich 400 000 Barrel auf. Experten monieren, die Ausweitung sei angesichts des konjunkturell bedingt hohen Bedarfs zu gering. Die Opec-Staaten sehen das anders: Insbesondere der Ölriese Saudi-Arabien bleibt aufgrund ungewisser Konjunkturaussichten vorsichtig.

USA

In der Nacht zu Donnerstag regierte nach zunächst guter Stimmung an den US-Börsen zunehmend wieder die Furcht vor einer sich beschleunigenden Inflation. Der Dow Jones Industrial verlor 0,7% auf 36’080 Zähler. Der S&P 500 sank 0,8% auf 4646 Punkte. Der Nasdaq 100 gab 1,4% nach auf 15’986.

Defensive Pharmawerte lagen zum Handelsschluss vorne: Merck & Co. mit einem Plus von 1,6%, Johnson & Johnson mit 1,1. Apple gaben 1,9% nach, weil der Tech-Konzern mit dem Versuch scheiterte, eine Öffnung des eigenen App Store aufzuschieben. Gefragt waren bei ihrem Börsendebüt die Papiere des US-Elektroautobauers Rivian. Sie starteten in den Handel mit einem Aufschlag von 37%. Die Titel des Essenslieferanten Doordash schossen 11,6% nach oben: Der US-Konzern steigt mit der Übernahme der finnischen Wolt in den europäischen Markt ein.

Asien

Die asiatischen Börsen konnten sich am Donnerstagmorgen weitgehend von den US-Vorgaben lösen. Der Nikkei 225 notierte 0,6% fester bei 29’272 Punkten. Der Hang Seng stand auf der Stelle mit 25’014 Zählern. Der Shanghai Composite notierte 1% höher. Der koreanische Kospi fiel 0,3% zurück.

Die Aktien des um den Weiterbestand kämpfenden Immobilienkonzerns China Evergrande stiegen mehr als 5% nach Berichten, er habe mit der Rückzahlung von ausstehenden Zinsen begonnen. Die Papiere des E-Commerce-Anbieters JD.com fielen 1%. Zum Verkaufstag Singles Day an diesem Donnerstag akzeptierte das Unternehmen erstmals Chinas Digitalwährung für Einkäufe.