Märkte / Aktien

Schweizer Börse schliesst im Minus

Der Schweizer Aktienmarkt hat nach einem zumeist positiven Handelstag ins Minus gedreht. Zu den grossen Gewinnern gehören die Finanzwerte.

(AWP/SK) Der Schweizer Leitindex SMI (SMI 10278.66 1.24%) hat seine frühen Gewinne im Verlauf des Nachmittags komplett abgebaut und schloss im Minus. Am Morgen war der Index zuerst auf 10’535 Punkte gestiegen, verlor danach etwas an Schwung, hielt sich aber trotzdem im Plus. Schlussendlich drückten die defensiven Schwergewichte den SMI trotz grundsätzlich positiver Stimmung  nach unten. Im SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, drehten die Vorzeichen am Nachmittag ebenfalls. Auch der breite SPI (SXGE 12742.57 1.17%) büsste ein.

Die Einigung der EU-Staaten auf ein billionenschweres Finanzpaket zur Bekämpfung der Corona-Wirtschaftskrise hatte dem Schweizer Aktienmarkt am Dienstag zunächst Auftrieb gegeben. Die Begeisterung hielt aber nicht lange vor und der Leitindex SMI gab im Tagesverlauf die Aufschläge wieder preis und rutschte am Ende ins Minus. Im Fokus standen hierzulande insbesondere die Quartals- und Halbjahreszahlen zahlreicher Unternehmen. Banken und Versicherungen zeigten sich mehrheitlich freundlich, während die grossen Pharmafirmen nachgaben.

Nach tagelangem Ringen hatten die 27 EU-Staaten an einem Sondergipfel in Brüssel eine Einigung gefunden, was an den Finanzmärkten positiv aufgenommen wurde. Damit beweise die EU in einer schwierigen wirtschaftlichen Phase Handlungsfähigkeit und habe ein wichtiges Zeichen der Solidarität gesetzt, hiess es bei Analysten.

Zwischentitel

Das Geschäft war auf die Aktien von Unternehmen fokussiert, die ihr Quartals- oder Halbjahresergebnis vorgelegt haben. Darin spiegelt sich der Einfluss der Corona-Pandemie deutlich. Mehrheitlich sind die Umsätze gesunken und manche Unternehmen äussern sich nur vage zu den weiteren Aussichten. Dennoch wurden die Erwartungen der Analysten zum Teil übertroffen.

Gefragt waren Bankaktien: UBS (UBSG 11.455 0.7%) hat mit dem Quartalsbericht die Erwartungen klar übertroffen. In ihrem Sog gewannen die Anteile von Rivalin Credit Suisse (CSGN 10.67 1.76%) und auch Julius Bär (BAER 43.48 1.78%) schlossen fester. Das Ergebnis der CS wird kommende Woche erwartet. Die Versicherer Swiss Re (SREN 74.14 1.23%) und Swiss Life (SLHN 348.5 0.99%) waren ebenfalls gesucht.

Das grösste Plus im SMI/SLI verbuchten die Aktien von Adecco (ADEN 47.73 0.78%). Konjunkturhoffnungen und ein besser als erwartet ausgefallenes Ergebnis des Rivalen Randstad lockten Käufer an. Personalvermittler gelten ausserdem als Profiteure des EU-Rettungspakets gegen die Corona-Krise.

Die Aktien von Logitech (LOGN 67.32 1.57%) drehten zum Handelsende ins Minus. Der Computerzubehörhersteller hat die hohen Erwartungen noch übertroffen und zudem die Prognose für das laufende Geschäftsjahr angehoben. Logitech wurde von der hohen Nachfrage im ersten Quartal überrascht. «Wir hatten das nicht erwartet», sagte CEO Bracken Darrell gegenüber AWP.

Grösste Verlierer unter den Blue-Chips waren nach Zahlen Kühne+Nagel. Im Verlauf drückten Gewinnmitnahmen die Titel ins Minus. Auch SGS (SGSN 2405 0.54%) und Givaudan (GIVN 3802 2.18%) rutschen im Tagesverlauf trotz guter Zwischenberichte klar ab.

Wenig gefragt waren die Aktien aus dem defensiven Lager: Novartis (NOVN 77.42 1.59%) fielen deutlich. Der Pharmakonzern hat mit seinen Zahlen die Erwartungen verfehlt. Die Genussscheine von Konkurrent Roche (ROG 317.4 1.44%) gaben ebenfalls ab, genauso wie das dritte Schwergewicht Nestlé (NESN 109.02 0.87%). Deutlichere Abgaben sahen auch Vifor oder Temenos (TEMN 138.1 0.11%). Am breiten Markt gewannen die Aktien von Georg Fischer (FI-N 890 0.96%). Der Industriekonzern habe besser als erwartet angeschnitten, hiess es am Markt.

Einen Kursrückschlag verbuchten Lindt & Sprüngli (LISN 79400 0.51%). Der Schokoladehersteller hat deutlich weniger umgesetzt als erwartet und hofft nun auf Erholungseffekte im zweiten Semester. SFS (SFSN 88.3 0.51%) kamen nach der Veröffentlichung des Halbjahresberichts unter Druck. Die Befestigungstechnikfirma hat im ersten Halbjahr wegen der Corona-Pandemie deutlich weniger Nachfrage gehabt. Im zweiten Halbjahr erwartet SFS aber eine leichte Erholung bei einer vergleichbaren Profitabilität.

Auffällig waren die Abgaben bei Basilea (BSLN 50.1 2.24%), nachdem das Unternehmen den Preis einer Wandelanleihe im Volumen von 97 Millionen Franken bekannt gegeben hatte. Auch Obseva, Implenia (IMPN 40.96 0.2%) und Zur Rose (ROSE 263 2.14%) verloren klar. Zulegen konnten Software One, Wisekey (WIHN 1.945 3.46%), Meyer Burger (MBTN 0.16 0.57%) oder Comet (COTN 146 2.24%). Comet hatte am Vortag Eckwerte zum Halbjahresergebnis vorgelegt.

US-Börsen eröffnen freundlich

Die US-Börsen eröffneten am Dienstagnachmittag erneut stärker. Der Leitindex Dow Jones (Dow Jones 27976.84 1.05%) notierte um 16:30 Uhr 0,9% höher. Trieben am Montag noch die grossen Technologiewerten den Index, können Intel (INTC 49.19 2.08%), Microsoft (MSFT 209.19 2.86%) und Apple (AAPL 452.04 3.32%) am Dienstag nicht mehr mit dem Gesamtmarkt mithalten. Im Fokus der Anleger liegen Exxon Mobil, Chevron (CVX 90.72 1.23%) und Coca Cola. Auch der breitere S&P500 legte nach der Eröffnung zu.

Die asiatischen Börsen folgten am Dienstag den guten US-Vorgaben und notierten im Plus. Der japanische Nikkei 225 stieg markant. Noch deutlicher legte der Hang Seng in Hongkong zu. Der Shanghai Composite schloss indes wenig unverändert, während der koreanische Kospi (Kospi 2418.78 -0.19%) und der australische S&P/ASX 200 avancierten.

Aufwärts ging es für die asiatischen Tech-Werte, wie etwa den chinesischen Internet-Konzern Tencent (Tencent 68 3.11%) und den taiwanesische Chipproduzent TSMC (TSM 66.82 -0.27%). Der Apple-Zulieferer Hon Hai (HHP1 6.09 9.93%) Precision (Foxconn) wurde dagegen abgestraft. Gemäss JPMorgan wird der Konkurrent Luxshare wohl einen höheren Anteil bei der iPhone-Produktion übernehmen.

Gold und Silber steigen

Der Euro legte am Dienstag im Verlauf des Nachmittags im Nachzug zu der EU-Einigung zu. Am frühen Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1.149 $. Erst in der Nacht auf Dienstag war sie auf einen viermonatigen Höchststand von 1.1469 $ geklettert. Zum Franken bewegte sich die Gemeinschaftswährung etwas tiefer bei 1.073 Fr. am Vorabend um. Der US-Dollar verlor deutlich auf 0,934 Fr.

Die Ölpreise stiegen bis zum Mittag deutlich. Auch am Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 45.31 1.77%) mit 44.18 $ noch 1 $ mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate stieg um 85 Cent auf 41.76 $.

Der Silberpreis ist am Dienstag erstmals seit knapp vier Jahren über die runde Marke von 20 US-Dollar gestiegen. In der Spitze kostete eine Feinunze (31,1 Gramm) des Edelmetalls am frühen Abend gar über 21 $ und damit über den Stand von September 2016. Auch der Goldpreise legte weiter zu und stieg mit rund 1840 $ auf einen Höchststand seit dem Jahr 2011. Damals hatte Gold (Gold 1915.85 0.19%) sein Rekordhoch bei gut 1921 $ erreicht.

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