Märkte / Aktien

Leichte Entspannung in Asien und Daten stützen SMI

Der Schweizer Aktienmarkt hat zu Wochenmitte nach einem verhaltenen Auftakt an Fahrt gewonnen und fester geschlossen.

(AWP/Reuters) Zur freundlichen Tendenz trugen laut Händlern Konjunkturzahlen aus China, der Eurozone und den USA bei. So wurden Einkaufsmanagerindizes positiv aufgenommen, obwohl einige davon rückläufig gewesen waren. Dies habe die Rezessions- aber auch die Zinssorgen etwas gedämpft, hiess es am Markt. Positiv aufgenommen wurde laut einem Händler auch, dass die Teuerung in der Schweiz im Juli nicht weiter gestiegen ist.

Dagegen sorgte vor allem zu Beginn der Sitzung die Reise von Nancy Pelosi, der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, nach Taiwan für Nervosität. Dieser zusätzliche geopolitischen Krisenherd sei an der Börse zunächst deutlich zu spüren gewesen, sagten Händler. China hatte die USA zuvor eindringlich vor einem Besuch Pelosis auf Taiwan gewarnt. Darauf hielt China Militär-Manöver vor Taiwan ab. Im Laufe des Tages flauten die Bedenken aber wieder etwas ab. Es gebe Hoffnung, dass nach der ersten Reaktion Pekings die Lage nicht stärker eskalieren werde, hiess es am Markt. Allerdings habe sich die ohnehin schon angespannte Beziehung der beiden Länder dadurch weiter verschlechtert.

Der SMI (SMI 11'128.24 -0.24%) schloss nach einem Tagestief bei 11’054 Punkten um 0,55% höher auf 11’178,99 Zählern und damit unter dem Tageshoch, das bei 11’200 erreicht wurde. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, rückte um 0,90% auf 1736,46 vor und der breite SPI (SXGE 14'441.67 -0.39%) um 0,62% auf 14’495,66 Zähler. Im SLI standen sich 27 Gewinner und drei Verlierer gegenüber.

Mit AMS Osram (AMS 8.21 -1.98%), Logitech (LOGN 55.28 -0.22%) und VAT sowie Straumann (STMN 129.75 -1.22%) und Sonova (SOON 339.30 -1.08%), die zwischen 4,4 und 1,9% anzogen, standen Aktien von Technologie- und Wachstumsfirmen weit oben auf der Rangliste, die im laufenden Jahr kräftig korrigiert hatten. Ihnen dürften die unerwartet guten Ergebnisse des Branchenvertreters Infineon (IFX 27.47 +0.46%) sowie der US-Konzerne Moderna (MRNA 171.18 -0.37%), Regeneron und Paypal zusätzlich geholfen haben.

Gefragt waren auch Zykliker wie Adecco (ADEN 33.87 +0.86%), deren Ergebnis am Donnerstag veröffentlicht wird. Sika (SIKA 243.40 -1.18%), Holcim (HOLN 45.62 +0.46%) und Geberit (GEBN 505.60 -0.94%) legten ebenfalls zu.

Bei den Finanzwerten griffen die Anleger ebenfalls zu, nachdem der Rückgang der Renditen zumindest fürs erste gestoppt sein dürfte. US-Notenbankvertreter hatten sich erstaunt darüber geäussert, dass der Markt bereits wieder Zinssenkungen einpreise. Darauf schlossen Partners Group (PGHN 1'033.00 -0.29%), Swiss Re (SREN 76.00 +0.80%), Swiss Life (SLHN 527.20 +0.61%), Zurich Insurance (ZURN 440.70 -0.45%) und UBS (UBSG 16.09 +1.20%) mit Gewinnen von zwischen 2,3 bis 1,0% höher. Dem Sektor hätten die Ergebnisse des Versicherers AXA und der Banken Société Générale und Commerzbank (CBK 7.14 +3.36%) zusätzlich geholfen.

Die Aktien der Credit Suisse (CSGN 5.48 +1.78%) machten anfängliche Einbussen wett. Sie waren am Vortag mit einem Minus von mehr als 6% die mit Abstand schwächste Aktie im SLI. Am Vortag hatten Ratingagenturen mit vorsichtigen Kommentaren Investoren vergrault. Nun kam noch eine Verkaufsempfehlung von Goldman Sachs hinzu.

Schwächster Bluechip heute war Swisscom (SCMN 504.60 -1.10%), am Tag vor der Bilanzvorlage, gefolgt von Givaudan (GIVN 3'368.00 +0.27%) und Nestlé (NESN 114.58 -0.52%).

Auch auf den hinteren Reihen beschäftigten sich die Anleger mit Ergebnissen. So waren Oerlikon und GAM nach starken Zahlen gesucht. Bei Meier Tobler (MTG 29.40 +1.73%) sorgte ein Analystenkommentar für steigende Kurse. Die Aktie befindet sich seit der Ergebnispublikation in der vergangenen Woche im Aufwind.

Dem standen Abgaben von 1,8% (auf 72,40 Fr.) bei der Versandapotheke Zur Rose (ROSE 60.85 -1.78%) gegenüber. Die Titel radierten damit einen Teil der Vortagesgewinne (+8,5%) aus, als sie in einem FuW-Bericht als möglicher Übernahmekandidat genannt wurden. UBS senkte zudem das Kursziel auf 56 Fr. und bestätigte die Verkaufsempfehlung.

Wall Street auf Erholungskurs

Gestützt auf ermutigende Firmenbilanzen kehren einige Anleger an die Wall Street zurück. Die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 stiegen zur Eröffnung am Mittwoch um bis zu 1%.

Erleichtert reagierten Investoren außerdem auf die bislang vergleichsweise moderate Reaktion der Regierung in Peking auf den Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi in Taiwan, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. China werde die Sache damit aber kaum auf sich beruhen lassen. Die Volksrepublik betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz.

Gespannt warteten Börsianer zudem auf das Barometer für die Stimmung der Einkaufsmanager aus dem US-Dienstleistungssektor. Ideal wäre eine kleine Veränderung zum Vormonat – gleichgültig in welche Richtung, sagte Jason Blackwell, Chef-Anleger des Vermögensberaters The Colony Group. Dies würde darauf hindeuten, dass die Zinserhöhungen der Notenbank Fed wirkten, ohne die Wirtschaft in eine Rezession zu stürzen.

Bei den Unternehmen stach PayPal (PYPL 101.10 +2.01%) mit einem Kursplus von fast 14% auf 101,95 $ heraus. Der Zahlungsabwickler hatte auf Basis eines überraschend starken Quartalsergebnisses seine Gewinnziele angehoben. Zusammen mit den Einsparungen und den Aktienrückkäufen hätten die Papiere ihre Talsohle durchschritten, prognostizierte Analyst Christopher Brendler vom Research-Haus D.A. Davidson. Daher bekräftige er seine Kaufempfehlung und das Kursziel von 120 $.

Dollar steigt zu Euro und Franken

Der Euro ist am Mittwoch erneut unter Druck geraten. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,0135 $. Am Mittag war sie noch über 1,02 $ gestiegen.

Auch zum Franken hat der Dollar weiter zugelegt. Aktuell wird das Währungspaar USD/CHF (USD/CHF 0.9416 +0.02%) bei 0,9643 nach 0,9557 am frühen Morgen gehandelt. Derweil kostet ein Euro mit 0,9773 ebenfalls etwas mehr als im Frühgeschäft mit 0,9731.

Robuste Konjunkturdaten aus den USA stützten den Dollar. Die Stimmung im Dienstleistungssektor hat sich im Juli überraschend aufgehellt. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex des Instituts for Supply Management (ISM) stieg zum Vormonat an, während Volkswirte einen Rückgang erwartet hatten. «Damit gibt es keine Hinweise auf eine Schrumpfung des Sektors und Wachstumssorgen sollten vor diesem Hintergrund tendenziell kleiner werden», schreiben Ulrich Wortberg, Analyst bei der Landesbank Hessen-Thüringen. Die US-Notenbank könne an ihrem Plan festhalten, die Leitzinsen weiter zu erhöhen. Zudem stiegen im Juni die Auftragseingänge für die die US-Industrie überraschend deutlich.

Der Euro war am Dienstag schon durch die hohe Nervosität an den Finanzmärkten belastet worden. Für Verunsicherung sorgte der Besuch der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, in Taiwan. China sieht Taiwan als Teil der Volksrepublik an, lehnt offizielle Kontakte anderer Länder zu dem Inselstaat strikt ab und hatte die USA vor dem Besuch Pelosis vehement gewarnt. Im Streit mit Peking fürchtet Taiwan eine See- und Luftblockade durch chinesische Militärmanöver rund um die demokratische Inselrepublik.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,83629 (0,83665) britische Pfund und 136,18 (133,90) japanische Yen fest.

US-Lagerdaten drücken Ölpreis ins Minus

Ein überraschender Anstieg der US-Lagerbestände macht dem Ölpreis zu schaffen. Die Sorte Brent aus der Nordsee und das US-Öl WTI (WBS 94.04 +2.66%) verbilligen sich um jeweils 2% auf 98,52 beziehungsweise 92,43 $ je Barrel. Zuvor hatte eine nur minimale Anhebung der Förderquoten durch die Opec+-Staaten den Kursen zeitweise Gewinne von etwa 2% beschert.

 

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