Märkte / Aktien

SMI im Aufwind

Der Schweizer Aktienmarkt zeigte sich Mitte Woche freundlich. Vor allem mit dem Support von Roche und Nestlé konnte er die Erholung des SMI fortsetzen.

(AWP) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Mittwoch vor allem dank des Marktschwergewichts Nestlé (NESN 120.50 -1.26%) fester geschlossen. Nach dem leichten Rücksetzer am Vortag konnte der Markt damit an die starke Entwicklung der Vorwoche anknüpfen und der SMI (SMI 12'199.21 -2.01%) die Schwelle von 12’000 Punkten wieder zurückerobern. Neben Nestlé gaben auch Novartis (NOVN 74.72 -2.42%) und Lonza (LONN 738.60 +3.1%) dem Gesamtmarkt Auftrieb.

Die Quartalsberichte seien bislang mehrheitlich gut ausgefallen und gäben dem Markt Unterstützung, sagte ein Händler. Die Probleme mit den Engpässen in der Lieferkette, hohen Rohmaterialpreisen und steigender Inflation seien etwas in den Hintergrund gerückt, aber nicht verschwunden. Neueste Teuerungsdaten aus der Eurozone, wo die Inflationsrate auf den höchsten Stand seit 13 Jahren gestiegen ist, zeigten dies. Dies könnte in Zukunft auch die Firmenbilanzen belasten. Daher bleibe der Fokus auf die Prognosen gerichtet.

Der Leitindex SMI schloss um 0,59% höher bei 12’013,15 Punkten. Ein Grossteil des Kursplus war dabei dem Anstieg von Nestlé geschuldet. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind und in dem die Gewichtung der Einzelwerte gekappt ist, legte um 0,39% zu auf 1949,16 Punkte und der breite SPI (SXGE 15'600.34 -1.89%) um 0,55% auf 15’490,58 Zähler. Von den 30 SLI-Titeln rückten 17 vor und 13 gaben nach.

Stark gesucht waren Nestlé. Sie machten dank der guten Zwischenbilanz die Vortagesverluste wett. Der Nahrungsmittelhersteller hat mit den Q3-Umsatzzahlen die Erwartungen klar übertroffen und die Prognose angehoben. Laut Analysten überzeugte vor allem das organische Wachstum von 6,5%. Am Vortag hatte die Aktie aus Angst vor Ergebnisenttäuschungen unter Druck gestanden.

Weitere Kursstützen waren Lonza und der Pharmawert Novartis. Lonza profitierten von einer Kaufempfehlung und Kurszielerhöhung der UBS (UBSG 15.62 -5.79%). Bei Novartis erwähnte ein Händler Umschichtungen aus dem Genussschein von Rivale Roche (ROG 358.60 -0.95%).

Roche büsste nach Zahlen 1,6% ein. Bereits tags zuvor waren die «Bons» nach einem Rückschlag bei einer Covid-19-Pille kursmässig abgestraft worden. Der Konzern ist in den ersten neun Monaten zwar weiter gewachsen und hat auch die Prognose für das Gesamtjahr erhöht. Doch Analysten zeigten sich von den Wachstumstreibern nicht wirklich überzeugt und die Prognoseerhöhung sei in etwa so erwartet worden.

Federn lassen mussten die Aktien von Kühne+Nagel. Der Logistikkonzern habe die Erwartungen übertroffen. Das Chaos in den Lieferketten sorge aber für Verunsicherung, hiess es. Händler sprachen zudem von Gewinnmitnahmen, liegt doch der Titel trotzdem noch immer um über mehr als 40% über dem Jahresanfang.

Die Aktien von Temenos (TEMN 123.20 -1.95%) setzten die Talfahrt fort. Seit dem Quartalsbericht in der Vorwoche stehen die Aktien unter Druck.

Gebeutelt wurden Credit Suisse (CSGN 8.88 -3.48%). Die Grossbank hat sich am Dienstagabend mit diversen Parteien in Kreditskandal in Mosambik auf einen teuren Vergleich geeinigt. Zudem wurde sie von der Finma wegen der Beschattungsaffäre um Iqbal Khan und weitere Mitarbeiter gerügt. «Bei all den Altlasten dürfte es CS schwer haben, 2021 ergebnismässig nicht zu enttäuschen», sagte ein Händler und sprach dabei auch von Verleiderverkäufen. «Der Gewinn 2021 dürfte damit futsch sein», sagte ein anderer Börsianer.

Dagegen tendierten die Anteile von Rivalin UBS sowie die Aktien der Versicherer Swiss Re (SREN 86.26 -4.2%) und Zurich fester.

Zu den Gewinnern zählten zudem die Aktien von ABB (ABBN 31.50 -4.23%). Der Elektrotechnikkonzern legt am morgigen Donnerstag den Quartalsbericht vor. Weniger optimistisch zeigten sich die Anleger bei Schindler (SCHP 241.40 -1.63%), dessen Quartalsabschluss ebenfalls morgen ansteht.

Die Aktien von SoftwareOne (SWON 19.20 +1.48%) gingen nach dem Investorentag, auf dem die Firma ihre Prognosen bestätigte, höher aus dem Handel. Zur Rose (ROSE 366.00 +8.61%) schlossen am Tag vor der Bilanzvorlage ebenfalls fester.

Dollar steigt leicht zu Euro und Franken

Der US-Dollar hat am Mittwoch zum Euro wie auch zum Schweizer Franken zugelegt. Am Vormittag notiert der Euro auf 1,1624 $ und damit etwas tiefer als noch am Vorabend. Das Tagesteif lag gar 1,1617 $. Gegenüber dem Franken ist der Dollar auf 0,9246 gestiegen. Ein Euro kostet derweil 1,0750 Fr.

Marktbeobachter sprechen von einer Gegenbewegung, nachdem der Euro in den ersten beiden Handelstagen der Woche gegenüber dem Dollar zulegen konnte. Am Devisenmarkt bleibt die Preisentwicklung ein bestimmendes Thema. Am Morgen ist bekannt geworden, dass sich der Preisauftrieb in Deutschland weiter verstärkt hat. Im September waren die Verbraucherpreise um 14,2% im Jahresvergleich gestiegen. Dies ist die höchste Rate seit 1974.

Im Tagesverlauf werden ausserdem neue Daten zur Inflation in der Eurozone erwartet. Auf dem Programm steht die zweite Schätzung zur Entwicklung der Verbraucherpreise im September. Am Markt wird erwartet, dass die Inflationsrate bei über drei Prozent den höchsten Stand seit 13 Jahren erreicht hat.

Jüngste Äusserungen des EZB-Ratsmitglied Francois Villeroy de Galhau deuten aber darauf hin, dass er weiterhin keinen Grund für Zinserhöhungen erkennen kann. Der französischen Notenbankpräsidenten ist davon überzeugt, dass die Inflationsrate im kommenden Jahr wieder unter die von der EZB angepeilte Zielmarke von zwei Prozent fallen dürfte.

Ölpreise geben deutlich nach – Steigende US-Reserven belasten

Ein Anstieg der Ölreserven in den USA hat den Höhenflug der Ölpreise am Mittwoch ausgebremst. Bis zum Mittag habe die Notierungen die Verluste aus dem frühen Handel weiter ausgebaut. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 84,11 $. Das waren 97 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WTI 68.18 -12.6%)) fiel um 92 Cent auf 82,04 $.

Am Vorabend war bekannt geworden, dass der Interessenverband American Petroleum Institute (API) in der vergangenen Woche einen Anstieg der US-Lagerbestände an Rohöl um 3,29 Millionen Barrel verzeichnet hat. Im weiteren Verlauf des Tages bleibt der Fokus am Ölmarkt auf die Entwicklung der amerikanischen Ölreserven gerichtet. Am Nachmittag werden die offiziellen Lagerdaten der US-Regierung veröffentlicht.

«Sollte das US-Energieministerium einen ähnlich starken Lageraufbau vermelden, wäre das bereits der vierte kräftige Wochenanstieg der US-Rohölvorräte in Folge», sagte Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank (CBK 6.30 -5.58%). Die amerikanischen Lagerdaten werden am Markt stark beachtet und könnten den Ölpreise neue Impulse geben. Auch bei den offiziellen Regierungsdaten wird mit einem Anstieg der Reserven gerechnet.

Leser-Kommentare