Märkte / Makro

SNB: «Angenommen, wir erhöhen den Leitzins auf null»

Die Nationalbank lässt ihren Leitsatz auf –0,75% und rechtfertigt den mittlerweile fünfjährigen Negativzins.

«Angenommen, wir erhöhen den Leitzins auf null», sagte Nationalbankpräsident Thomas Jordan an der vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung am Donnerstag in Bern. Damit läge der Geldmarktzins in der Schweiz höher als in der Eurozone, denn dort ist der Einlagensatz als massgeblicher Leitzins im Minus, und zwar auf –0,5%.

Jordan erläuterte: «Der Franken würde superattraktiv im Vergleich zu Anlagen in Euro. Der Franken ist ein sicherer Hafen und böte erst noch eine höhere Verzinsung.»

Die Anziehungskraft des Frankens

Dies würde gemäss Jordan das internationale Kapital «sehr stark anziehen», mit dem Resultat, dass der Aufwertungsdruck auf den Franken sich «sehr stark erhöhen» würde. Die Nationalbank habe vor rund fünf Jahren den Negativzins eingeführt – damals sei kaum jemand davon ausgegangen, dass er auch Ende 2019 noch gelten würde.

Die Nebenwirkungen des Negativzinses würden von der SNB (SNBN 5050 -3.81%) ernst genommen, sagte Jordan, aber «wir sind überzeugt, dass sein Nutzen für die Schweiz als Ganzes eindeutig grösser ist als seine Kosten».

Die Kosten einer Leitzinserhöhung

Die SNB kalkuliere, wie sich eine andere Zinspolitik auf den Wechselkurs, die Inflation und das Wachstum auswirken würde, führte Jordan aus – mit Simulationsrechnungen für die Wirtschaft. «Wenn wir die Geldpolitik jetzt verschärften, würde die Inflation in den negativen Bereich abrutschen, und das Wirtschaftswachstum ginge zurück», sagt Jordan. «Wir hätten eine Konjunkturdelle, je nachdem sogar eine Rezession.»

Das seien die Kosten, die man auferlegen würde, wenn die Geldpolitik nicht den Umständen gerecht werde.

Zinssenkung der EZB hat nicht geschadet

Ob der Unterschied zwischen den Leitzinsen der Nationalbank und der Europäischen Zentralbank für den Franken wirklich so wichtig ist, wie die SNB immer wieder betont, ist unter Ökonomen umstritten. Jordan sagte dazu, ein Wechselkurs werde von vielen Faktoren beeinflusst, aber «dass die Zinsdifferenz keine Rolle spielt, das behauptet fast kein Ökonom».

Auffällig ist jedoch, dass der Franken nicht stärker geworden ist, als die EZB im September ihren Negativzins von –0,4 auf –0,5% verschärfte. Damals habe sich zwar die Differenz zwischen den Leitzinsen verkleinert, sagte Jordan, aber auch die Erwartungen für die künftigen Zinsen und für die weitere Geldpolitik der EZB hätten sich verändert. Alle diese Faktoren spielten eine grosse Rolle, und «es wäre eine kühne Behauptung, zu sagen, wir könnten die Zinsen in diesem Umfeld problemlos erhöhen, ohne dass eine Aufwertung zu erwarten wäre».

Die Schweiz ist nicht Schweden

Im Unterschied zur SNB peilt die schwedische Notenbank den Nullzins an – ihr Leitsatz steht derzeit auf –0,25%. Weshalb Schweden kein Vorbild ist für die Schweiz, erklärte Jordan so: «Die schwedische Krone ist kein sicherer Hafen.» Die Krone sei eher schwach im Vergleich zu vielen anderen Währungen. Somit habe dort eine Veränderung der Leitzinsen ganz andere makroökonomische Auswirkungen als in der Schweiz. Der Franken sei nach wie vor hoch bewertet und wirke restriktiv auf die Inflation und die Produktion.

Jordan hielt fest: «Wenn sich der Franken so abschwächen würde, dass eine Zinsanpassung möglich wäre, wären wir dazu sofort bereit.» Der Negativzins sei jedoch weiterhin unerlässlich.