Märkte / Immobilien

SNB sieht grössere Gefahren am Immobilienmarkt

Die Hypothekarkredite und die Wohnliegenschaftspreise sind gemäss SNB in den letzten Quartalen stark angestiegen.

(AWP/BEG) Laut der Schweizerischen Nationalbank haben die Risiken am Immobilienmarkt noch einmal zugenommen. Auf die Reaktivierung des sogenannten antizyklischen Kapitalpuffers verzichtet die SNB (SNBN 4'800.00 -0.41%) aber – zumindest hat sie an der geldpolitischen Lagebeurteilung am Donnerstag keinen anders lautenden Hinweis gegeben.

Die Hypothekarkredite und Wohnliegenschaftspreise seien in den letzten Quartalen stark gestiegen, teilt die SNB mit. Insgesamt habe die Verwundbarkeit des Hypothekar- und Immobilienmarkts weiter zugenommen.

Wann kommt der Kapitalpuffer?

Um den antizyklischen Kapitalpuffer zu reaktivieren, müsste die SNB die Finanzmarktaufsicht Finma konsultieren und dann beim Bundesrat einen Antrag stellen. Bekannt würde dies erst nach dem bundesrätlichen Entscheid – so lautet das Drehbuch. Demgemäss wurde der Kapitalpuffer im Februar 2013 eingeführt und im Januar 2014 hinaufgesetzt – nicht an einer Lagebeurteilung der SNB.

Trotzdem hatten Experten zum Teil im Vorfeld mit einer entsprechenden Ankündigung gerechnet. Dies nicht zuletzt deshalb, weil SNB-Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg die Risiken am Immobilienmarkt vor gut einer Woche in einem Zeitungsinterview nochmals betont hatte.

Es werde lediglich «regelmässig geprüft», ob das Instrument reaktiviert werden müsse, schrieb die SNB nun in ihrer Mitteilung. Der Puffer war im Frühjahr 2020 im Zuge der Coronakrise ausser Kraft gesetzt worden.

Höheres Eigenkapital erforderlich

Der antizyklische Kapitalpuffer soll die Widerstandskraft des Bankensektors stärken, wenn sich Fehlentwicklungen am Kreditmarkt aufbauen. In der Schweiz steht das Instrument seit Juli 2012 zur Verfügung.

Ist der Kapitalpuffer aktiviert, sind die Banken verpflichtet, ihr Eigenkapital temporär und schrittweise aufzustocken. Zudem erhöhen sich dadurch die Kosten der Kreditvergabe, was dem Aufbau von Ungleichgewichten entgegenwirkt.

Im Februar 2013 hatte der Bundesrat erstmals beschlossen, den antizyklischen Kapitalpuffer auf Antrag der SNB zu aktivieren. Anlass waren das starke Wachstum der Hypothekarkredite und der Immobilienpreise.

Ab Ende September 2013 wurden daher alle Schweizer Banken sowie Tochtergesellschaften ausländischer Banken in der Schweiz verpflichtet, einen Eigenmittelpuffer in der Höhe von 1 Prozent ihrer risikogewichteten Positionen zu halten, bei denen eine Wohnliegenschaft als Grundpfand gehalten wurde. Am 22. Januar 2014 wurde der Kapitalpuffer auf 2% erhöht.

Wegen Corona deaktiviert

Ende März 2020 genehmigte der Bundesrat den Antrag der SNB auf Deaktivierung des Kapitalpuffers, um den Banken im Zusammenhang mit der Coronakrise den grösstmöglichen Spielraum bei der Kreditvergabe zu gewähren. Damit wollte die Nationalbank dazu beitragen, dass es keine Kreditklemme gibt.