Märkte / Makro

SNB-Chef: Globale Geldpolitik geht in Straffungsphase über

SNB-Chef Thomas Jordan sieht die Geldpolitik weltweit in eine neue Phase eintreten.

(Reuters) Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB (SNBN 6'520.00 +0.31%)) sieht die Geldpolitik weltweit in eine neue Phase eintreten. «Es ist eine neue Situation», sagte SNB-Chef Thomas Jordan in einem am Mittwoch vorab verfügbaren Interview des Magazins «Bilanz». «Erstmals seit 2008 erleben wir, dass die Geldpolitik in den meisten Währungsräumen in Richtung einer Straffung geht.» Die Entwicklung gehe in eine für die Geldpolitik unangenehme Richtung, erklärte Jordan. «Die Inflation ist global bereits hoch und steigt in vielen Ländern sogar noch, gleichzeitig schwächt sich die Konjunktur weltweit ab.»

Zum weiteren Vorgehen der SNB liess sich Jordan nicht in die Karten blicken. «Wir nehmen an unseren vierteljährlichen Lagebeurteilungen jeweils eine umfassende Neubewertung der geldpolitischen Situation vor», sagte der Notenbank-Chef. «Die Auswirkungen der global stark gestiegenen Inflation auf die Schweiz werden wir selbstverständlich analysieren und berücksichtigen.»

Die nächste Zinsentscheidung der Schweizer Währungshüter ist für den 16. Juni geplant. SNB-Direktoriumsmitglied Andrea Maechler hatte jüngst bekräftigt, dass die Notenbank bei anhaltend hoher Teuerung mit einer geldpolitischen Straffung nicht zögern werde. Mit minus 0,75% hat die SNB derzeit den weltweit niedrigsten Leitzins. Zusammen mit der Bereitschaft, an den Devisenmärkten zu intervenieren, sind Negativzinsen seit mehr als sieben Jahren die Grundlage der SNB-Geldpolitik.

Die US-Notenbank Fed hatte angesichts rasant steigender Preise jüngst den grössten Zinsschritt seit mehr als 20 Jahren vorgenommen und ein weiteres aggressiveres Vorgehen nicht ausgeschlossen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat vor dem Hintergrund einer rekordhohen Inflation eine Ende der Negativzinsen bis Ende September signalisiert.

Leser-Kommentare

Karl Hartmann 26.05.2022 - 12:01

Negativzinsen müssen wieder verschwinden. Zentralbanken mit ihrem Dualmandat (Preisstabilität, Beschäftigung) können dies nicht allein bewerkstelligen. Unternehmer sind extrem herausgefordert, die höheren Kapitalkosten mit steigenden Betriebsgewinnen und/oder Umsätzen zu kompensieren. Ohne Unternehmenssteuerreduktionen gekoppelt mit besseren Abschreibungsregeln, ausreichendem Investitionskapital sowie besserer internationaler Zusammenarbeit geht dies nicht.