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SNB-Chef Jordan: Bilanzkürzung ist keine vordringliche Aufgabe

Der Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, Thomas Jordan, hält die hohen Devisenreserven für unproblematisch.

Für die Schweizerische Nationalbank ist die enorm hohe Bilanzsumme nur Mittel zum Zweck. «Es gibt kein spezifisches Ziel für ihre Grösse», sagt SNB-Chef Thomas Jordan in einem Interview für die Augustausgabe des «Central Banking Journal» und wendet sich damit gegen Versuche, auszurechnen, wie die «normale» Bilanz einer Notenbank auszusehen habe. Grund zur Sorge gebe es nicht.

Die Bilanzsumme könne sich zwar auf die Gewinn- und Verlustrechnung der Nationalbank auswirken, führt Jordan aus, aber die Hauptaufgabe einer Notenbank sei es, die geldpolitischen Bedingungen zu setzen, damit das Mandat der Preisstabilität erreicht werde. Ein Instrument hierzu sei, die Bilanzsumme zu verändern, jedoch immer erst nach einer Kosten-Nutzen-Analyse. Jordan präzisiert: «Der erwartete Nutzen einer Anpassung muss die erwarteten Kosten zum Zeitpunkt, an dem entschieden wird, übertreffen.»

Kein Abbau des Devisenbestands

Das gelte ebenso für einen Abbau der Devisenreserven. Aber Jordan sieht momentan keinen Handlungsbedarf in diese Richtung. Es werde viel Zeit vergehen, bevor die Bilanzsummen der Zentralbanken wieder auf ein Niveau gesunken sein werden wie vor der Finanzkrise – nicht nur in der Schweiz.

Aber das sei auch keine vordringliche Aufgabe. «Besonders in einer kleinen, offenen Volkswirtschaft wie der Schweiz sollten wir nicht neue Zielgrössen für den Umfang oder die Entwicklung der Bilanzsumme schaffen», argumentiert Jordan, «denn das wäre nicht hilfreich für die Steuerung der Geldpolitik in einer Volkswirtschaft, die immer wieder sehr grossen externen Schocks ausgesetzt sein kann.»

Am aktuellen Mandat festhalten

Eine klare Absage erteilt Jordan darüber hinaus Forderungen nach einem exakten Inflationsziel. Anders als beispielsweise die Europäische Zentralbank («knapp unter 2%») gilt in der Schweiz das Preisstabilitätsmandat schon als erreicht, wenn die Inflation positiv ausfällt, aber mittelfristig unter 2% bleibt.

Diese erhöhte Flexibilität sei sinnvoll, sagt Jordan, weil die Schweiz erfahrungsgemäss von Wechselkursschwankungen betroffen sei, die auf die Teuerung durchgreifen und die Inflationsrate mal auf 2% anziehen liessen und dann wieder gegen 0% drückten. «Solche Schwankungen der Inflation sind nicht problematisch», kommentiert der Notenbankpräsident. Seit der Einführung des neuen geldpolitischen Konzepts im Jahr 2000 habe die Teuerung im Durchschnitt 0,5% betragen. Die Preisstabilität sei somit gewahrt geblieben.

Jordan warnt vor akademischen Vorstössen, die dafür plädieren, höhere Inflationsziele zuzulassen. «Die Schweizer Bevölkerung von der Notwendigkeit eines 4%-Inflationsziels zu überzeugen, wäre sehr schwierig (…) und würde der Glaubwürdigkeit der SNB (SNBN 4630 -1.7%) schaden», sagt er. «Wir sollten unsere Definition von Preisstabilität nicht ändern und uns nicht von unserem Mandat wegbewegen.»

Kryptowährungen sind keine Alternative

Konkurrenz erwächst Notenbanken im Geldumlauf. Kryptowährungen sind nicht nur wegen ihrer spektakulären Kursgewinne (und Kursverluste) in aller Munde. Auch die SNB beobachte die Entwicklung aufmerksam, erklärt Jordan. Aber bislang sei man zum Schluss gekommen, dass es keinen Grund gebe, digitales Zentralbankgeld auszugeben, insbesondere nicht für die breite Öffentlichkeit.  Die bestehenden Zahlungssysteme seien effizient. Man könne sie für den E-Comnmerce verbessern, indem man beispielsweise 24/7-Sofortzahlungen ermögliche. Eine Digitalwährung brauche es dazu nicht.

Von privaten Kryptowährungen hält die SNB – wen erstaunt’s – gar nichts. Sie würden vorwiegend zu Spekulationszwecken verwendet und müssten im Rahmen des Verbraucherschutzes besser reguliert werden. Die SNB befindet sich damit voll auf der Linie anderer Notenbanken.

Das trifft hingegen nicht zu für den Umgang mit der ältesten Geldversion: Bargeld. Während beispielsweise die EZB 500-Euro-Banknoten mit dem Hinweis auf Geldwäscherei ausrangieren will, hält die  SNB an der Tausendfrankennote fest. Sie sei fester Bestandteil einer Vielzahl legaler Zahlungsvorgänge.

Die Tausendernote abzuschaffen wäre kontraproduktiv. Jordan: «Die Schweizer Bevölkerung hiesse einen solchen Beschluss nicht gut, und das Vertrauen zwischen dem Volk und den Behörden würde Schaden nehmen.»