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SNB-Direktor: Grossbanken sind zu komplex

Fritz Zurbrügg, Direktor der Schweizerischen Nationalbank (SNB), sieht Banken besser gewappnet als vor der letzten Krise. Aber es gibt noch Schwächen.

(AWP) Die Schweizerische Nationalbank (SNB (SNBN 5460 1.11%)) sieht bei den Grossbanken Fortschritte hin zu einer verbesserten Stabilität. Noch sei man aber nicht ganz am Ziel.

“Erst die vollständige Umsetzung der vereinbarten Massnahmen schafft die Voraussetzung dafür, die TBTF-Problematik (Too big to fail) in der Schweiz zu lösen”, sagte SNB-Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg am Donnerstag in einem Referat zur Situation des Bankensystems der Schweiz an der Universität Luzern.

Die globale Finanzkrise vor 10 Jahren habe mit Vehemenz deutlich gemacht, wie gravierend die TBTF-Problematik in der Schweiz tatsächlich ist. “Wir sind überzeugt, dass die Schweizer Grossbanken und das Schweizer Bankensystem heute deutlich wetterfester sind als vor zehn Jahren.”

Bezüglich Anforderungen an die Widerstandskraft – der erste Pfeiler der Regulierung – sind beide Grossbanken auf Kurs. Sie erfüllen die Anforderungen an das ab Ende 2019 geltende risikogewichtete Eigenkapital bereits vollständig.

In Bezug auf den zweiten Pfeiler – die ordentliche Sanierung und Abwicklung – hätten beide Grossbanken weitere Fortschritte erzielt. Namentlich die Anforderungen an die Verlusttragfähigkeit im Krisenfall würden schon heute erfüllt. Das habe die SNB in ihren jüngsten Bericht zur Finanzstabilität vom Juni festgestellt.

Nicht ganz am Ziel

Zur Stärkung der Widerstandskraft bei der Leverage Ratio seien jedoch noch weitere Fortschritte notwendig. Auch die verbleibenden Arbeiten am zweiten Pfeiler dürften nicht unterschätzt werden. Diese Planung bedürfe aufgrund ihrer Komplexität grosser Sorgfalt und Umsicht.

Hier nannte Zurbrügg die Erarbeitung von “Resolution funding”-Plänen durch die Finanzmarktaufsicht (Finma), also die Finanzierung der Abwicklung, sowie die Verlusttragfähigkeit auf Stufe jeder einzelnen Einheit der Grossbanken als Bereiche, in denen noch Fortschritte gemacht werden müssten. “Und drittens müssen die beiden Grossbanken ihre internen finanziellen und operationellen Abhängigkeiten weiter reduzieren”, so der SNB-Direktor weiter.

Das Schweizer Regulierungskonzept ziele auf die wesentlichen Ursachen der TBTF-Problematik und sei kosteneffizient ausgestaltet. Mit der Umsetzung würden jene Fehlanreize reduziert, die der TBTF-Problematik zugrunde liegen.

“Entsprechend sind wir überzeugt, dass seine vollständige Umsetzung bis zur gesetzten Frist Ende 2019 die Voraussetzung dafür schafft, die Problematik in der Schweiz zu lösen,” so Zurbrügg. “Der Staat darf in Zukunft nicht mehr gezwungen werden, eine Bank mit staatlichen Mitteln zu retten.”

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