Märkte / Makro

SNB erhöht den Mindestkurs nicht

Der Zufluss in den Franken wird anhalten, solange die Schuldenkrise nicht bewältigt ist. Die Schweizerische Nationalbank wird daher am Donnerstag den Mindestkurs nicht erhöhen.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB (SNBN 5'140.00 -0.77%)) könnte am Donnerstag an der vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung den Mindestkurs von 1.20 Fr./€ nach oben verschieben. Dieses Gerücht kursiert, seit vergangene Woche bekannt wurde, dass die hiesige Wirtschaft im zweiten Quartal im Quartalsvergleich 0,1% geschrumpft ist und dass die SNB im August deutlich weniger im Devisenmarkt intervenieren musste als in den Monaten zuvor. Zudem hat der Euro Auftrieb erhalten, weil die Europäische Zentralbank eine Brandmauer errichtet und damit die Gefahr einer weiteren Staatspleite in Europa gebannt hat (vgl. FuW-Artikel).

Dadurch schwindet der Druck: Der Franken-Euro-Wechselkurs ist seit dem vergangenen Mittwoch gestiegen und handelt auch diese Woche deutlich über der engen Spanne um 1.2010 Fr./€, in der er zuvor fünf Monaten verharrt hatte. Am Dienstag notierte das Währungspaar 1.2071 Fr./€.

Das wäre keine schlechte Gelegenheit für einen höheren Mindestkurs – ergreifen wird die Nationalbank sie nicht. Der Zufluss in den Franken dürfte anhalten, denn die Schuldenkrise ist nicht bewältigt, und nach dem Entscheid des deutschen Bundesverfassungsgerichts zum Rettungsschirm ESM, dem Bericht der Geldgeber (Troika aus EU, EZB und IWF) zu Griechenland und den Wahlen in den Niederlanden beginnt schon bald der Wahlkampf in Deutschland und in Italien.

Keine Deflationsspirale in Sicht

Angesichts dessen wird sich die Nationalbank davor hüten, den zusätzlichen Druck eines höheren Mindestkurses zu riskieren. Zu  einem solchen Schritt veranlassen könnten sie nur drastische Probleme der Schweizer Wirtschaft und das Risiko einer Deflationsspirale. Diese Gefahr droht nicht. Der Einkaufsmangerindex (PMI) deutet auf eine anhaltende, moderate Kontraktion im verarbeitenden Gewerbe hin, nicht auf eine tiefe Rezession. Die Teuerung ist zwar negativ, und die Nationalbank verschiebt ihre Inflationsprognose womöglich nach unten, aber eine Abwärtsspirale ist keineswegs in Sicht.

Was also tut die SNB am Donnerstag? Auf den Punkt bringt es Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär (BAER 58.80 -0.37%) (vgl. FuW-Artikel): «Die Nationalbank kann entspannt ihr Mantra zur Stützung der Eurountergrenze wiederholen.»

Auch der Leitzins bleibt unverändert. Das Zielband für den Dreimonatszins Libor befindet sich seit August des vergangenen Jahres auf 0 bis 0,25%, und die Nationalbank strebt einen Libor «so nahe bei null wie möglich» an. Höhere Geldmarktzinsen würden zwar Hypotheken verteuern und dadurch den teilweise überhitzten Immobilienmarkt abkühlen, aber auch Frankenanlagen noch attraktiver machen, zusätzlich zu ihrer Funktion als sicherer Hafen. Das ist keine Option.