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SNB-Gewinnzahlung trotz Verlust 2018

Die Nationalbank wird einen Jahresverlust ausweisen, der Fehlbetrag hat sich im vierten Quartal wegen Börsenverlusten vergrössert. Dennoch erhalten Bund und Kantone ihre gewohnte Ausschüttung.

(AWP/BEG) Von den Kursverlusten am Aktienmarkt im Oktober und Dezember ist auch die Schweizerische Nationalbank nicht verschont geblieben. Allerdings dürfte sie den Schaden dank ihrer Investitionen in relativ sichere Anlagen minimiert haben, schreibt Ökonom Alessandro Bee von UBS (UBSG 11.515 -0.95%) in einer Vorschau. Die SNB (SNBN 5710 0.88%) publiziert am Mittwochmorgen erste Angaben zum Jahresergebnis 2018. Die jährliche Ausschüttung an Bund und Kantone ist trotz des Verlusts nicht gefährdet.

Die Nationalbank müsse im Geschäftsjahr 2018 einen Verlust von etwa 14 Mrd. Fr. schultern, kalkuliert Bee. Bereits in den ersten neun Monaten war sie in die Verlustzone gerutscht: Von Januar bis September betrug das Minus 7,8 Mrd. Fr. Im Schlussquartal dürfte die SNB gemäss UBS noch einmal etwa 6 Mrd. Fr. eingebüsst haben.

Ursache für den Verlust im vierten Quartal sei ein Minus von 21 Mrd. Fr. auf dem Aktienportfolio, berechnet Bee. Die Aktien machen 20% des Fremdwährungsbestands der SNB aus.

80% der Devisenanlagen sind in Obligationen investiert, zumeist in Staatsanleihen und fast vollumfänglich mit einem Rating von A bis AAA. Die Unsicherheit an den Finanzmärkten im vierten Quartal führte zu einem Kapitalzufluss in Anleihen, womit die Kurse gestiegen und die Marktzinsen gefallen sind. Der Kursgewinn für das SNB-Portfolio betrage rund 8 Mrd. Fr., hält Bee fest.

Dazu kommen Einnahmen aus Coupons und Dividenden von gut 3 Mrd. Fr. sowie aus dem Negativzins von 500 Mio. Fr. Neben Anleihen war auch Gold (Gold 1498.34 0.65%) als sicherer Hafen gefragt. Der Goldpreis in Franken stieg im vierten Quartal 8%, was der Nationalbank 3 Mrd. Fr. eingebracht hat.

Ausschüttung von 2 Mrd. Fr.

Trotz Jahresverlust von 14 Mrd. Fr. dürfte die SNB immer noch ein Eigenkapitalpolster von rund 120 Mrd. Fr. haben, nach 137 Mrd. Ende 2017. Die Ausschüttungsreserve wird sich den Berechnungen von UBS zufolge von 74 Mrd. auf 53 Mrd. Fr. reduzieren. Das ist mehr als genug, um 2 Mrd. Fr. an Bund und Kantone zu verteilen. Denn gemäss der entsprechenden Vereinbarung schüttet die SNB diesen Betrag aus, solange die Ausschüttungsreserve über 20 Mrd. Fr. liegt.

Die Nationalbank zehrt unter anderem von ihrem Rekordgewinn von 54,4 Mrd. Fr. im starken Börsenjahr 2017. Belastet wurde die Stimmung sodann im abgelaufenen Jahr von den sich eintrübenden Konjunkturaussichten, nicht zuletzt wegen des von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelsstreits mit China, sowie von einer etwas strafferen Geldpolitik der Notenbanken.

Sichere Anlagen zahlen sich aus

In diesem schwierigen Marktumfeld machte sich aber die defensive Struktur des SNB-Portfolios bezahlt, wie aus dem UBS-Bericht hervorgeht. Das heisst: Dank des hohen Anteils relativ sicherer Anlagen wie Staatsanleihen sowie den Goldreserven hält sich der Schaden für die SNB in Grenzen.

Hohes Fremdwährungsrisiko

Grundsätzlich geht die SNB laut dem UBS-Ökonomen einzig bei den Wechselkursen hohe Risiken ein: Fast alle ihre Anlagen hält sie in Fremdwährungen. Im Schlussquartal 2018 wirkte sich das aber kaum negativ aus. Denn die Abwertung des Frankens gegenüber dem Dollar neutralisierte die Erstarkung gegenüber dem Euro.

Die SNB habe ihre Fremdwährungsanlagen gleichmässiger verteilt, stellte Bee bereits in einem Report im vergangenen Sommer fest. 2010 habe sie 65% Euro und 22% Dollar gehalten, nun seien die Anteile fast ausgeglichen.

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