Märkte / Devisen

SNB hat massiv am Devisenmarkt interveniert

Die Schweizerische Nationalbank hat im ersten Halbjahr Devisen im Gegenwert von 90 Mrd. Fr. erworben.

(AWP/BEG) Noch nie hat die Schweizerische Nationalbank (SNB (SNBN 4350 -1.81%)) so stark am Devisenmarkt interveniert wie im laufenden Jahr. Allein von Januar bis Juni hat sie zur Schwächung des  Frankens 90 Mrd. Fr. in die Hand genommen.

Im bisherigen «Spitzenjahr» 2015 hatte die SNB nach Aufhebung des Euromindestkurses Devisen für 86,1 Mrd. Fr. gekauft. 2020 waren es nun im ersten Quartal 38,5 Mrd. Fr. und im zweiten Jahresviertel 51,5 Mrd., wie aus am Mittwoch publizierten Statistiken hervorging.

Seit Ausbruch der Coronakrise betont die SNB, dass sie «verstärkt» interveniere. Mitte März tat sie dies erstmals wieder so stark wie zuletzt beim Frankenschock 2015.

Mehr Interventionen als beim Frankenschock

Seit Frühling 2009 im Nachgang zur Finanzkrise zählen Interventionen am Devisenmarkt zum Arsenal der SNB. Vor allem in den Jahren 2015 bis 2017 nach der Aufhebung des Mindestkurses hatte sie in hohem Mass interveniert, um den Franken zu schwächen bzw. die Exportwirtschaft vor einem allzu hohen Franken zu schützen.

Nach den erwähnten 86,1 Mrd. im Jahr 2015 hatte die SNB 2016 Devisen für 67,1 Mrd. und 2017 für 48,2 Mrd. Fr. gekauft. Aber auch schon 2014 hatte sie mit 25,8 Mrd. Fr. interveniert. 2018 und 2019 waren dann für die Nationalbank in dieser Beziehung relativ ruhige Jahre mit Devisenkäufen im Gegenwert von lediglich 2,3 und 13,2 Mrd. Fr.

Das heisst auch, dass die SNB jetzt in nur sechs Monaten mehr ausgegeben hat als in den drei Jahren zuvor zusammen.

Transparenz verbessert

Bekannt geworden ist dies jetzt, weil die SNB neu an jedem Quartalsende das Volumen des Vorquartals publiziert. Die Währungshüter begründen den Schritt mit dem Wunsch nach mehr Transparenz. Zudem folge man den jüngsten Empfehlungen des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Die neuen Daten sind laut Beobachtern möglicherweise auch ein Versuch, Kritik zuvorzukommen. Das US-Finanzministerium hat die Schweiz Anfang dieses Jahres auf seine Beobachtungsliste für potenzielle Währungsmanipulatoren gesetzt und sie ermutigt, mehr Daten über ihre Transaktionen zu veröffentlichen.

In früheren Jahren wurde jeweils erst mit dem Geschäftsbericht im Frühjahr bekannt, für wie viele Milliarden die SNB im Jahr davor Devisen gekauft hatte. Dazwischen versuchten Experten anhand verfügbarer Bilanzdaten und Statistiken, das Eingreifen am Devisenmarkt zu schätzen.

Sichteinlagen als Indiz weniger zuverlässig

Ein Indiz für die Interventionen geben die Sichteinlagen, die die Geschäftsbanken bei der Zentralbank halten. Sie werden wöchentlich von der Nationalbank publiziert. Wenn die SNB Devisen kauft, um den Franken zu schwächen, schreibt sie den Banken den Gegenwert in Franken als Sichtguthaben gut. Ein Anstieg dieser Sichteinlagen gilt daher in der Regel als Gradmesser für die Devisenmarktinterventionen der Nationalbank.

Doch seit Ende März spiegeln die Sichteinlagen die Interventionen weniger gut. Das liegt an den Covid-19-Krediten. Für diese können die Banken bei der SNB Liquidität beziehen, und damit steigen die Sichtguthaben. Wegen der Kredite ist nicht mehr klar, mit welchem Volumen die Nationalbank am Devisenmarkt eingereift. Die Sichtguthaben eignen sich weniger gut als Kompass für SNB-Devisenkäufe.

Die neuen Daten der SNB jeweils zum Ende des Quartals erhöhen die Transparenz. Da aber nur die Zahlen zum Vorquartal ausgewiesen werden, fehlt es an Aktualität.

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