Märkte / Makro

SNB-Negativzins trotz Wirtschaftsboom

Die Nationalbank hält an ihrer ultraexpansiven Geldpolitik fest, obwohl die Schweizer Wirtschaft zügig wächst.

Der Negativzins bleibt auf –0,75%, und die Nationalbank ist weiterhin «bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv», wie sie am Donnerstag an der vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung beschlossen hat. Der Franken sei «weiterhin hoch bewertet». Er handelte am Donnerstagvormittag auf 1.1295 Fr./€.

Derweil läuft die Wirtschaft rund. Am Mittwoch haben die Ökonomen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) ihre Prognose angehoben, das Bruttoinlandprodukt wachse dieses Jahr 2,9% statt wie zuvor erwartet 2,4%. In der Schweiz herrsche Hochkonjunktur, stellte das Seco fest.

Hochkonjunktur versus sicherer Hafen

Die Analysten von HSBC (5 659.9 0.18%) ergänzten am Donnerstag: «Ein stärkeres BIP-Wachstum in den vergangenen Quartalen als gedacht (seit Anfang 2017 im Schnitt +0,7% gegenüber Vorquartal), eine langsam anziehende Inflationsrate (August: 1,2% gegenüber Vorjahr) und die spürbare Abwertung der Schweizer Valuta bis Mai 2018 sollten die Frage nach der Notwendigkeit der ultralockeren Geldpolitik aufwerfen.»

Gegen eine Leitzinserhöhung sprächen der geringe Preisdruck bei den inländischen Gütern und die jüngste Aufwertung des Frankens, führt HSBC aus. Die SNB (SNBN 5400 1.69%) hält denn auch fest, seit der geldpolitischen Lagebeurteilung im Juni «hat sich der Franken spürbar aufgewertet». Damals stand der Wechselkurs auf 1.16 Fr./€.

Der SNB sind die Hände aber vor allem deshalb gebunden, weil der Franken auf noch so kleine Probleme in der Eurozone sensibel reagiert. Das diktiert der Nationalbank ihre Geldpolitik.

Langfristig tiefere Inflation erwartet

Die neue Inflationsprognose der SNB, die wie gewohnt einen gleichbleibenden Leitzins unterstellt, zeigt bis Anfang 2019 eine etwas höhere Teuerung als zuvor. «Verantwortlich hierfür ist eine leichte Zunahme der inländischen Teuerung», schreibt die SNB. Ab dem zweiten Quartal 2019 verlaufe die erwartete Inflation dann weiter unten als im Juni prognostiziert. Grund dafür sei der stärkere Franken – damit werden Importe günstiger, was das Preisniveau nach unten drückt.

Die Jahresteuerung 2018 beträgt gemäss der SNB-Prognose unverändert 0,9%. Für 2019 liege die Inflationsprognose nun mit 0,8% um 0,1 Prozentpunkte tiefer als im Juni erwartet. Für 2020 hat die Nationalbank die Prognose deutlich gesenkt, von 1,6 auf 1,2%.

Leser-Kommentare

Andreas Zehnder 20.09.2018 - 13:30
Es ist schon unglaublich und unappetitlich. Die SNB warnt vor Risiken im Hypothekenmarkt und giesst mit den Negativzinsen richtig Oel ins Feuer. Wasser predigen und Wein trinken. Die PK’s müssen weiterhin im Immobilienmarkt auf Halde produzieren und Investieren….mit Bruttorenditen von 3-4 % gehen Liegenschaften über den “Ladentisch”. Und die Parlamentarier diskutieren Monate und Jahre über die AHV-Reform. Deshalb dringend, liebe… Weiterlesen »
Andreas Zehnder 20.09.2018 - 13:56

…und last but not least – kann mir jemand erklären wieso eine AHV-Revision überhaupt nötig ist wenn uns die Nationalbank ja sowieso unsere Vorsorgekonti jeden Tag mit Negativzinsen belastet ? Vorsorgegelder sind weder Flucht- noch Spekulationsgelder, sondern hart verdiente Franken und Rappen eines einzelnen Bürgers. Deshalb ist es höchste Zeit diesen Unfug und Rentenklau ein Ende zu bereiten .

Roland Heinzer 24.09.2018 - 13:14
@ Andres Zehnder ich bin mit Ihnen voll einverstanden, die Negativzinsen auf den BVG Konti sind absolut unnötig und Diebstahl. Der Negativzins ist eine verdeckte Kapitalsteuer und eine Steuererhöhung gehört vors Volk! Mit den Negativzinsen zwingt die Nationalbank die Pensionskassen und Private in Immobilien zu investieren oder höhere Risiken einzugehen. Wohin das führen könnte werden wir in einigen Jahren sehen,… Weiterlesen »