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SNB profitiert von Börsenerholung

Die gute Entwicklung der Finanzmärkte im dritten Quartal lässt bei der Schweizerischen Nationalbank die Kassen klingeln. Für die ersten neun Monate beläuft sich der Gewinn auf 15 Mrd. Fr.

(AWP/BEG) Die Schweizerische Nationalbank (SNB (SNBN 4'630.00 -0.43%)) hat in den ersten neun Monaten 2020 schwarze Zahlen geschrieben. Damit steigen die Chancen, dass Bund und Kantone für 2020 in den Genuss der Maximalausschüttung aus den SNB-Reserven kommen.

Konkret weist die SNB für die Periode von Januar bis September 2020 einen Gewinn von 15,1 Mrd. Fr. aus, wie sie am Freitag mitteilte. Der Gewinn stammt fast vollständig aus dem dritten Quartal, das mit einem Plus von 14,3 Mrd. Fr. endete. Ein solches Resultat war von Analysten erwartet worden.

Die aktuelle Vereinbarung zwischen dem Bund und der SNB sieht vor, dass für 2020 ein maximaler Betrag von 4 Mrd. Fr. an Bund und Kantone ausgeschüttet wird, wenn die Ausschüttungsreserve 40 Mrd. Fr. überschreitet. Aktuell – d.h. inklusive dem Gewinn aus der Neunmonatsperiode – liegt diese bei fast 100 Mrd. Fr.

Hoher Verlust möglich

Das heisst, die SNB könnte im vierten Quartal einen Verlust von fast 60 Mrd. Fr. machen, ohne dass sich an der maximalen Ausschüttungshöhe etwas ändern würde.

Hundertprozentig ausschliessen kann man das allerdings nicht. So musste die Nationalbank etwa allein im ersten Quartal dieses Jahres wegen des durch die Corona-Pandemie ausgelösten Börsencrashs und des damit zusammenhängenden Frankenanstiegs einen Verlust von über 38 Mrd. Fr. ausweisen.

Die jüngste Entwicklung an den Finanzmärkten lässt zwar ein deutliches Minus der SNB im vierten Quartal erwarten – damit sie aber einen Verlust von 60 Mrd. Fr. einfährt, müsste es zu einen sehr massiven Einbruch an den Börsen kommen.

Folgen der Geldpolitik

Das Ergebnis der SNB ist bekanntlich vor allem eine Folge ihrer Geldpolitik. Um den Franken zu schwächen bzw. nicht zu stark werden zu lassen, hat sie neben der Einführung der Negativzinsen vor allem ihre Devisenreserven in den vergangenen Jahren stark erhöht und damit Anleihen und Aktien in verschiedenen Währungen gekauft. Letztes Jahr etwa hatte sie damit zwar einen Gewinn von 49 Mrd. Fr. erzielt, in anderen Jahren aber auch hohe Verluste erlitten.

Die SNB betonte denn am Freitag wie üblich, dass ihr Ergebnis überwiegend von der Entwicklung der Gold-, Devisen und Kapitalmärkte abhängig ist. Starke Schwankungen seien deshalb die Regel und Rückschlüsse vom Zwischenergebnis auf das Jahresergebnis nur bedingt möglich.

Detailzahlen

Im Detail erzielt die SNB auf ihren Fremdwährungspositionen im Neunmonatszeitraum einen Gewinn von 5,3 Mrd. Fr. Dieser setzt sich aus sehr gegensätzlichen Entwicklungen zusammen.

So erzielte die SNB Zins- und Dividendenerträge von 8,7 Mrd. Fr., dazu kamen Kursgewinne auf Zinspapieren und Aktien von 18,8 Mrd. Fr. Dem standen allerdings wegen des Frankenanstiegs zu den wichtigsten Währungen wechselkursbedingte Verluste von 22,3 Mrd. Fr. gegenüber.

Auf dem mengenmässig unveränderten Goldbestand gab es für die SNB einen Bewertungsgewinn von 9,1 Mrd. Fr. Und auf den Frankenpositionen erzielte sie ein Plus von 1,0 Mrd. Fr., das im Wesentlichen aus den Negativzinsen auf Girokontoguthaben der Banken resultierte.

Wie die SNB am Freitag in der Bilanz ausserdem noch mitteilte, hat sie per Ende September 11,2 Mrd. Fr. an Covid-19-Krediten refinanziert. Schweizer Banken konnten bekanntlich bis Ende Juli gegen Hinterlegung der vom Bund oder den Kantonen garantierten Kredite bei der SNB Liquidität beziehen.

 

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