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SNB verliert wegen Apple 90 Mio. $

Die Schweizerische Nationalbank investiert zur Diversifizierung ihres Devisenportfolios Milliardenbeträge in US-Aktien. Die mit Abstand grösste Position sind Titel des IT-Riesen Apple, deren Kurs zuletzt deutlich gefallen ist.

Christoph Gisiger und Pascal Meisser

Um den Franken zu schwächen, hat die Schweizerische Nationalbank  (SNB) grosse Devisenreserven angehäuft. Diese Mittel investiert sie unter anderem in amerikanische Aktien und muss ihre Positionen der US-Börsenaufsicht SEC quartalsweise melden.

Wie die jüngsten Unterlagen zeigen, haben die Schweizer Währungshüter im zweiten Quartal dabei erneut auf Apple gesetzt. Insgesamt hatte die SNB per Ende Juni fast 1,2 Mrd. $ in die Titel des US-Technologieriesen investiert. Das ist etwas mehr als Ende März, als die Position gut 1,1 Mrd. $ umfasste. Zudem stieg die Anzahl Apple-Aktien im Portfolio von 8,9 auf 9,4 Mio. Stück.

Die massive Position dürfte der SNB-Spitze zuletzt wenig Freude bereitet haben: Der Kurs der Apple-Aktien belief sich per Ende Juni auf 125.43 $. Am Mittwoch zu Börsenschluss betrug er nur noch 115.40 $. Auf Basis einer unveränderten Anzahl Aktien hat die SNB mit dem Engagement in Apple innerhalb von fünf Wochen damit fast 90 Mio. $ verloren. Trotz der momentanen Kursbaisse ist Apple eine der besten Positionen im SNB-Portfolio. In den vergangenen zwei Jahren haben die Titel um 70% zugelegt.

Quelle: SEC

Ein weiterer Blick auf das US-Aktienportfolio der SNB zeigt, dass unter den wichtigsten Engagements weiterhin Exxon Mobil, Microsoft und Johnson & Johnson rangieren. Zudem sind neu Facebook und Disney auf die Liste der fünfzehn grössten Positionen vorgerückt. Im Vergleich zum ersten Quartal nicht mehr zu den Top-Holdings zählen hingegen IBM und Wal-Mart Stores. Insgesamt investiert die SNB in 2581 amerikanische Unternehmen, 33 mehr als noch vor drei Monaten. Das Volumen des Portfolios ist von 37,5 auf 38,6 Mrd. $ gewachsen.

Quelle: SEC

Der gesamte Devisenbestand der SNB belief sich zum Ende des vergangenen Quartals auf 516 Mrd. Fr., die überwiegend in Euro (42%) und Dollar (32%) angelegt sind. Diese Reserven sind hauptsächlich in Staatsobligationen investiert, ihr Anteil beläuft sich auf 72%. Dazu kommen andere Anleihen mit 11%. Auf Aktienanlagen entfallen 17%. Damit hat die SNB die Aktienquote gegenüber dem Vorquartal um 1% zurückgefahren.

In Aktien investiert die Nationalbank auf passiver Basis. Sie legt weltweit und indexnah an und hält nach diesem Konzept etwa 6000 Einzeltitel. So werden gemäss Angaben der SNB rund 90% der globalen Marktkapitalisierung abgedeckt. Mit dieser Strategie wollen die Schweizer Währungshüter auf eine breite Diversifikation setzen und sicherstellen, dass die Beteiligung an einzelnen Unternehmen im Rahmen des entsprechenden Referenzindex ausfällt.

Nur in zwei Punkten behält sich die SNB vor, aktiv in die Aktienallokation einzugreifen. Sie investiert grundsätzlich nicht in mittel- und grosskapitalisierte Banken, zur Vermeidung von Interessenkonflikten. Zudem verzichtet sie seit gut zwei Jahren auch auf Aktien von Unternehmen mit ethisch fragwürdigen Aktivitäten – beispielsweise Rüstungsfirmen. Ansonsten nimmt die SNB keine aktive Titelselektion vor – auch nicht wenn die Apple-Aktien an Terrain einbüssen.

Leser-Kommentare

Roland Iselin 06.08.2015 - 09:54

Diese Schlagzeile hätte der Blick nicht besser schreiben können!