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Nationalbank ist Grossaktionärin von Apple

Die Aktien des IT-Riesen aus dem Silicon Valley sind seit Anfang Jahr kräftig avanciert. Das spiegelt sich im Portfolio der Schweizerischen Nationalbank, mit dem sie ihre Devisenanlagen diversifiziert.

Christoph Gisiger und Philippe Béguelin

Es sind gigantische Summen: Wie Unterlagen der amerikanischen Wertpapieraufsicht SEC zeigen, hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) per Ende des ersten Quartals für mehr als 2,7 Mrd. $ Aktien von Apple gehalten. Sie hat damit vom 24%-Kursanstieg der Valoren in den ersten drei Monaten des Jahres profitiert. Rechnet man die Kursentwicklung seit Ende März mit ein, beläuft sich die Beteiligung sogar auf fast 2,8 Mrd. $.

Die SNB ist dadurch zu einem der grössten Aktionäre des kalifornischen IT-Giganten avanciert. Verglichen mit dem Stand von Ende 2016 ist die Beteiligung von rund 15,1 auf 18,9 Mio. Apple-Titel gewachsen. Gemäss dem Datendienst S&P Capital IQ rangiert die Nationalbank damit unter den 25 grössten Investoren, zusammen mit US-Anlagekolossen wie Vanguard, BlackRock, State Street und Warren Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway.

Im US-Aktienportfolio der SNB sind Apple die weitaus grösste Position. Den zweiten und den dritten Rang belegen das Google-Mutterhaus Alphabet und die Softwareschmiede Microsoft. Verglichen mit dem Stand von Ende 2016 sind auch IT-Riesen wie Facebook und Amazon auf der Liste der fünfzehn grössten Beteiligungen weiter nach oben gerückt.

Insgesamt umfasst das US-Aktienportfolio der SNB inzwischen mehr als 80 Mrd. $. Per Ende 2016 waren es noch rund 63 Mrd. $. Der massive Zuwachs resultiert aus zwei Faktoren: Erstens sind die US-Börsen im ersten Quartal annähernd 6% avanciert. Zweitens ist die Gesamtzahl der Aktien von rund 1,2 auf 1,4 Mrd. Stück gestiegen. Die SNB hat also rund 200 Mio. Titel zugekauft.

Kein Stock Picking, sondern am Index orientiert

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die SNB mit ihrer Anlagestrategie keine aktive Aktienauswahl trifft (Stock Picking), sondern sich passiv an Referenzindizes orientiert. Die Währungshüter erklären, sie investierten weltweit diversifiziert und indexnah, und ihr Portfolio decke rund 90% des globalen Aktienmarktes ab. «Dadurch wird die Anlagepolitik vor politischen Überlegungen abgeschirmt und der Einfluss auf einzelne Märkte möglichst gering gehalten», schreibt die Nationalbank im Geschäftsbericht.

Diese Anlagestrategie dürfte auch erklären, warum die Beteiligung an Apple so signifikant gewachsen ist: Im US-Leitindex S&P 500 ist die Gewichtung der Apple-Aktien durch die Kursavancen in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen, was demnach auch die SNB in ihrem Portfolio mit Zukäufen nachbilden musste.

Ein Fünftel des Portfolios in Aktien investiert

Die Devisenanlagen der Nationalbank bestehen zu vier Fünfteln aus Anleihen und zu einem Fünftel aus ausländischen Aktien. Das Anlagevolumen in Aktien weltweit beträgt somit 142 Mrd. Fr.

Die SNB kauft Fremdwährungsanlagen, um den Franken zu schwächen. Seit der Aufgabe des Euromindestkurses im Januar 2015 interveniert sie zwar nur noch punktuell. Nichtsdestotrotz hat der Bestand der Devisenanlagen in ihrer Bilanz um weitere 39% zugenommen, von 510 auf 711 Mrd. Fr. Das ist etwas mehr als das jährliche Bruttoinlandprodukt der Schweiz.