Tête de Moine, das ist eine Käsesorte – Mönchskopf; hier der Blick in einen Fabrikationsbetrieb in St. Imier. Das liegt im Berner Jura. So wie auch das ehemalige Kloster Bellelay. Dort stellten während Jahrhunderten die Chorherren den Käse her, bis französische Revolutionäre sie verscheuchten. Heute werden Mönchsköpfe in Dorfkäsereien sowohl im katholischen Norden wie im reformierten Süden hergestellt. Nächstes Wochenende wird dies- wie jenseits der Demarkations­linie die Bevölkerung abstimmen, ob sie ein Verfahren ein­leiten will, das in die Vereinigung des Berner Juras und des Kantons Jura münden könnte. Der Norden wird annehmen, der Süden kaum: Die Bernjurassier geniessen zwar kein mildes Steuerklima, doch im Kanton Jura ist’s noch garstiger. Überhaupt ist die Debatte heute wohltuend näher am Profanen als am Kulturchauvinistischen, im Gegensatz zu den Siebzigern – man hat andere Sorgen: Jura Süd wie Nord zählen zu den schwächsten Schweizer Wirtschaftsstandorten. Wird das Thema somit ab Sonntag endlich vom Tisch sein? Abwarten. 1875 schrieb der russische Anarchist Michail Bakunin, wenngleich in anderem Zusammenhang, bewundernd von der «heroischen Geduld und Ausdauer der Jurassier».