Einige der grössten Vermögen unserer Zeit wurden von Unternehmern gebildet, die neue Technologien entwickelten und/oder marktfähig machten. Jeff Bezos, Gründer und Chef von Amazon, dem Online-Supermarkt, ist zurzeit der reichste Mensch der Welt, mit geschätzten 112 Mrd. $ (Quelle: «Forbes»).

Auf den Plätzen zwei, fünf und zehn liegen Microsoft-Gründer Bill Gates (90 Mrd.), Mark Zuckerberg von Facebook (71 Mrd.) sowie Larry Ellison, Gründer von Oracle, einem Softwareunternehmen (59 Mrd.). Sind die Genialität, der Fleiss und die Durchsetzungskraft der Väter – in der Technologiebranche gibt es in höheren Stellungen noch weniger Frauen als in der Wirtschaft im Allgemeinen – vererbbar? Möglicherweise.

Doch Tech-Dynastien im engeren Sinn gibt es keine. Das heisst, vielleicht gibt es bloss noch keine. Denn viele herausragende Persönlichkeiten, die das digitale Geschäftsmodell anwenden, haben Kinder, doch diese sind noch zu klein für eine eigene Laufbahn. Die Digitalisierung ist nämlich eine der jüngsten Entwicklungen der Wirtschaftsgeschichte; andererseits waren einige der heutigen Superunternehmer selbst ausgesprochen frühreif.

Ein Flugzeug als Geschenk

Jeff Bezos, 53 und seit 25 Jahren verheiratet mit derselben Frau, etwa hat drei Söhne und eine Tochter im Alter von 13 bis 18 Jahren. Bill Gates, 62, und Melissa haben zwei Töchter und einen Sohn; die ältere Tochter, Jennifer, 21, fällt als eine der besten U-25-Springreiterinnen Amerikas auf, der Vater hat ihr mehrere Pferdefarmen gekauft für über 40 Mio.

Auch Eve Jobs, Tochter von Steve Jobs, dem 2011 mit 56 verstorbenen Apple-Gründer, und Laurene Powell Jobs, deren geerbtes Vermögen 21 Mrd. $ beträgt, ist Wettkampfreiterin – sie studiert an derselben Universität wie Gates’ Tochter und tritt sportlich gelegentlich gegen diese an.

Über die Karrieren der beiden anderen Jobs-Powell-Kinder, des 26-jährigen Reed und der 23-jährigen Erin, ist nicht viel bekannt. Lisa Brennan Jobs, seine älteste Tochter aus einer früheren Beziehung, lebt zurückgezogen und gilt als nicht materialistisch, weshalb die 10 Mio., die sie vom Vater bekommen haben soll, wohl reichen werden. Bill und Melissa Gates, nebenbei, haben angekündigt, ihren Kindern keine Milliarden zu hinterlassen, sondern «bloss» zweistellige Millionenbeträge, den grossen Rest planen sie für wohltätige Zwecke wegzugeben.

Anders hält es Larry «Oracle» Ellison, 74: Er kaufte seinem heute 35 Jahre alten Sohn David bereits ein eigenes Flugzeug, als dieser noch Schüler war. Der Umgang mit Geld, sagte Vater Ellison, werde, ähnlich wie der Umgang mit Alkohol, besser früher zu Hause erlernt als später auf der Strasse.

David ist Filmproduzent wie seine drei Jahre jüngere Schwester Megan – sie gilt als Ansprechperson für Hollywood-Schauspieler und -Drehbuchautoren, die grosse Pläne für gute Filme mit wenig kommerziellen Chancen haben. Die Kosten beispielsweise von 45 Mio. für «Zero Dark Thirty» – Jessica Chastain bekam für ihre Rolle in dem Film über die Jagd auf Osama bin Laden die Academy-Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin – soll sie allein bezahlt haben.

Technologiedynastien «in the making»

Michael Dell, der PC-Unternehmer mit 24 Mrd. Vermögen, hat vier Kinder; die beiden älteren – Alexa, 24, und Zachary, 21 – scheinen sein Start-up-Gen mitbekommen zu haben. Zach entwickelte unter anderem eine Partnerwahl-Applikation für Studenten, seine Schwester war mit dem Chef von Tinder, einer ähnlichen App, zusammen, bevor sie den Immobilienunternehmer kennenlernte, der zurzeit ihr Partner ist und mit dem sie auch Geschäfte macht.

Die Kinder von Mark Zuckerberg (34) und seiner Frau Priscilla Chan, einer Ärztin, sind erst zweieinhalb Jahre respektive ein Jahr alt. Tesla- und Space-X-Unternehmer Elon Musk, 47, hat 20 Mrd. $ sowie Zwillinge und Drillinge, alles Söhne, der älteste ist 14. Microsoft-Mitgründer Paul Allen, 65, ist der reichste Junggeselle Amerikas, er hat 20 Mrd. und keine Kinder.

Apple-Chef Tim Cook, 57, oder der 50-jährige PayPal-Mitgründer Peter Thiel, der das meiste seiner 2,5 Mrd. $ in Technologie-Start-up-Unternehmen investiert, sind homosexuell und partner- beziehungsweise kinderlos (Thiel hat vergangenes Jahr geheiratet); Cook hat gesagt, er werde sein Vermögen von gegenwärtig 400 Mio. $ einmal spenden.

Falls man digitale Medien zur Technologiebranche zählt, kann man die Murdochs als Technologiedynastie bezeichnen: Rupert, 87 Jahre alt und 19 Mrd. schwer, übernahm vor 65 Jahren, nach dem frühen Tod seines Vaters, eine Regionalzeitung in Australien. Massgebend für seinen Vermögensauf bau waren vor allem Abonnenten- und Nachrichten-TV-Sender, die er zukaufte sowie aufbaute, respektive Filmstudios.

Er hat mit seiner ersten Ehefrau vier Kinder, von denen zwei, Lachlan, 46, und James, 45, im Unternehmen mitarbeiten. Seine zweitälteste Tochter, Elisabeth, führte eine Filmproduktionsfirma, die von einem Unternehmen ihres Vaters aufgekauft wurde. Was bei Beobachtern und Investoren nicht gut ankam. Aus seiner zweiten Ehe, mit Wendy Deng, die in einem seiner chinesischen Fernsehsender arbeitete, hat er 15-jährige Zwillinge.

Technologiedynastien sind also, so sieht’s aus, «in the making». Möglicherweise wird ihre Zahl aber hinter denen anderer Branchen, etwa dem Geschäft mit Mode oder Luxusgütern, zurückbleiben. Zahlreiche Unternehmer der digitalen Geschäftswelt wurden in sehr kurzer Zeit sehr reich – das spricht vielleicht ein wenig dagegen, dass ihr Erfolgsmodell vererb- beziehungsweise replizierbar ist.

Denn denkbarerweise verdankten sie ihren Aufstieg nicht bloss ihrer Genialität, Durchsetzungskraft und ihrem Fleiss. Sondern auch dem Umstand, dass sie genau dann mit ihrem Angebot auf den Markt gingen, als Zeit und Umstände dafür am besten waren. Was man auch als Glück bezeichnen kann.